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Diese Kenianer werden als frische Fachkräfte später das einheimische Betriebspersonal trainieren. Ausgebildet werden sie von Jens Kayser (r.) und Andreas Lenz (l.) aus Kirchseeon. Den Bericht über ihren vorangegangenen Besuch in der Aßlinger Wasserversorgung, den die Ebersberger Zeitung veröffentlicht hatte, haben sie sich aufgehoben. 

Kirchseeoner Fachmann schult Wasserpersonal in Kenia, Tunesien und im Libanon

Wissen landet nicht in dunklen Kanälen

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Entwicklungshilfe hat viele Facetten. Landläufig werden damit Lieferungen von Hilfsgütern oder finanzielle Leistungen für von Armut betroffene Länder verbunden. Oft versickern diese Spenden aber in dunklen Kanälen. Das ist beim Projekt „Biwac“ anders. Denn Wissen versickert nicht so leicht.

Landkreis – Vor knapp einem Jahr hatte eine Gruppe Kenianer dem Landkreis Ebersberg einen Besuch abgestattet. Es ging dabei aber nicht um die Sehenswürdigkeiten im Münchner Osten, sondern eher um verborgene Qualitäten. Dem reibungslosen Funktionieren unserer kommunalen Wasserversorgungen galt das Interesse der Gäste. Geführt wurden sie dabei von Andreas Lenz aus Kirchseeon, der an der Bayerischen Verwaltungsschule für die Qualifizierung von Fachkräften im Bereich der Ver- und Entsorgung tätig ist. Lenz war jetzt zusammen mit dem Kollegen Jens Kayser auf Gegenbesuch in Kenia, um vor Ort Personal zu schulen, das später als Multiplikator das Erlernte an das dort heimische Betriebspersonal weitergeben soll.

Umfangreiche Zusammenarbeit

Finanziert wird „Biwac“, die Bavarian International Water Cooperation, von der Bayerischen Staatskanzlei. Partner sind dabei das Landesamt für Umwelt, die Bayerische Verwaltungsschule, die Beruflichen Fortbildungszentren der bayerischen Wirtschaft und auf kenianischer Seite das Wasserministerium sowie Verbände der örtlichen Wasserwirtschaft.

Gemeinsame Anstrengungen

Lenz erklärt den Sinn der gemeinsamen Anstrengungen so: „Durch das Projekt werden Fachkräfte aus dem kenianischen Wassersektor geschult, um in einem System der beruflichen Bildung in der kenianischen Wasserwirtschaft als Trainer zu arbeiten. Diese zukünftigen Trainer sollen dann Personen schulen, die bisher überhaupt nicht ausgebildet oder nur angelernt waren.“ Für das Personal, das direkt mit dem Betrieb und Unterhalt der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung betraut war, existierte bisher gar kein Ausbildungsprogramm. „Durch das Projekt sollen die Versorgung mit Trinkwasser sichergestellt und der Betrieb der Abwasserreinigungsanlagen und der Kanalbetrieb, soweit überhaupt vorhanden, verbessert werden.“

Nur eine Handvoll Kläranlagen

Klingt für den Laien nicht besonders bedeutsam, ist es aber. Und Lenz erklärt auch, warum: „Derzeit verfügt nur eine Minderheit der Bewohner Kenias über einen Wasseranschluss. Kaum ein Haushalt ist an das Abwassernetz angeschlossen, es gibt im ganzen Land nur eine Handvoll Kläranlagen. Dies führt immer wieder dazu, dass Krankheiten ausbrechen und dass gerade ärmere Haushalte die höchsten Preise für Wasser bezahlen, da sie dieses an teuren Abfüllstationen im Viertel kaufen müssen.“ Über die Einführung einer Berufsbildung im Wassersektor solle das Projekt helfen, diese Missstände zu beseitigen.

Weitläufige Auswirkungen

Das Projekt hat weitläufige Auswirkungen. In Kenia ist die Versorgung nämlich auch durch die Flüchtlinge aus einigen Nachbarländern stark angespannt. Durch das Projekt soll sich die Situation entscheidend verbessern. „Außerdem werden sichere, nachhaltige und qualifizierte Arbeitsplätze vor Ort geschaffen“, erläutert Lenz.

Schulungen vor Ort

Ein wesentlicher Teil des Projekts sei es auch, dass die Schulungen vor Ort weitergeführt und ausgebaut werden. „Dies ist insbesondere deshalb von Vorteil, da die Bevölkerung in Afrika ständig wächst, und man so auf den steigenden Bedarf an Fachkräften reagieren kann. Das Projekt leistet also nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung mit einwandfreiem Trinkwasser und zur Entsorgung von Abwasser, sondern es leistet auch einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung von Fluchtursachen vor Ort.“ Das BIWAC Projekt, so Lenz, sei nicht auf Kenia beschränkt, sondern umfasse auch den Libanon und Tunesien, also Länder, die von Fluchtursachen in Nachbarländern stark betroffen sind.

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