Kirchseeonerin vor dem Landgericht Landshut

Tochter für perverse Sex-Fantasien betäubt?

Kirchseeon - Der Vorwurf macht fassungslos: Eine 43-jährige Kirchseeonerin soll ihr eigenes Kind betäubt haben, damit sich der Freund der Mutter an der Sechsjährigen vergehen kann. Jetzt startete in Landshut der Prozess.

Das schockierte sogar die abgebrühtesten Zuhörer: Eine jetzt in Kirchseeon lebende Angestellte (43) soll, so die Anklage vor dem Landgericht Landshut, ihre sechs Jahre alte Tochter mehrfach betäubt haben, damit ihr Lebensgefährte, ein 46 Jahre alter IT-Berater aus dem südlichen Landkreis Erding, seine sexuellen Fantasien an dem Kind ausleben kann.

Laut Anklage hatte sich das Paar 2005 im Internet kennen gelernt. Gleich zu Beginn soll er „zur Sache“ gekommen sein und seiner Bekanntschaft seine sexuellen Fantasien geschildert haben – unter anderem Geschlechtsverkehr mit kleinen Kindern. Die Angestellte habe sich aufgeschlossen gezeigt und sich bereit erklärt, ihm das eigene Kind dafür zu überlassen.

Ab Mai 2006 soll es dann über ein Jahr hinweg zu mindestens sieben sexuellen Übergriffen auf das kleine Mädchen gekommen sein. Dazu habe man sich in seiner Wohnung getroffen. Der Kleinen wurden laut Anklage Schlaf- oder Betäubungsmittel verabreicht, ehe sich der Mann an ihr verging. Sogar zu Oralverkehr soll es gekommen sein. Das Ganze nahm er noch dazu auf Video auf.

Damit nicht genug: Dem 46-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft in einer weiteren Anklage vor, bereits 2012/2013 seine damals sieben bis acht Jahre alte Nichte sexuell missbraucht zu haben. Er habe sich in der Nacht zu dem schlafenden Kind geschlichen, sie im Intimbereich begrapscht und mit dem Finger in sie eingedrungen.

Derzeit verbüßt der IT-Berater eine dreijährige Freiheitsstrafe, zu der er 2014 verurteilt worden war. Damals hatte er sich laut Urteilsbegründung einer 13-jährigen Landshuter Schülerin, die auf der Suche nach einem „Vaterersatz“ war, angebiedert und sie sexuell missbraucht.

Die Anklage warf ihm in Bezug auf die Sechjährige vollendeten und versuchten schweren sexuellen Missbrauch von Kindern in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch widerstandsunfähiger Personen vor. Die Frau ist wegen Beihilfe dran.

Zum Prozessauftakt wies Vorsitzender Richter Oliver Dopheide darauf hin, dass es zwischenzeitlich Änderungen in der rechtlichen Bewertung gegeben habe. So komme für beide Angeklagten eine zusätzliche Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung infrage. Bei der Angestellten stehe nicht nur Beihilfe, sondern auch täterschaftliche Begehungsweise bei den Missbrauchsfällen im Raum. Außerdem, so der Vorsitzende Richter, seien Experten gerade dabei, den Computer des 46-Jährigen zu knacken. Dazu werde ein eigenes Datengutachten vorgelegt.

Diese Ankündigungen nutzten die Verteidiger Robert Alavi und Dr. Michael Pösl zu Anträgen, das Verfahren auszusetzen. Seit einem Jahr, liege die Anklage gegen seine Mandantin vor, nur zwei Tage bis zum nächsten Verhandlungstermin blieben der Verteidigung, sich auf die veränderte rechtliche Bewertung einzustellen. Damit würde der Grundsatz eines fairen Verfahrens verletzt, so Alavi.

Gegen den Willen von Staatsanwältin Anna Holzer entsprach die Kammer dem Antrag. Die noch ausstehenden Informationen seien wichtig. Im September soll es weitergehen.

Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © dpa

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