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Die Baustelle am „Haus für Kinder“ an der B 304 in Kirchseeon wird von einer langen Pannenserie begleitet. Dadurch schossen auch die Kosten in die Höhe. Der Steuerzahler muss bluten. 

Wasser dringt in Gebäude ein

Haus für Kinder in Kirchseeon: Ein einziges Debakel

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Der Bau des Hauses für Kinder in Kirchseeon ist eine einzige Pannenserie. Jetzt ist auch noch Wasser in das Gebäude eingedrungen. Die Fertigstellung verzögert sich weiter.

Kirchseeon – „Es ist ein Debakel. Ich war so was von fertig.“ Das sagte Kirchseeons Bürgermeister Udo Ockel (CSU). Die schlechte Nachricht kam ganz am Schluss der Sitzung des Gemeinderats. Im fast fertig gestellten Bau des neuen „Hauses für Kinder“ am Spannleitenberg gibt es einen erheblichen Wasserschaden.

Verschalung hat sich gelöst

Eine provisorische Verschalung hat sich bei einem Sturm gelöst. Regen drang ein. „Der Schaden ist dramatisch“, so der Bürgermeister. Im Erdgeschoss müsse der komplette Bodenaufbau rausgerissen werden. Heißt: Natursteinplatten, Estrich, Fußbodenheizung, Dämmung – alles entfernen.

Heuer wird nicht mehr eröffnet

Eigentlich sollte die Einrichtung Mitte Oktober eröffnet werden. Nun heißt es: „Heuer nicht mehr.“ Es ist das nächste Kapitel einer längeren Pannenserie.

Wasser unter dem Estrich

Auslöser für den aktuellen Schaden war eine Unwetter Anfang Juli. Eine provisorische Abdichtung stürzte wegen des Windes in den Innenraum. Mitgerissen wurde laut Bauamtsleiter Robert G. König ein Rohr der Dachentwässerung. Das Wasser rann vom ersten Stock über die Treppen und den Aufzugsschacht ins Erdgeschoss und dort unter den Estrich. Hinzugezogene Fachleute stellten fest, dass der gesamte Bodenaufbau raus muss.

Erneut muss ein Gutachter her

Im ersten Stock, weniger in Mitleidenschaft gezogen, wurde eine Trocknungsanlage installiert. Diese bläst durch Schläuche und Löcher im Estrich warme Luft in den Unterbau. An einer anderen Stelle wird abgesaugt. Wenn die Maßnahme abgeschlossen ist, wird erneut ein Gutachter eingeschaltet.

 „Wir hoffen, dass das reicht“, so Bürgermeister Ockel. Er bezifferte den Schaden auf 150 000 bis 200 000 Euro. „Wir haben niemanden, den wir zur Verantwortung ziehen können“, so der Rathauschef. „Am Schluss will es wieder keiner gewesen sein.“ Die Kommune hat zwar eine freiwillige Versicherung abgeschlossen, wie dies in der Gemeinde bei Großprojekten üblich ist. Diese hat aber laut König signalisiert, in diesem Fall nicht zu zahlen. Der zweite Stock des Gebäudes ist nicht betroffen.

Trennwende kommen

„Der Bauleiter hat alles in die Wege geleitet, was er kann“, sagte Ockel. Laut König sollen Trennwände eingezogen werden, um die feuchten von den trockenen Räumen abzuschirmen. Später geplante Arbeiten sollen vorgezogen werden. Derzeit stehen noch unter anderem der Einbau der Innentüren, Malerarbeiten, Einbau der Sanitäranlagen und die Möblierung an. Zudem geht es auch noch um die Außenanlagen.

Pannenliste ist beeindruckend

Die Liste der Pannen ist beeindruckend. Begonnen wurde mit dem aufwendigen Bau an der B 304 2017. 2018 wollte man fertig sein. Platz sollte für drei Krippen und drei Kindergartengruppen entstehen. Doch dann ein Streit mit dem Jugendamt am Landratsamt in Ebersberg. Die Behörde forderte mehr Personal für die Einrichtung. Die Differenzen konnten durch ein Gespräch aber ausgeräumt werden.

Schock im März

Im März dieses Jahres kam dann schon der nächste Schock. Nun wurde mit rund 400 000 Euro mehr als zuletzt geplant gerechnet, die Kosten kletterten von ursprünglich (Stand 22. Februar 2016) mit rund 6,38 Millionen Euro, über zwischenzeitlich 6,59 Millionen Euro (17. Dezember 2018) auf fast sieben Millionen Euro. Die Planer waren nach eigenen Angaben von einem „normalen Grundstück“ ausgegangen. Wider Erwarten wurde doch kontaminiertes Material entdeckt. Als Folge musste viel mehr Aushub herausgenommen werden als geplant. Danach musste die Baugrube wieder verfüllt und verdichtet werden.

Zudem gab es Probleme mit dem Fensterbauer, der einfach nicht lieferte. Im März hieße es dann aber, das „Haus für Kinder“ solle im September dieses Jahres fertig werden, wenn nicht noch etwas Unvorhergesehenes dazwischen kommt. Doch das ist jetzt passiert.

Vom Pech verfolgt

Die Gemeinde Kirchseeon ist beim Thema Wasser in ihren Immobilien vom Pech verfolgt. Den Zeitplan für die Aufstockung der Kirchseeoner Grund- und Mittelschule hat ein Gewitter Mitte September 2016 kräftig durcheinandergewirbelt. Das Dach war für den Umbau abgetragen, die Notabdeckung hielt dem Wind nicht stand. Das Wasser schoss nach unten. Da konnte auch die Feuerwehr trotz schnellen Einsatzes nicht mehr viel machen.

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Im November 2018 wurde dann doch Einweihung gefeiert. Wann das am „Haus für Kinder“ der Fall sein wird, ist offen.

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