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Chaos-Baustelle: Kirchseeons FDP-Gemeinderätin spricht von „Verschleierung“

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Von: Robert Langer

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Die Sonne scheint auf eine Baustelle.
Eine Dauerbaustelle mit vielen Problemen: Das Haus für Kinder in Kirchseeon. © S. Roßmann

Der Prüfungsverband legte ein Gutachten zur Kostensteigerung beim Haus für Kinder vor. Dabei ist von Mängeln bei der Planung bis hin zu Verschleierung die Rede.

Kirchseeon – Das Wort „Verschleiert“ hat FDP-Gemeinderätin Susanne Markmiller benutzt und damit heftigen Widerspruch hervorgerufen. Es fiel im Gemeinderat Kirchseeon, als es um die Kostensteigerungen am Haus für Kinder ging. Der Kommunale Prüfungsverband hatte sich die Sache angesehen und nun seinen Bericht vorgelegt. Ergebnis: Die Kosten kletterten von ursprünglich 6,4 auf 7,6 Millionen Euro, also um rund 20 Prozent.

Markmiller vermutet, dass die Gemeinderäte in der Bauphase unzureichend informiert wurden. Wohl mit Recht. Denn die Prüfer bemängelten, dass der Gemeinderat im Laufe des Projekts nicht ausreichend auf dem Laufenden gehalten worden sei. Der Vorwurf richtet sich an den früheren Bürgermeister Udo Ockel (CSU) sowie die beauftragten Architekten. Das Bauamt dagegen wurde weitgehend in Schutz genommen, da es mit vielen Projekten belastet sei.

Chaosbaustelle in Kirchseeon: Projekt bereits seit acht Jahren in Arbeit

Kirchseeons damaliger Bürgermeister bei der Grundsteinlegung.
Da war die Freude noch ungetrübt: Grundsteinlegung 2017 mit Bürgermeister Udo Ockel. © S. Roßmann

Erste konkrete Überlegungen, in Kirchseeon eine neue Kinderbetreuungseinrichtung zu bauen, reiften Ende 2013. Anfang 2016 billigte der Marktgemeinderat die Entwurfsplanung. Fertig sollte das Haus im August 2018 sein. Doch das Projekt verzögerte sich immer wieder. Eröffnung war erst vor rund einem Jahr.

Zunächst waren im Untergrund des Baugeländes gegen alle Erwartungen Altlasten gefunden worden. Folge: Verzögerung und zusätzliche Kosten. Der Prüfungsverband kritisierte, dass das Grundstück vor Baubeginn nicht genauer untersucht worden sei. „Nicht an der falschen Stelle sparen. Man hätte das zumindest im Budget drin haben sollen“, heißt es im Bericht. Dann folgte auf der Baustelle ein Wasserschaden. Unter anderem musste neue Böden wieder herausgerissen werden. Kosten rund 340 000 Euro. Die gerichtliche Auseinandersetzung um die Verantwortung dauert noch an.

Chaosbaustelle in Kirchseeon: Mängel bei der Bauverwaltung statt Verschleierung

Entstanden ist an der B 304 ein nicht unumstrittener zweigeschossiger Neubau für einen dreigruppigen Kinderkarten plus einer dreigruppigen Kinderkrippe mit insgesamt 111 neuen Plätzen. Bürgermeister Jan Paeplow (CSU) nahm seinen Vorgänger in Schutz. „Ich hatte nicht den Eindruck, dass etwas verschleiert wurde.“ Das sah auch der Prüfungsverband so.

Gemeinderat Rüdiger Za (Grüne) erklärte, es habe Mängel in der Bauverwaltung gegeben. Diese sei überfordert gewesen. Der Bürgermeister habe bereits angekündigt, das Bauamt umzustrukturieren. Das habe aber nichts mit dem Haus für Kinder zu tun, konterte Paeplow. „Wir sollten die Kirche im Dorf lassen“, so die Reaktion von Siegfried Seidinger (CSU). „Man versucht hier jetzt nachzutreten.“ Der ehemalige Bürgermeister habe sich für das Vorhaben sehr engagiert. „Es war sein Herzensprojekt“, spielte er darauf an, dass Ockel beim Haus für Kinder sehr viel Engagemant gezeigt hatte

Chaosbaustelle in Kirchseeon: konsequente Kostenbegleitung gefordert

Vielleicht zu viel, mutmaßten die Prüfer. Man solle das mehr dem Bauamt überlassen, lautete ihr Vorschlag. Hintergrund ist auch, dass ein Teil der Kostenmehrung auf zusätzliche Wünsche verschiedener Seiten während der Bauphase zurückzuführen ist. Zu diesem Punkt regte CSU-Gemeinderat Peter Kohl die Überlegung an, ob nicht ein Projektsteuerer bei großen Vorhaben sinnvoll sei.

Es wär ganz gut, von außen drauf zu schauen, so auch Thomas Kroll (SPD). Der Gemeinderat brauche Informationen, auf die er sich verlassen könne. „Wir hier sind nicht die Fachleute.“ FDP-Gemeinderätin Markmiller fordert eine konsequente Kostenbegleitung. „Wir können die Kontrolle nicht aus der Hand geben.“ Darauf in Zukunft mehr zu achten, ist eines der Ergebnisse der aktuellen Debatte.

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