Fahrschüler und Fahrlehrer im Auto
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Das waren noch Zeiten, als man beim Fahrunterricht keine Maske tragen musste. (Symbolbild)

Lange Wartelisten und Verwirrung

Ansturm auf Fahrschulen: So lange brauchen Sie für den Führerschein

  • Raffael Scherer
    vonRaffael Scherer
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Banges Warten bei den Fahrschulen im Ebersberger Landkreis. Ab kommendem Montag dürfen sie wieder öffnen und sowohl Theorie- als auch Praxisunterricht abhalten. Das führt zu großem Ansturm, Wartezeiten und Verwirrung.

Landkreis – Fahrschullehrer und Geschäftsführer Mike Kliese (53) mit den gleichnamigen Schulen in Kirchseeon und Ebersberg hat alle Hände voll zu tun: „Der Andrang ist ziemlich groß: Allein kommende Woche habe ich zwölf Anmeldungen, das habe ich sonst einen ganzen Monat über“, sagt er am Telefon.

Er ist die nächsten fünf Wochen komplett ausgebucht. „Ich versuche aber, jedem gerecht zu werden, dass jeder drei bis fünf Termine im Monat bekommt“ sagt er. Seine Schüler können das größtenteils nachvollziehen, denn: „Es kommt immer darauf an, wie man das den Leuten sagt“, sagt Kliese. Die Lockdown-bedingte zweimonatige Pause nutzte er, um seine Räumlichkeiten zu pflegen, die Computersoftwareprogramme zu aktualisieren und den Unterricht vorzubereiten. Denn Gesetzesänderungen, wie die Führerscheinerweiterung B196 oder die seit Anfang dieses Jahres geltende Automatikregelung, wollen berücksichtigt werden.

Neun Monate bis zum Führerschein

In Markt Schwaben befürchtet Christian Schober (51) ebenfalls einen enormen Andrang ab kommender Woche. „Die Leute wussten zum Teil früher als wir, dass wir ab Montag wieder öffnen dürfen“, sagt er. Das vergangene Jahr über sei die Nachfrage „mega stark“ gewesen, vor allem im Motorradbereich.

Bei ihm seien die Wartelisten für Praxisunterricht sehr lange, meint er. „Wenn man jetzt mit dem Führerschein anfängt, muss man mit sechs bis neun Monaten rechnen, bis man ihn hat“, sagt Schober. Hinzu komme, dass durch eine Gesetzesänderung alle praktischen Fahrprüfungen künftig zehn Minuten länger als zuvor seien. Daher können statt etwa zehn nur noch acht Schüler pro Tag die Prüfung ablegen.

Würstelverkäufer statt Fahrschullehrer

Werner Schmidt (34) aus Forstinning mit seinen „De Fahrschui“-Schulen in Poing und Ebersberg kämpft zusätzlich mit dem Lehrermangel: „Wir können nicht einfach neue erfahrene Fahrlehrer holen, weil die gibt es nicht, wir müssen die selber ausbilden“, sagt er. Die auszubildenden Lehrer können voraussichtlich auch nicht wie geplant im Juli, sondern erst im Oktober ihre Prüfung ablegen. Das Durchschnittsalter der Fahrlehrer ist laut Schmidt sehr hoch: „Viele ältere Fahrlehrer haben Angst vor Corona, wollen sich schützen und nicht zurückkommen“, sagt er. Im Lockdown habe er sich eine neue Beschäftigung gesucht: Würstelverkäufer mit Imbisswagen bei der Sauschütt in Hohenlinden. „Irgendwie muss man ja seine Familie ernähren“, sagt Schmidt.

Wolfgang Aschmann (52) von der gleichnamigen Fahrschule in Eglharting, Kirchseeon, Vaterstetten und Zorneding stellen sich bei der Vorstellung der nächsten Wochen bereits die Haare auf: „Die Schüler werden Stress machen, die Leute werden unzufrieden sein und herummeckern“, befürchtet er. Seit dem ersten Lockdown sei alles ein riesiges Chaos. Er werde ab kommender Woche wieder nicht genügend Leute gleichzeitig hereinlassen dürfen, während die Warteliste wahnsinnig lang sei. Der Andrang wird die kommenden Wochen noch mehr vermutet er, denn: „Dann kommen vor allem die Motorradfahrschüler, die gleich fahren wollen, sobald die Sonne scheint“.

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