Bassist, Produzent, Booking-Agent Mario Lochert freut sich darauf, endlich wieder voll in seinem Business arbeiten zu können. Foto: stefan Rossmann
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Bassist, Produzent, Booking-Agent Mario Lochert freut sich darauf, endlich wieder voll in seinem Business arbeiten zu können.

Kirchseeoner Metal-Rocker kämpft sich mit Optimismus durch die Krise

„Serious Black“-Bassist Mario Lochert: Keine Zeit zum Jammern

  • Sabine Heine
    vonSabine Heine
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Die Musikbranche hat die Corona-Krise hart getroffen. Mario Lochert aus Kirchseeon, Bassist der Band „Serious Black“ geht‘s nicht anders. Aber er geht auf seine ganz eigene Art damit um.

Kirchseeon – Die Kälte schlägt voll ins Gesicht. Wozu heizen? Mario Lochert zuckt mit den Schultern. „Hier ist momentan nicht viel los.“ Im Keller seines schmucken Einfamilienhauses in Kirchseeon hat Lochert ein professionelles Tonstudio eingebaut. Normalerweise sollten sich hier Rockmusiker die Klinke in die Hand geben, sollten hier neue Chartbreaker aufgenommen und arrangiert werden. Seit einem knappen Jahr ist der Leerstand normal geworden. „Eigentlich hätten wir hier schon längst das neue Serious-Black-Album aufnehmen wollen“, sagt Mario Lochert, Bassist der erfolgreichen, international besetzten Rockband. Nun treffen sich die Musiker ab und zu bei Skype-Konferenzen und diskutieren ihre Songideen. Immerhin: „Ich geh mal davon aus, dass die Songs bis nach dem Lockdown fertig sind“ – und Serious Black dann wieder voll durchstarten kann.

Normalerweise arbeitet Mario Lochert dreigleisig

Lochert ist seit Jahren im Musikbusiness aktiv. Noch immer arbeitet er dreigleisig: Mario Lochert ist Booking-Agent für diverse Metal-Bands, Musikproduzent und Musiker in Personalunion. Die Corona-Pandemie trifft ihn in allen drei Jobs gleich hart. Einkünfte? So gut wie keine. Immerhin konnte Serious Black von Januar bis Ende Februar 2020 noch eine große Tournee durchziehen. „Da haben wir jeden Abend vor 5000 Leuten gespielt“, freut sich der Kirchseeoner.

Nach der Krise geht‘s weiter

In der Zeit nach dem Lockdown, sagt Lochert, will Serious Black allerdings erstmal kleinere Brötchen backen. Die nächste Tour startet erst 2022. „Ich hab jetzt kleinere Clubs gebucht. Da passen vielleicht 300, 400 Zuschauer rein.“ (Achtung Fans: Karten gibt es bereits.) Lochert: „Ich weiß, dass die Leute heiß sind, endlich wieder Konzerte besuchen zu dürfen. Aber es ist auch klar, dass nächstes Jahr alle Bands in die Hallen und Clubs gehen.“

„Bis Sommer bleibt alles Kulturelle eh am Boden“, glaubt Lochert. „Ich mag hier nicht auf dem Sofa hocken wie ein Depp.“ Mario Lochert hat sich deshalb noch ein viertes berufliches Standbein gesucht, eines, das mit seinem Hobby Angeln zu tun hat. „Ich hab einen Job bei Fisherman’s Partner in Parsdorf gefunden“, freut er sich. Er grinst: „Verkauf war ja schon immer meine Stärke.“ Hinter dem bunt tätowierten Metaller mit dem losen Mundwerk steckt ein intelligenter, geschäftstüchtiger und vor allem bodenständiger Familienmensch. Immer wieder schwärmt Mario Lochert von seiner kleinen Tochter Emilia, zeigt ein Video, wie die beiden zusammen „Rock me Amadeus“ singen“. Berichtet, wie die Fünfjährige ihren ersten Fisch aus dem Wasser gezogen hat, „anderthalb Kilo schwer“. Ganz der stolze Papa.

Vielen Freunden geht es erheblich schlechter

Und dann wird Mario Lochert sogar ein wenig nachdenklich. „Es ist schon ein Segen, dass ich hier bei mir zu Hause arbeiten kann und vor allem, dass ich nicht am Hungertuch nagen muss.“ Vielen seiner Freunde aus dem Musikgeschäft geht es erheblich schlechter.

Fans kommen nicht zu kurz

„Den Kulturbereich haben die Politiker einfach vergessen“, sagt Lochert. Er geht davon aus, dass Selbstständige in der Musikbranche weitestgehend ohne staatliche Hilfe auskommen müssen. Aber es hilft ja nichts „und was soll das Jammern?“. Mario Lochert macht weiter. Auch für seine Fans. „Das ist doch klar“, sagt er. So hat er alle am Silvesterabend auf einen Online-Studiobesuch bei sich in Kirchseeon eingeladen, eine Stunde mit ihnen geratscht über Gott und die Welt. 1000 Fans haben sich das angesehen. Wer weiß, wann man sich mal wieder live im Konzertsaal treffen kann.

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