Seit Jahrzehnten sich selbst überlassen: Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen Bahnschwellenwerks in Kirchseeon, die unter Denkmalschutz stehen. Foto: Stefan Rossmann
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Seit Jahrzehnten sich selbst überlassen: Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen Bahnschwellenwerks in Kirchseeon, die unter Denkmalschutz stehen. Foto: Stefan Rossmann

Bahnschwellenwerk Kirchseeon: Grüne und Freie Wähler fordern Transparenz mit Rundem Tisch

Neuer Anlauf auf verseuchtem Boden

  • Michael Acker
    vonMichael Acker
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Es ist eine der größten Altlasten in Bayern, es ist ein rund 200 000 Quadratmeter großes Gelände mitten in Kirchseeon – eine verseuchte Brache seit Jahrzehnten. Jetzt soll endlich etwas geschehen.

Kirchseeon - Die Grünen und die Freien Wähler haben sich zusammengetan, um Schwung in das Thema zu bringen. Die Parteien fordern in einem Antrag an Landrat Robert Niedergesäß (CSU), dass ein Runder Tisch ins Leben gerufen wird, an dem neben dem Landrat alle Fraktionen des Kirchseeoner Gemeinderats, die Gemeindeverwaltung sowie Fachbehörden Platz nehmen sollen.

„Ziel der Beratungen soll es sein, weitere Maßnahmen über das ehemalige Bahnschwellenwerk zu besprechen, zu planen und abzustimmen“, heißt es in dem Antrag. Grünen und Freien Wählern geht es um den Erhalt der beiden denkmalgeschützten Gebäude auf dem Gelände (Wasserturm und ehemaliges Kantinengebäude), die seit Jahren vor sich hin rotten, den ökologischen Erhalt der schützenswerten Pflanzen und Tiere auf dem Brachland, die Einschätzung der Kontaminationen und weiterer Maßnahmen sowie um eine Energiegewinnung durch Photovoltaik und kalte Nahwärme durch das Wasser der Pumpstation. Auf dem Gelände, das heute im Eigentum der EFFE GmbH (Fiat-Tochter) und der Bahn ist, wurden einst hölzerne Bahnschwellen imprägniert. Dabei gelangten hochgiftige Lösungen in den Untergrund, wo sie heute noch vorhanden sind.

Bahn hat Sanierungsvertrag mit dem Landratsamt

Die Bahn habe infolge eines Gerichtsurteils einen Sanierungsvertrag mit dem Landratsamt Ebersberg abgeschlossen und „reinigt“ das Grundwasser von den enthaltenen Giftstoffen. Die Bahn sei verpflichtet worden, eine Pumpstation zu errichten und an verschiedenen Stellen des Geländes Messstellen zu bauen, um insbesondere die Nachhaltigkeit der Reinigungsmaßnahmen für das Grundwasser überprüfen zu können. Die Reinigung des Grundwassers werde laufend vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim überprüft, heißt es in dem Antrag weiter, der von den beiden Fraktionsspitzen Waltraud Gruber (Grüne) und Wilfried Seidelmann (Freie Wähler) unterzeichnet ist.

Viele Versuche in 30 Jahren gescheitert

Einzelne Versuche, das Gelände voll oder teilweise zu verwerten bzw. zu nutzen, seien in den vergangenen 30 Jahren immer wieder gescheitert. Ein wesentlicher Grund: Das nur schwer einschätzbare Risiko für potenzielle Investoren resultierend aus der Bodenhaftung. Dagegen sei der nördliche Teil des ehemaligen Schwellenwerkes insbesondere in den 1960er Jahren verwertet worden, obwohl sich hier eine der ehemaligen „Abtropfanlagen“ des Bahnschwellenwerkes befand. Gruber und Seidelmann: „Durch die damalige Unkenntnis der Bodenbeschaffenheit wurden z. B. Sozialwohnungen in der Litzlfelder Straße erstellt. Entlang der Wasserburger Straße (zwischen Bahnhof und Brückenwirt) werden bis heute zahlreiche Schrebergärten bewirtschaftet.“

Besichtigungstermin am 29. September

Am Dienstag, 29. September, findet nach Informationen der Ebersberger Zeitung ein Besichtigungstermin auf dem Gelände statt. Allerdings in sehr kleinem Kreis, was vor Ort auf massive Kritik stößt. Wie der Kirchseeoner Grünen-Gemeinderat Bernhard Buckl sagt, habe der Grundstückseigentümer EFFE Kommunalpolitikern die Teilnahme an dem Termin verwehrt. „Allem Anschein nach ist die EFFE GmbH noch nicht zum Dialog mit allen politischen Mandatsträgern des Landkreises Ebersberg bereit“, sagt Buckl.

Seinen Angaben zufolge sind bei der Besichtigung lediglich Vertreter des Landesams für Denkmalpflege, der Abteilung Denkmalschutz im Landratsamt sowie die Kreisheimatpfleger zugegen. Buckl fordert, dass ein Protokoll angefertigt wird, das allen Entscheidungsträgern zur Verfügung steht.

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