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Ein Kirchseeoner Rentner hat in Kirchseeon über Jahre hinweg eine Frau verfolgt. Dafür muss er sich jetzt vor Gericht verantworten.

Angeklagter redet vor Gericht nicht und schreibt nur Zettel

Stalker will sein Opfer nicht in Ruhe lassen

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Als die vierte Strafkammer des Landgerichts München II am Dienstagvormittag in den Saal kommt, hebt er freundlich den Arm zum Gruß. Doch sprechen will er mit dem Gericht nicht. Stattdessen beginnt er damit, auf jede Frage hin auf einen Zettel zu kritzeln und ihn der Vorsitzenden Richterin zu geben.

Kirchseeon – So was hat im Saal noch keiner erlebt. Doch so läuft sie ab, die Verhandlung gegen einen Rentner (67) aus Kirchseeon. Er soll seit vielen Jahren immer wieder seiner Nachbarin nachstellen.

Laut Antragsschrift der Staatsanwaltschaft leidet der Mann seit mindestens Herbst 2000 unter einer schizoaffektiven Psychose und befindet sich deshalb in dem Wahn, dass seine Nachbarin ihn genauso liebe, wie er sie. 2016 soll er aber eine vorsätzliche Körperverletzung begangen und gegen das Gewaltschutzgesetz verstoßen haben. Wegen seiner Krankheit ging es in der Verhandlung nicht um eine Strafe, sondern um eine mögliche Unterbringung in der Psychiatrie. Dort hat der Kirchseeoner bereits die vergangenen Jahre seines Lebens zugebracht. Das Landgericht München II hatte ihn 2003 eingewiesen.

Nach zahlreichen Briefen und Liebegeständnissen an die Nachbarin hatte er im März 2002 versucht, gewaltsam in ihre Wohnung einzudringen, und im Juli 2002 versuchte er, sie zu vergewaltigen. Nachdem er 2006 nach Hause entlassen worden war, rief er die Nachbarin wieder an und befahl ihr, ihn zu besuchen. Er wurde erneut untergebracht. Erst 2016 kam er heim. Doch wenige Monate später soll es schon wieder losgegangen sein.

Laut Staatsanwaltschaft warf der Angeklagte ab September vorigen Jahres Briefe bei der Frau ein. Das Amtsgericht Ebersberg untersagte ihm schließlich jeglichen Kontakt. Doch daran hielt er sich laut Antragsschrift nicht. Er habe ihr wieder geschrieben, sie mit dem Fernglas beobachtet und das Grab ihrer Familie mit Rosen bedeckt. Die Frau litt dadurch unter einer psychischen Belastungsreaktion.

Der Rentner, der früher Textilhäuser führte, verweigerte beharrlich das Gespräch. Auf die Frage, ob er je eine Beziehung mit der Nachbarin hatte, hob er die Arme. „Das ist eine Wunschvorstellung“, schrieb er, „das ist doch verständlich.“ Wenn sie als Zeugin auftrete, wisse man, warum. „Es genügt ein Blick.“ Er schreibe ihr, „wenn ich denke, dass es richtig und wichtig ist.“ Im Übrigen bestritt er die Taten, für die er in die Psychiatrie eingewiesen wurde. „Es stimmt nicht, was im Urteil steht“, schrieb er. Im Lauf der Verhandlung verlasen Gericht und Verteidiger noch allerhand Geschriebenes vom selbst ernannten „Poeten“, darunter auch ein Gedicht an den psychiatrischen Sachverständigen. Die Ärzte gehen nach Meinung des Kirchseeoners von einer falschen Diagnose aus. Der Prozess dauert an.

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