Ein Spielzeug in einem Kindergarten.
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In Kirchseeon gibt es ausreichend Betreuungsplätze für Kinder, aber zu wenig Fachpersonal, das betreut (Symbolbild).

München wirbt ab

Zu schlecht bezahlt, zu teurer Wohnraum: Drastischer Personalmangel an Kirchseeoner Kindergärten

  • Robert Langer
    VonRobert Langer
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Die Kindergartensituation in Kirchseeon ist angespannt. Die Einrichtungen suchen verzweifelt nach neuen Erziehern.

Kirchseeon – Es klingt widersprüchlich. Kirchseeon hat zwar derzeit zumindest baulich ausreichend Plätze zur Betreuung in Kindergärten und Krippen. Dennoch gibt es eine Warteliste für Eltern, die einen Platz für ihren Nachwuchs suchen. Der Grund: Personalmangel. Das wurde jetzt bei einem Bericht von Angela Paschiller (Rathaus-Abteilung Soziales, Familie und Senioren) im Gemeinderat deutlich.

„Es ist katastrophal. So etwas habe ich in den vergangenen Jahren nicht erlebt.“ Es habe schon die Situation gegeben, dass Gruppen geschlossen werden mussten. Und auch die Öffnungszeiten bis 17 Uhr könnten in den Einrichtungen nicht immer bedient werden. „Wir finden keinen mehr, der so lange arbeitet.“ Das Personal sei oft überfordert. Deshalb gebe es viele Krankmeldungen.

Personalmangel in Kindertagesstätten: München wirbt Kindergartenpersonal ab

Die Zahlen sind deutlich. Derzeit würden für den Bereich der Gemeinde zehn Erzieher und Kinderpfleger gesucht. 20 Kindergarten- und 24 Krippenplätze können nicht vergeben werden. Ein Grund für den Personalmangel sind wohl auch die Lebenshaltungskosten. Diese liegen laut Paschiller inzwischen in Kirchseeon ebenso hoch wie in München. Das betrifft ebenfalls die Wohnkosten. Als eine Maßnahme bietet die Kommune jetzt eine Wohnung an, um möglichen Mitarbeiter die in einer Kirchseeoner Einrichtung anfangen wollen, ein Angebot machen zu können.

Ein weiterer Punkt ist, dass es aus der Landeshauptstadt München ganz offen Abwerbung für Kindergartenpersonal gibt. Da gebe es für einen Arbeitsplatzwechsel schon mal ein „Kopfgeld“ von bis zu 1500 Euro. Zudem zahlten die Münchner oft eine Großraumzulage und übernähmen manchmal Fahrtkosten.

Wegen Corona-Pandemie konnten 17 Kinder nicht eingeschult werden

„München winkt mit Zuckerln“, so Thomas Kroll (SPD), der sich als AWO-Mitarbeiter schon rein beruflich in der Branche auskennt. „Ich mache tagtäglich nichts anderes, als Erzieher zu suchen“, sagte er. Er schlug eine „Arbeitsmarktzulage“ vor. Das auch angesichts der finanziellen Situation des Betreuungspersonals. „Neben einer Vollzeitstelle brauchen manche einen Nebenjob, um über die Runden zu kommen. Wir müssen uns Gedanken machen zu bezahlbarem Wohnraum.“

Für die aktuelle Mangel-Situation gibt es noch weitere Gründe. Einer ist Corona. 17 Kinder seien wegen der Pandemie nicht eingeschult worden und blieben weiter im Kindergarten, so genannte Rücksteller. „Wir sind nach wie vor eine familienfreundliche Gemeinde“, so Paschiller. Wohl auch ein Argument für den Zuzug in die Kommune, vor allem aus München.

Personalmangel in Kirchseeoner Kindergärten: Lage scheint sich weiter zuzuspitzen

20 Familien hätten sich in den vergangenen Monaten neu im Markt niedergelassen. Wenn diese Entwicklung anhält, könnte sich die Situation weiter verschärfen und dann könnten auch baulich die Plätze nicht mehr reichen. „Ich habe Bauchschmerzen, wenn am Ort gebaut wird“, sagte Paschiller. Sie warb deshalb darum, schnell nach Lösungen zu suchen.

Bürgermeister Jan Paeplow (CSU) erklärte, es gebe bereits einige gute Ideen. Diese seien jedoch noch nicht vollständig ausgereift. Zum Thema Personalmangel nannte der Bürgermeister als einen Ansatz eine Schule für Betreuungspersonal vor Ort in Kirchseeon. Davon könne nicht nur die Gemeinde, sondern der ganze Landkreis profitieren.

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