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Metaller durch und durch: Mario Lochert hat das neue Album in seinem Tonstudio in Kirchseeon produziert.

Grüße aus dem Irrenhaus

Neues Serious-Black-Album aus Kirchseeoner Keller

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Die Band braucht kein London und kein Los Angeles. Ein Profi-Musikstudio in einem Kirchseeoner Keller reicht aus, um das neue Serious-Black-Album zu produzieren.

 Kirchseeon – Die meisten Hausbesitzer in Kirchseeon haben eine Werkstatt, alte Möbel oder Tiefkühlschränke im Keller. Mario Lochert, 40, ist anders. In seinem Keller steht ein 70 000-Euro-Tonstudio. Nigelnagelneu, das Beste vom Besten. In dem Studio wurde das neue Album seiner Metal-Band „Serious Black“ aufgenommen. Es heißt „Suite 226“. Darin geht es um Unmenschlichkeit, Verfolgungswahn und Dämonen. In Locherts Wohnzimmer ist es dagegen ruhiger. Von Hokuspokus ist dort keine Spur.

Ein unscheinbarer Neubau in Kirchseeon. Wer vermutet schon, dass hier ein erfolgreicher Power-Metal-Musiker wohnt. Ein Bassist, der in Japan, den Vereinigten Staaten und quer durch Europa tourt. Der vor 30 000 Fans gespielt hat. Ein Tontechniker, der mit Metallica und den Beatles arbeitete.

Lochert öffnet die Tür. Ein kleiner, runder Mann. Freundlich grinsend. Lange Haare und Tattoos, klar. In breiten Oberbayerisch bittet er herein, die Schuhe müssen ausgezogen werden: „Sonst macht mi mei Oide a Stickl kiarza“. Sein Wohnzimmer, gut bürgerlich. Aquarium, große Fensterfront zum Garten raus, schwarze Ledercouch.

18 Monate war es still um die vierköpfige Band geworden. Für Fans eine lange Zeit. „Ich habe fünf Häuser gebaut“, sagt Lochert. Samt Tonstudio im Keller. Das brauche viel Zeit. Sie sind seine Altersvorsorge, vom Staat erwartet er nicht viel Rente. „Während unserer Pause haben wir Songwriting gemacht“, schiebt der Bassist nach.

Herausgekommen ist das vierte Studioalbum „Suite 226“ oder wie Lochert es nennt: Killerscheibe. Es erscheint am 31. Januar, sei nicht ganz so rockig wie die letzten Alben, dafür mit mehr treibenden Gitarren, sagt der Kirchseeoner. „Unbarmherzige Riffs treffen auf eingängige Melodien.“ Durch das Album zieht sich ein roter Faden: Die Geschichte eines geistig verwirrten Mannes, der zwischen Traumwelt und Realität herumgeistert. „Wir haben für das neue Album bis ins 17. Jahrhundert recherchiert“, sagt Lochert und nimmt einen Schluck von seinem Kaffee. Burnout, Depressionen, Arbeitsdruck finden in den zehn Liedern eine musikalische Entsprechung.

Den wahlamerikanischen Sänger Urban Breed nahm die Aufnahme des Albums ziemlich mit, sagt Rocker Lochert. Er habe sich in den schizophrenen Protagonisten des Albums hineinversetzt. Irgendwann habe er es nicht mehr ausgehalten und eine Pause gebraucht.

Aufnahmetechnik vom Feinsten

Der gebürtige Schwede scheint wieder fit zu sein. Er liegt auf einem roten Sofa im Tonstudio und erholt sich von seinem Flug aus Chicago. Das kümmert den Hausherren zunächst wenig: Er demonstriert sein Hightech-Studio, reibt die Anlage dazu mächtig auf. Die Nachbarn hören nichts, weil sein Haus mit einer Trennfuge vom Nebengebäude abgeschirmt ist, sagt der Gitarrenspieler stolz. Die Technik sei „High Limit“, „der Typ“, der die Akustik der Elbphilharmonie in Hamburg entworfen habe, habe auch an seinem Studio mitgearbeitet. Überall Displays, Knöpfe und Regler, die sich wie von Geisterhand bewegen. Der Drummer von den weltberühmten Scorpions hat sich schon angemeldet, um hier Songs aufzunehmen. Kirchseeon, Rocker-Zentrum im Landkreis.

Mario Lochert: Rockmusik bestimmt sein Leben

Seine musikalischen Wurzeln hat Lochert im Heavy Metal und Rock, seine beruflichen Ursprünge bei der Bäckerei Hasi. Dort hat er vor langer Zeit Konditor gelernt. Was hält er von RIN, einem derzeit sehr erfolgreichen Rapper? Lochert bekommt „Keine Liebe“ (43 Millionen Aufrufe bei Spotify) auf dem Handy vorgespielt. „Mit dieser Fäkalsprache kann ich gar nichts anfangen“, sagt der Rocker prompt. „Des is totaler Kas!“ Er verstehe nicht, warum solche Musik Erfolg hat.

Am  Donnerstag, 30. Januar, beginnt die Europa-Tour in Bremen. Sex, drugs and Rock’n’Roll? „Da war ich nie ein Freund davon“, sagt Lochert. Einen ausschweifenden Lebensstil könne er sich auf Tour nicht leisten: Interviews, Soundcheck, Show spielen, Autogrammstunde, Abrechnung machen, T-Shirts nachbestellen. Es seien 14-Stunden-Tage.

Am 7. Februar ist die Band in München, Tickets sind bereits ausverkauft. Tipp: Für Fans gibt’s ab Ende des Monats Karten für ein weiteres Konzert im Münchner Backstage am 10. Oktober.

Qualitätsarbeit hat die Band schon immer abgeliefert. Hier ein Bericht über das Album „Magic Moments“ von Serious Black

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