Die „Methusalem-Buche“, die mit anderen Bäumen einem Neubau auf dem Gelände des Berufsförderungswerks weichen soll.
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3,2 Meter Stammumfang: Der Bund Naturschutz spricht von einer „Methusalem-Buche“, die mit anderen Bäumen einem Neubau auf dem Gelände des Berufsförderungswerks weichen soll.

Grüne ziehen bei Protest nicht mit

Bund Naturschutz will „Methusalem-Buche“ in Kirchseeon retten - und steht damit alleine da

Ein geplanter Neubau des Berufsförderungswerks Kirchseeon schmeckt dem Bund Naturschutz gar nicht. Er will die Bäume auf dem Gelände retten. Ein Aufschrei wie bei der Seeschneider Eiche resultiert daraus aber bisher nicht.

Kirchseeon – Der Bund Naturschutz (BN) übt scharfe Krtitik daran, dass für einen Umbau des Berufsförderungswerks (BfW) in Kirchseeon bis zu 100 Bäume gefällt werden sollen. Anders als im Fall der Seeschneider „Jahrhundert-Eiche“ an der Strecke bei Grafing vergangenen Sommer stehen die Naturschütze aber mit ihrem Anliegen offenbar alleine da. „Buchen und Eichen, die beim Bau vor 50 Jahren schon über 100 Jahre alt waren, werden der Kettensäge zum Opfer fallen“, sagt Michael Bernauer vom BN. Aus dem jetzigen Parkgelände würde ein Parkplatzgelände, so die Befürchtung. BN-Kreisvorsitzender Olaf Rautenberg fordert einen deutlich geringeren Eingriff in den Baumbestand. Er lehnt daher die Baumaßnahme in der vorgestellten Form ab. „Vielleicht müssen wir Wählerinnen und Wähler entscheiden lassen, ob sie das wirklich wollen.“

Das Berufsförderungswerk, das seit 46 Jahren Menschen mit Behinderungen durch Umschulungen einen Schritt zurück ins Berufsleben ermöglicht, will in den nächsten sieben Jahren ein neues Gebäude auf einer Parkanlage, einem ehemaligen Minigolfplatz, errichten. Ein Gebäudeteil soll abgerissen, die Fläche mit Bäumen bepflanzt werden. Der Bund Naturschutz bangt unter anderem um die „Methusalem-Buche“, einen Baum mit 3,2 Metern Stammumfang.

BfW: Bäume sind viel jünger als 100 Jahre

Laut BfW sind die Bäume bei weitem jünger als die angegeben 100 Jahre: „Auf Fotos unseres Richtfestes in den 1970er-Jahren ist zu erkennen, dass die Bäume da noch sehr jung waren. Trotzdem ist es um jeden Baum schade“, sagt BfW-Geschäftsführer Günther Renaltner.

BFW-Geschäftsführer Günther Renalter (re.) verteidigt die Maßnahmen als verhältnismäßig und schätzt die Bäume jünger ein als der BN.

Am 12. November fand eine gemeinsame Begehung mit Bürgermeister Jan Paeplow (CSU), Fraktionen des Gemeinderats, Vertreter des Landratsamtes sowie dem Bund Naturschutz statt. Die Politiker hätten wohlwollend reagiert, auch das Baurecht spreche dafür, sagt Renaltner. Nach dem Umbau gebe es sogar weniger bebaute Fläche, statt den bisherigen 3600 Quadratmetern nur noch 3420. André Stiefenhofer, Sprecher des BfW, betont, dass die Baumaßnahme eine sei, an der mindestens die nächsten 40 Jahre nichts mehr geändert werden müsse.

Laut Renaltner beschert der Umbau dem Berufsförderungswerk zusätzlich eine verbesserte Klimabilanz: Solaranlagen, bessere Energiestandards der Heiz- und Belüftungssysteme sowie das Verwenden regenerativer Energien. „Bei der Planung sind wir wie eine schwäbische Hausfrau vorgegangen: Nicht zu teuer, nicht zu groß und es soll möglichst lange halten“, sagt Stiefenhofer. Man wolle außerdem als Ausgleich mehr Bäume pflanzen, als für die Baumaßnahme gerodet werden müssen.

Kommunalpolitiker sehen Neubau als sinnvoll an

Bürgermeister Paeplow sieht dem Vorhaben entspannt entgegen: „Das BfW arbeitet sehr transparent und hat alle Akteure mit im Boot“, sagt er. Bisher habe er das Gefühl, dass sich bei der Planung viele Gedanken gemacht und berücksichtigt wurden. „Jeder kann seine Sicht und Bedürfnisse einbringen, man wird sich dann in der Mitte treffen müssen“, so der Rathauschef.

Natalie Katholing, Gemeinderätin der Grünen, ist dem Umbauprojekt gegenüber ebenfalls positiv gestimmt: „Uns war wichtig mitreden zu können und Vorschläge machen zu können, darauf ist das BfW eingegangen“, erklärt sie. Auch dass das BfW den Gemeinderat über jeden einzelnen Baum, der gefällt wird, informiert, wozu es nicht verpflichtet sei, findet sie entgegenkommend und transparent. „Das BfW leistet eine wichtige Arbeit, daher sind wir nicht dagegen, dass umgebaut wird“, sagt Katholing.

Zu Beginn des kommenden Jahres wird das Berufsförderungswerk voraussichtlich den Bauantrag stellen, bis dahin läuft die Entwurfsplanung weiter.

Raffael Scherer

Alle Nachrichten aus Kirchseeon und dem Landkreis Ebersberg bei der Ebersberger Zeitung.

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