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Hans Reupold an seinem 90. Geburtstag.

Trauer um Hans Reupold

„Perchtenvater“ ist tot

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Mir geht es oiwei guad“, hatte Hans Reupold noch im Juni 2014 zu seinem 90. Geburtstag hoffnungsfroh verkündet. Jetzt ist der „Perchtenvater“ kurz nach seinem 95. Geburtstag zuhause im Kreise der Familie gestorben.

Kirchseeon -  Geboren wurde Reupold 1924 In Kirchseeon. Nach dem Zweiten Weltkrieg, der bei ihm seelische und körperlicher Schäden hinterließ, versuchte er zunächst den Lebensunterhalt durch das Schnitzen von Kripperlfiguren zu bestreiten. In einem ursprünglich gelernten Beruf als Schlosser konnte er nicht mehr arbeiten.

Zurück aus dem Krieg

Als er seine Else heiratete und eine Familie gründete, wollte er mehr Geld von seinem Figuren-Aufkäufer. Der verweigerte ihm höhere Ankaufszahlungen mit dem Hinweis, Reupold habe im Gegensatz zu seinen Kollegen keine Kunstakademie besucht.

Betriebsrat bei Fiat

Reupold begann bei Fiat als Lagerarbeiter, wurde Betriebsrat und später am Standort hauptberuflicher Vorsitzender des Mitarbeitergremiums.

Geschnitzt hat Reupold weiter. Schon lange hatte er sich für die Belebung des Perchten-Brauchtums eingesetzt und verlieh seinen Masken einen eigenen Stil. Im Jahr 1954 initiierter er den ersten Perchtenlauf in Kirchseeon. 

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Erster Perchtenlauf

Ein halbes Jahrhundert war Reupold Vorsitzender des Perchtenbundes Soj. 1998 wurde er wegen seiner Verdienste zum Kirchseeoner Ehrenbürger ernannt. Zudem wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen. Verantwortlich war Reupold nicht nur für die Perchten, sondern auch für die Badstube. Das historische Gebäude wurde wohl um das Jahr 1700 errichtet und stand ursprünglich auf dem Gelände eines Bauernhofes bei Wasserburg. Der Eigentümer wollte es abreißen. Reupold bewahrte es vor dem Vergessen. Das Holzhaus wurde in mühevoller Kleinarbeit abgetragen und danach in Kirchseeon wieder aufgebaut, ist heute das Vereinsheim der Perchten.

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Ehrungen

Reupold war langjähriger Aktiver und Ehrenmitglied der Seetaler-Trachtler. Er beschäftigte sich mit Heimatforschung und schrieb Bücher. Auch an vielen anderen kulturellen Projekten war er beteiligt. Von 1972 bis 1990 war er Mitglied des Gemeinderates. Sein Interesse ging jedoch weiter. So experimentierte er im Keller des Familienhauses mit dem Bau eines Blasinstrumentes aus verschlungenen Röhren. Das Instrument sollte aus Kunststoff bestehen, den Reupold selbst entwickelte. Doch die Mischung explodierte und der Bastler fiel um. Von so etwas hätte er sich aber nicht entmutigen lassen, erzählte später seine Tochter. Die Beisetzung soll in Form einer Urnenbestattung stattfinden. Der Termin ist noch nicht bekannt.

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