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Manche können sich noch erinnern: Alte Schultafel mit altdeutscher Schrift, Schulbank und Schulranzen. Dagmar und Elmar Kramer mit einem Teil der Ausstellungsstücke im Heimatmuseum.

Ausstellung im Heimatmuseum Kirchseeon

Schule früher: Tatzenstock und Schiefertafel 

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Kirchseeon - Auf eine Reise zurück in die eigene Schulzeit können sich Besucher bei einer neuen Ausstellung im Heimatmuseum Kirchseeon begeben. Viele der Exponate stammen aus der Schule in Eglharting.

„Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir“ steht in altdeutscher Schrift auf der Tafel. Geschrieben hat es ganz akkurat und sauber mit Kreide Rosemarie Scheinost, stellvertretende Vorsitzende des Kirchseeoner Heimatvereins. Sie hatte die Schreibschrift noch in der Schule gelernt, jetzt aber auch eine Vorlage benutzt. Die fahrbare Tafel mit der drehbaren Fläche und dem nachgedunkelten Holzrahmen ist eines der Prunkstücke der neuen Ausstellung des Vereins im Museum an der ATSV-Halle. Die Tafel stammt aus dem Lager der Schule in Eglharting und wurde gerettet, bevor sie im Schrott landen konnte, wie Vereinsvorsitzende Dagmar Kramer erzählt.

Die Ausstellung ist ein kleiner Einblick in die Schulgeschichte der Gemeinde. Manche Bürger, die jetzt mitten im Leben stehen, dürften sich noch an ihre eigene Schulzeit erinnern. Beispielsweise beim Blick auf die zerkratzte Schulbank mit dem Fach unter der leicht schrägen Tischplatte und den Löchern für die Tintenfässer. Die Schulbänke waren lange im Gebrauch, auch als die Kinder schon modernere Schreibutensilien nutzten und die Tintenfässer verschwunden waren.

Zu sehen sind in der Ausstellung unter anderem kleine Schiefertafeln und Griffel, einst in den unteren Klassen für Schreibübungen genutzt. Wenn etwas falsch war, konnten die Buchstaben ganz einfach mit einem feuchten Schwamm weggewischt werden. Der hatte dann einen ganz besonderen Geruch. Aufbewahrt wurde er in einer Dose, die oft mit einer Schnur an der kleinen Tafel des Schülers festgemacht war. Die Dose baumelte an ihrer Schnur gern auch aus dem Schulranzen heraus. 

Die Schiefertafel war aber auch für andere Zwecke zu nutzen, beispielsweise für verschiedene Spiele. Und Elmar Kramer vom Heimatverein erinnert sich noch an eine ganz besondere Begebenheit: Zwei Buben waren in der Schule in Streit geraten. In dessen Verlauf haute der eine dem anderen die Schiefertafel auf den Kopf. Die Tafel zerbrach, der Holzrahmen hing um den Hals, das Gesicht des Getroffenen war zerkratzt. Bleibende Schäden gab es aber offenbar nicht. Der Übeltäter wurde vom Lehrer „gehörig übers Knie gelegt“, erzählt Kramer. Das waren strenge Sitten in früheren Zeiten. Auf der Schulbank liegt nämlich auch noch eine etwa 30 Zentimeter lange, dünne Bambusgerte: Ein Tatzenstock. Das auch Rohrstock genannte Gerät diente als Züchtigungsmittel der Erziehung und Disziplinierung mit Schlägen auf die ausgesteckten Hände der Schüler. „In meiner Erinnerung war der Stock viel größer“, erinnert sich Elmar Kramer schmunzelnd. „Aber ich war ja auch noch viele kleiner.“

Die Vitrinen sind voll mit Erinnerungsstücken, Zeugnissen geschrieben anno dazumal, mit Einschätzungen des Schülers, Heften mit Hausaufgaben, Büchern wie „Sing mit“, Schreibgeräten von Griffel und Bleistiften über Schreibfedern bis hin zu Füllern. Dazu Rechenschieber und Buchstaben-Setzkästen. Eine große Holzkiste am Fenster enthält Plakattafeln, die Lehrer im Unterricht benutzten, als es noch keine Overhead-Projektoren oder Computer samt Beamer gab. In heute schwülstig anmutenden Darstellungen geht es unter anderem um biblische Szenen, wie den Einzug von Jesus Christus in Jerusalem. Andere Bilder zeigen technische Entwicklungen.

 Gleich am Eingang sind auf einer Pinnwand einige Fotos zu sehen, auch aus einer Zeit, als es noch Kirchseeon Bahnhof und noch nicht Kirchseeon Markt hieß. Da blickt die Besucher ein Mädchen im schönen Kleid an, ganz stolz bei der Einschulung. Zu sehen ist unter anderem auch das Bild eines Ausflugs der 7. und 8. Kirchseeoner Klasse zum Aussichtsturm Ebersberg im Jahr 1948 mit Lehrer Daxer. Ob sich da jemand wiedererkennt?

Termine: Geöffnet ist die Ausstellung im Heimatmuseum neben der ATSV-Halle am Sonntag, 13. November, von 14 bis 16 Uhr. Weitere Termine sind 11. Dezember, 8. Januar, 12. Februar und 12. März.

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