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Schrecklich schöne Perchtenmaske: Glücklich präsentiert Schnitzer Herbert Schafbauer das lange verschollene Stück. Die Reupold-Schöpfung ist in gutem Zustand, nur an der Nase fehlt ein Stück Baumschwamm.

Verschollene Kirchseeoner Perchtenmaske wieder aufgetaucht

Gruslig-historisches Holzmandl aus Container gerettet

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Kirchseeon – Schon vor vierzig Jahren schnitzte Hans Reupold, Gründer der Kirchseeoner Perchten, gruselige Holzmasken. Fast alle aus dieser Zeit sind verschollen. Nun ist eine Maske durch Zufall wieder aufgetaucht - in einem Müllcontainer.

„Das ist ein unglaublicher Glücksfall“, freut sich Herbert Schafbauer. Ein Stück Brauchtumsgeschichte ist wieder aufgetaucht. In einem Müllcontainer hat ein Kirchseeoner eine Holzmaske entdeckt, sie mitgenommen und den Perchten übergeben.

Schafbauer, seit Jahren Schnitzer des Vereins, erkannte das Werk sofort wieder. Er war als „Schnitzer-Lehrbub“ dabei, als Hans Reupold, Gründer der Kirchseeoner Perchten, die Maske vor rund 40 Jahre kreiert hat. „Damals wollte Reupold eine ganz neue Gruppe schaffen“, erzählt Schafbauer. Es ging um „Holzmandl“, um Gestalten des Waldes. Aus dieser Zeit hat der Verein nur eine einzige Maske in der Sammlung, nämlich den „Hirschen“. Alle anderen Reupold-Schöpfungen aus dieser Gruppe sind verschollen. Nur ein Gemälde eines damaligen Perchtenlaufs lässt erahnen, wie sie ausgesehen haben. Jetzt ist eine dieser Masken wiedergefunden worden.

Nur der Heißkleber von damals hat gehalten - Die Schwammerl-Nase ist ab

Schafbauer hat sie inzwischen genau untersucht. „Wo sie über die vielen Jahre war, weiß ich nicht“, berichtet er. Aber sie wurde wohl gut gelagert. „Es gibt nur geringe Schäden. Das Holz ist trocken.“ An der Nase fehlt ein Baumschwamm. „Reupold hat damals mit der neu aufgekommenen Heißklebepistolen experimentiert“, so Schafbauer. „Gekauft hat er sie auf der Handwerksmesse in München. Sie kostete rund 100 Mark. Das war damals viel Geld.“ Die nun wiederentdeckte geschnitzte Maske wurde durch Baumschwammerl, Krickerl, also Geweihe, Fellstücke und knorriges Holz ergänzt. Für richtig guten Halt hat die damals neue Technik aber wohl nicht gesorgt. „Man kann an dieser Maske den Kleber noch sehen. Später hat Reupold auf das Kleben verzichtet und in der nächsten Masken-Generation alles aus dem Holz herausgeschnitzt.“

Die Maske wird nun zusammen mit anderen historischen Stücken in der Perchtenstiftung aufbewahrt, derzeit noch im Rathaus hinter dem Sitzungssaal. „Ich habe nichts daran geändert. Sie soll genau so erhalten bleiben, wie sie ist“, betont Schafbauer. Ohne die Aufmerksamkeit des Finders wäre die Maske wohl für immer verloren gewesen. Möglicherweise tauchen ja auch noch andere Stücke auf.

Darauf hofft Schafbauer, der sämtliche bekannten Masken inzwischen katalogisiert hat. „Wir wollen niemandem seine Maske wegnehmen“, verspricht er. „Wir wollen nur wissen, wo sie sind.“ Vielleicht stößt jemand beim Umräumen oder bei einer Erbschaft auf eine alte Perchtenmaske. Der Verein würde sich freuen, dann informiert zu werden.

Kontakt:

Webseite des Perchtenbund Soj  Kirchseeon

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