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Im Ebersberger Forst werden Altlasten in einer ehemaligen Kirchseeoner Deponie untersucht. 

Deponie im Forst soll saniert werden

Kirchseeon: Altlast im Wald

Wenn es um ökologische Altlasten geht, fällt einem bei Kirchseeon sofort das Bahnschwellenwerk ein. Aber es gibt auch noch eine ehemalige Kirchseeoner Deponie, nämlich „Ebersberger Forst 17“

Kirchseeon – Die Deponie liegt im Wald nördlich der Marktgemeinde in der „Abteilung XII/17“ zwischen Maurer-Geräumt und Schilcher-Geräumt, also nördlich der Hubertussiedlung, etwa zwei Kilometer von der Gemeindegrenze entfernt. „Da ist alles zugewachsen, man sieht nichts mehr“, erklärt Bürgermeister Udo Ockel (CSU).

Doch das, was in der Deponie alles eingelagert wurde, könnte nun durchaus problematisch werden. Die Deponie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnet, wie dies in vielen anderen Kommunen auch üblich war. Zu einem Teil wurde in der etwa eineinhalb Hektar großen Grube Bauschutt eingebracht. Der andere Teil aber ist mit Hausmüll und auch wilden Ablagerungen gefüllt. Verwendet wurde die Deponie bis in die 70-er Jahre hinein. Danach wurde vor allem die neue zentrale Mülldeponie des Landkreises auf der Ebersberger Schafweide genutzt.

Seit vielen Jahren ist klar, dass die Deponie saniert werden muss. Nun steht ein endgültiger Sanierungsplan an. Wie Bürgermeister Udo Ockel jetzt im Gemeinderat erklärte, wurde nämlich „etwas gefunden, das sehr bedenklich erscheint“. Kernpunkt einer Detailuntersuchung des Büros Blasy+Mader ist wohl dieser Satz: „Eine Gefährdung des Hauptgrundwasserleiters kann nicht ausgeschlossen werden.“ Durch die im Grundwasser im Abstrom der Deponie gemessenen Konzentrationen an Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW) sei der „Gefahrenverdacht abschließend bestätigt“ worden. Und: Wegen der „nachgewiesenen massiven Belastungen“ und des zumindest zeitweise über zwei Meter mächtigen Grundwasserstroms, sei „mit erheblichen Schadstofffrachten zu rechnen“. Schließlich habe der Schadstoffaustrag „bereits zu Verunreinigungen deutlich außerhalb der Deponie geführt“. Auch können Bereiche „mit deutlich höheren Metangas- und/oder Schwefelwasserstoffkonzentrationen nicht ausgeschlossen werden“.

Laut Landratsamt bestehe jedoch derzeit kein sofortiger Handlungsbedarf. Weitere Untersuchungen wurden in Absprache mit dem Wasserwirtschaftsamt Rosenheim gefordert. Ein Untersuchungskonzept sei erarbeitet worden, dass nun umgesetzt werde.

Eine Gefährdung für die Wasserversorgung der Bevölkerung könne „zumindest nach den bisherigen Erkenntnissen ausgeschlossen werden“, so das Landratsamt auf EZ-Nachfrage. Die nächste relevante Wasserversorgung liege rund 5,7 Kilometer von der Deponie entfernt.

Die Wasserversorgung von Kirchseeon sei durch die Deponie nicht betroffen, wie Bürgermeister Ockel betont. Die Fließrichtung des Grundwassers verläuft an der Stelle der Deponie nach Osten, ansonsten allgemein in dem Gebiet in Richtung Nord-Osten. Die Kirchseeoner Brunnen liegen südlich.

Laut Ockel werde das Trinkwasser ständig überprüft. „Mir ist nicht bekannt, dass in irgendeinem Brunnen in der Nähe aktuell etwas gefunden wurde“, so der Bürgermeister. „Feuer unterm Dach ist sicher nicht.“ Sonst hätten die zuständigen Fachbehörden bereits Alarm geschlagen.

Klar ist aber auch, das etwas unternommen werden muss. „Jetzt sind die Fachleute gefragt, damit wir Empfehlung bekommen, wie wir damit umgehen sollen.“

In der anstehenden Sanierungsuntersuchung sollen nach Darstellung des Wasserwirtschaftsamts Sanierungsziele festgelegt und Sanierungsmethoden auf ihre Eignung hin geprüft werden. Dazu müsse auch das restlichen Umfeld der Deponie erkundet werden. Während diesen Untersuchungen, die in den Deponiekörper eingreifen, seien „zwingend begleitende Deponiegaskontrollmessungen“ notwendig.

Damit Gemeinden bei diesen Sanierungen finanziell nicht ins offene Messer laufen, gibt es die Gesellschaft für Altlastensanierung in Bayern (GAB). Diese wird durch den Freistaat, den bayerischen Städtetag und den bayerischen Gemeindetag getragen und hat die zentrale Aufgabe, Kommunen finanziell und fachlich bei der Altlastensanierung zu unterstützen. Für Kirchseeon gilt dabei eine Kostendeckelung für den Eigenanteil der Sanierung in Höhe von 105 089 Euro. Alles was darüber hinausgeht, zahlt die GAB. Rund 7000 Euro jährlich zahlt Kirchseeon in den Fonds ein.  er/lan

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