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„Irgendwie passt das nicht zusammen. Die Regierung sagt, die E-Mobilität soll wachsen, aber dann fehlt die Infrastruktur“: Carl-Wolfgang Lipp aus Kirchseeon beim Betanken seines elektrischen Smarts.

Ein Kirchseeoner und seine Erfahrung mit E-Mobilität

„Mies hoch drei“

  • Robert Langer
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Carl-Wolfgang Lipp aus Kirchseeon hat seit fast vier Jahren ein Elektro-Auto. Der 63-Jährige stößt damit immer wieder an Grenzen.  Der Landkreis ein nicht vorbereitet, sagt er.

Kirchseeon– „Wenn ich mit meinem Elektroauto wegfahre, möchte ich sicher sein, dass ich auch wieder nach Hause komme.“ Das sei aber wegen der geringen Dichte von öffentlichen Ladestationen im Landkreis Ebersberg zweifelhaft, kritisiert Carl-Wolfgang Lipp aus Kirchseeon. „Die aktuelle Situation ist mies hoch drei.“

Der 63-Jährige war Ingenieur und Projektleiter bei BMW. Seit Juni ist er im Ruhestand. Seit rund dreieinhalb Jahren fährt er einen Elektro-Smart. „Für Kurzstrecken, für tägliche Fahrten. Das ist umweltschonend.“ Ansonsten gibt es noch ein weiteres Familienauto.

Rund 8000 Kilometer war er seither mit seinem E-Fahrzeug unterwegs. „Ich bin da nicht reingestolpert, kannte mich aus, es war eine bewusste Entscheidung“, erklärt Lipp.

Wenn die Batterie voll ist, kommt er mit dem Smart rund 100 Kilometer weit. Im Winter, wenn die Heizung läuft, geht die Leistung auf 60 Kilometer runter. „Das ist ein Problem bei allen E-Autos.“ Deshalb fahre er oft ohne Heizung, wärme den Innenraum des Autos aber vor der Fahrt an.

Lipps Aktions-Radius reicht bis Vaterstetten. „Im dortigen Parkhaus am S-Bahnhof kann ich das Auto aufladen.“ Wenn da nicht andere E-Mobile wären, die die Ladesäule blockierten. „Da stand einer öfter fünf Tage die Woche.“ Lipp selbst hat eine spezielle Parkscheibe, die er an die Windschutzscheibe legt und die anzeigt, wie lange er sein Auto noch laden will. Zudem steht auf der Scheibe eine Handy-Nummer, unter der er zu reichen ist. „Das ist ein fairer Umgang miteinander“. Manchmal fahre er auch nach Poing. Am dortigen Bahnhof sei das Stromtanken in Ordnung. Ganz im Gegensatz zu Ebersberg. Dort gebe es am Bahnhof zehn Ladesäulen. Oft funktionierten aber nur zwei von ihnen. Die Handhabung sei wohl auch für einige Nutzer zu kompliziert. Zudem nutzten andere Autofahrer die Strom-Tankplätze als Parkplätze.

Am Bahnhof in Kirchseoon könnte sich Lipp auch Ladesäulen vorstellen. Aber dort seien die Parkplätze schon jetzt sehr begrenzt. Da könne man nicht auch noch weitere Flächen für Ladesäulen sperren.

Es gebe auch noch weiter Ladesäulen beispielsweise an Hotels oder Supermärkten, so Lipp. Bei Letzteren müsse man aber beispielsweise dort einkaufen und bekomme dann eine Ladekarte. Das Angebot an öffentliche Möglichkeiten sei aber einfach zu gering.

Derzeit lädt Lipp seinen Kleinwagen auch zu Hause. Er hat eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Doch die bringt nur etwa ein Drittel der Leistung, die zum Laden notwendig wäre. Quasi von Ladestation zu Ladestation zu fahren und dann nach einer Teilladung wieder zu starten, sei für den Akku nicht gut, erklärt Lipp. Man sollte den besser leer fahren und dann wieder voll laden. Außerdem komme man sich beim „häppchenweise“ Laden vor, wie einst Bertha Benz. Die hatte ersten Fahrten mit dem von ihrem Mann Carl Benz erfunden „Motorwagen“ an Apotheken halten müssen, um in kleineren Mengen Kraftstoff nachzufüllen. Denn Tankstellen gab es damals noch nicht.

„Irgendwie passt das nicht zusammen. Die Regierung sagt, die E-Mobilität soll wachsen, aber dann fehlt die Infrastruktur.“ Der Schwarze Peter werde der Autoindustrie zugeschoben. Das sei aber ungerecht. Denn die potentiellen Kunden seien angesichts der aktuellen Situation verunsichert. Das verhindere den Umstieg. Dabei gebe es interessante Konzepte. In einer Stadt wie München könne man auf ein eigenes Auto verzichten. Für eine Fahrt ins Umland leihe man sich ein Elektro-Auto. Doch dann müsse für die Außenbereiche etwas getan werden, fordert Lipp. „Dass im Landkreis Ebersberg so wenig passiert, wundert mich.“ Denn seitdem er 2014 sein E-Auto erworben habe, habe sich fast nichts verändert. Wenn 2018 vielleicht doch ein neues Konzept umgesetzt werde, da komme das spät, aber nicht zu spät. „Es geht um Mobilität. Und ich wäre gerne mit meinem E-Auto mobiler.“

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