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Hier stand die rund 120 Jahre alte, ortsbildprägende Linde.

Heftige Kritik von Naturschützern

Kirchseeon: Baum weg - Ärger da

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Kirchseeon - Die Gemeinde Kirchseeon hat in einer Ruckzuck-Aktion eine 120 Jahre alte, ortsbildprägende Linde gefällt. Jetzt hagelt es Kritik von Naturschützern. Bürgermeister Udo Ockel sieht die Kommune im Recht.

„Was ist denn das für ein Signal?“, schimpft Max Finster von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt. „Da will die Gemeinde einen Kindergarten bauen und als erstes fällt sie einen wunderschönen alten Baum!“ Seit Jahrzehnten versuche seine Behörde, den Menschen klar zu machen, wie wichtig alte Bäume seien. „Und dann geht eine Gemeinde so rigoros vor.“ Warum es jetzt so schnell habe gehen müssen, wisse man nicht. „Das hat ein Gschmäckle“, donnert Finster.

Neubau entsteht zu nahe an dem Baum

Hintergrund: Am Donnerstagmorgen haben Mitarbeiter des Kirchseeoner Bauhofs eine rund 120 Jahre alte Linde gefällt. Der Baum stand auf einem Areal, das in die Pläne für das neue Kinderhaus einbezogen wurde. Auf EZ-Nachfrage betonte Kirchseeons Bürgermeister Udo Ockel (CSU): „Der Neubau rückt mit seinem dort vorgesehenen Eingangsbereich sehr nahe an den Baum heran.“ Dadurch entstünden unvermeidbare Schädigungen im Wurzelbereich. Deshalb sei im Freiflächengestaltungsplan, der Teil des Bauantrages ist, bereits eine Fällung des Baumes und eine Ersatzpflanzung vorgesehen gewesen.

Fällung wurde nie diskutiert

So sah das Grundstück mit der Linde vor der Baumfällung aus.

Der Gemeinderat hatte am Montag dem Bauprojekt zugestimmt. „Über den Baum wurde nie diskutiert“, erklärt jetzt Harry Blöchl (SPD). „Wir haben auch die Pläne nie im Detail gesehen.“ Auch CSU-Fraktionssprecher Siegfried Seidinger kann sich nicht daran erinnern, dass über den Baum gesprochen worden sei. Um das Kinderhaus-Projekt umzusetzen, würde er jedoch auf die Linde verzichten. Andere Töne schlägt Grünen-Gemeinderätin Natalie Katholing an. „Wir sehen es als großen Fehler der Verwaltung, dass der Baum nicht angesprochen wurde.“ Man hätte von Anfang das Kinderhausprojekt so ausschreiben müssen, dass die Linde erhalten werden könne. Katholing räumt selbstkritisch ein, dass man die mögliche Fällung aus den Plänen hätte ersehen können. „Aber dazu müsste man Fachmann sein. Und das sind wir im Marktgemeinderat alle nicht.“

Kindertagesstätte geht vor

Der Bürgermeister habe die Gemeinderäte am Mittwochmittag informiert, dass der Baum zur Fällung frei gegeben wurde, erklärt Katholing. Die Grünen hätten am Abend zurückgeschrieben, „dass wir dem nicht zustimmen. Wir wollten einen Ortstermin.“ Doch das sei zu spät gewesen. Der Baum wurde wenige Stunden später gefällt. Dass es so schnell gehen musste, sei „eigenartig“, so Katholing. Ockel begründet die rasche Umsetzung damit, dass am kommenden Dienstag die Brutschutzperiode beginne und Baumfällungen dann nicht mehr zulässig seien. „Ich bedauere die notwendige Fällung der Linde auch.“ Das Planungsteam habe bis zuletzt nach Möglichkeiten gesucht, die Linde zu erhalten. Letztlich sei aber dafür keine Chance gesehen worden. Und: „Ich denke, dass es vertretbar ist, den Bau einer notwendigen Kindertagesstätte mit einer höheren Priorität zu sehen als den Erhalt der Linde.“

„Etwas anrüchig“, sei das Ganze, meint Jochen Carl vom Bund Naturschutz. Normalerweise würden solche Fälle im Naturschutzbeirat des Landkreises besprochen. Das sei aber nicht geschehen. Der Beirat hätte einer Fällung nicht zugestimmt. Carl befürchtet nun, dass das Kirchseeoner Vorgehen Nachahmer im Landkreis Ebersberg finden könnte.

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