Das ehemalige Freizeit- und Gartengrundstück am Hang nördlich der B 304 in Höhe des Autohauses im Kirchseeoner Osten soll ökologisch aufgewertet werden.
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Das ehemalige Freizeit- und Gartengrundstück am Hang nördlich der B 304 in Höhe des Autohauses im Kirchseeoner Osten soll ökologisch aufgewertet werden.

Vier Flächen im Gemeindebesitz sollen umgestaltet werden – Zinsen in Form von Wertzuwachs

Kirchseeon richtet „Öko-Konto“ ein

  • Robert Langer
    VonRobert Langer
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Ansparen will die Gemeinde Kirchseeon. Und zwar nicht mit Geld, sondern mit ökologisch aufgewerteten Grundstücken. Die Kommune legt ein „Öko-Konto“ an, von dem im Bedarfsfall auch wieder „abgehoben“ werden kann. Die Grundstücke könnte man nämlich als Ausgleichsflächen für Bauprojekte nutzen.

Kirchseeon - Erhebliche unvermeidbare baurechtliche Eingriffe in Natur und Landschaft, wie beispielsweise bei der Ausweisung von Baugebieten, müssen vom Verursacher durch ökologische Ersatzflächen kompensiert werden. So ist es gesetzlich festgelegt. Werden diese Areale nicht erst im Zuge eines Eingriffs angelegt, also zur Umsetzung eine Projektes, sondern bereits vorher, spricht man von einem „Öko-Konto“. Das wird dann auch belohnt, nämlich „verzinst“. Folge: Das Areal wird Jahr für Jahr wertvoller.

Landschaftspfleger erstellen Konzept

Rathausverwaltung, Untere Naturschutzbehörde und Landschaftspflegeverband haben gemeinsam Grundstücke begutachtet. Der Landschaftspflegeverband erstellte ein Konzept. Konkret geht es um vier Flächen, die sich im Eigentum der Kommune befinden. Darunter ein Gelände im Osten des Kirchseeon Mooses zwischen dem Durchstich und der Bahnlinie. Dort wachsen Laub- und Nadelbäumen, Weidengebüsch und Schilfröhricht. Dazu kommen Feuchtflächen. Entstehen soll zum einen eine artenreiche Magerwiese.

Zudem sollen zwei jeweils rund 150 Quadratmeter große Teiche mit einer Tiefe bis zu maximal 80 Zentimetern angelegt werden. Ein ideales Fortpflanzungsgebiet für Amphibien. Es handelt sich um eine Teilfläche von etwa 4100 Quadratmetern, die auf das Ökokonto gebucht werden sollen. Die gesamte Flächengröße beträgt rund 31 400 Quadratmeter. Dort könnten weitere ökologische Projekte umgesetzt werden, wie Bürgermeister Jan Paeplow (CSU) auf Anfrage der EZ erklärte.

Ziel: ein alter Landschaftspark

Zweites Beispiel, bei dem es eigentlich um zwei Flächen geht: Ein ehemaliges Freizeit- und Gartengrundstück am Hang nördlich der B 304 in Höhe des Autohauses im Kirchseeoner Osten. Der Markt erwarb das Areal am Waldrand etwa im Jahr 2010. Mittlerweile wurde ein bestehendes Gebäude entfernt, Wiesenflächen wurden entbuscht, alte Zäune entsorgt. Entwicklungsziel ist unter anderem eine artenreichen Wiese. Deren Fläche soll, im Vergleich zum bisherigen Stand, erweitert werden, auch durch Rücknahme von Gehölzen. Erhaltenswerte Bäume sollen gefördert werden. Dort stehen unter anderem teils sehr alte Kirschen sowie Apfel, Zwetschge, Birne und Esskastanie. Stichworte für den Zielzustand: alter Landschaftspark. strukturreichen Gärten mit naturnahen Elementen. Für das Ökokonto könnten 6500 Quadratmeter gebucht werden.

Letztes Beispiel: Ein südexponierter Hang bei St. Christoph mit einem größtenteils artenarmen Wiesenbestand. Nun soll streifenweise die vorhandene Grasnarbe umgebrochen und gebietsheimischer Samen für eine Blumenwiese aufgebracht werden. Der Kräuteranteil soll dabei bei 70 Prozent liegen. Vorgesehen sind auf dem Gelände fünf Streifen mit einer Breite von jeweils vier Metern. Das gesamte Areal hat eine Größe von 20 710 Quadratmetern.

Umsetzung für 2022 geplant

Umgesetzt werden könnten die Vorhaben im Jahr 2022. Grundlage ist das Konzept des Landschaftspflegeverbandes, das mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt wurde.

Notwendig ist nicht nur die Umgestaltung der Flächen, sondern auch deren spätere Pflege. Die Kosten für die ersten sechs Jahre werden mit rund 90 000 Euro veranschlagt. Der Auftrag soll nach Beschluss des Marktgemeinderates nun an den günstigsten Anbieter vergeben werden.

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