Schülerinnen der neunten Klasse einer bayerischen Mittelschule sitzen am ersten Schultag zu Beginn des Unterrichts mit Maske im Klassenzimmer.
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Vor den Herbstferien fand in Kirchseeon für die gesamte Q11 Distanzunterricht statt.

Aufregung am Gymnasium

Eltern behaupten: Kirchseeoner Lehrer verweigert sich Online-Unterricht

  • Michael Acker
    vonMichael Acker
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Eltern von Kirchseeoner Gymnasiasten sind in Sorge: Sie bemängeln ein zu knappes Online-Unterrichtsangebot der Schule. Und sie behaupten: Ein Lehrer verweigert sich ganz, per Videokonferenz zu unterrichten.

Kirchseeon – Die Corona-Pandemie stellt alle Schulen vor eine große Herausforderung. Nicht überall werden sie gleich gut gemeistert, wie Anfang der Woche die an Kultusminister Michael Piazolo (FW) gerichtete Kritik von Elternverbänden unterstrich.

Gesamte Q11-Stufe der Schule in Quarantäne

Unmut macht sich am Gymnasium Kirchseeon breit. Eltern berichten von „teils chaotischen“ Zuständen, was den digitalen Unterricht der Kinder angeht. Dieser war vor den Herbstferien notwendig geworden, weil sich die gesamte Q11 in Quarantäne befand. Mit Distanzunterricht sollte die Zeit überbrückt werden. Doch der habe nicht wirklich geklappt, wie Eltern berichten, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen wollen, weil sie schulische Nachteile für ihre Kinder befürchten.

Eltern: 56 Unterrichtsstunden ausgefallen - nur acht Online-Stunden angeboten

Ein Lehrer, der in der Q11 eine Fremdsprache unterricht, soll sich geweigert haben, Online-Unterricht anzubieten. Schulleiterin Simone Voit soll dies dem Elternbeirat mitgeteilt haben mit dem Zusatz, sie könne da nichts machen. Die Eltern beklagen, dass ihre Kinder seit Wochen unzureichend Unterricht in der Fremdsprache hätten. „Wie sollen die Jugendlichen eine Sprache lernen, wenn nur alle zwei Wochen ein Arbeitsblatt in der Plattform Mebis hochgeladen wird?“, fragen sie. Insgesamt seien bei einem Q11-Schüler 56 Schulstunden ausgefallen. Diese seien durch ganze acht Online-Stunden kompensiert worden.

Elternbeirat bestätigt Vorwürfe nicht

Die Schulleitung verwies auf Anfrage auf das Kultusministerium, der Elternbeirat bestätigte die Vorwürfe nicht. Er sagt: Die Rückmeldungen der Eltern zeigten, dass die Bereitstellung von Arbeitsmaterialien in Mebis inzwischen gut funktioniere und Schüler in Quarantäne von den Lehrkräften Arbeitsblätter, Videos und Hefteinträge zur Verfügung gestellt bekämen. „Ebenso werden erledigte Aufgaben von den Lehrern eingefordert und entsprechend korrigiert“, sagt Lars Moormann, Vorsitzender des Elternbeirats.

Schule hat keinen Glasfaseranschluss

Zu Online-Unterricht könnten Lehrer nicht verpflichtet werden. Zudem besitze das Gymnasium keinen Glasfaseranschluss, sodass ein „Streaming“ der Unterrichtseinheiten aus der Schule heraus möglich wäre. Sicherlich wünschen sich alle Seiten eine komplette Fortführung des Unterrichts als Videokonferenz, „allerdings haben wir Verständnis dafür, dass dieses mit den momentanen Voraussetzungen seitens der Politik und weiterer Institutionen nicht möglich ist,“ sagt Moormann weiter.

Ministerium: Videokonferenzen sind freiwilliges Angebot

Aus dem Kultusministerium hieß es, die Schüler seien nach Auskunft der Schulleiterin alle über die Mebis-Lernplattform mit Arbeitsmaterialien versorgt worden. Teils hätten auch Videokonferenzen stattgefunden, wobei es sich um ein freiwilliges Angebot des Sachaufwandsträgers für Lehrkräfte sowie Schüler handle. Ein Großteil der Schulfamilie nehme das Angebot wahr.

Eltern beklagen dagegen, dass in einigen Fächern kaum Aufgaben über Mebis kämen. Es gebe Lehrkräfte, die sich sehr engagierten und wirklich versuchten, ihren Unterricht weiter abzudecken. „Doch die Mehrheit ist dies nicht“, hieß es.

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