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Nach der Jahrhundertwende lebten im Haus rechts Beschäftigte des Eisenbahnschwellenwerks. 

Verwaltungsgericht in der Koloniestraße in Kirchseeon

Ist das ein Denkmal oder kann das weg?

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Steht dieses Haus zu Recht unter Denkmalschutz oder nicht. Das war die große Frage.

Kirchseeon– Sind die historischen Gebäude noch als Denkmal einzustufen oder eben nicht? Das ist die zentrale Frage. Beantwortet wurde sie beim Ortstermin des Verwaltungsgerichtes in der Kirchseeoner Koloniestraße nicht. Die Eigentümerin hat jedoch einen Teilerfolg erzielt. Ihr Antrag auf Abriss der Gebäude Koloniestraße 8 und 10 war nämlich vor einiger Zeit abgelehnt worden. Dagegen hatte sie geklagt. Dieser Bescheid wurde nun vom Gericht aufgehoben, weil im Verfahren nicht alle Aspekte geprüft worden waren. Es geht dabei unter anderem um Aspekte wie Zumutbarkeit und Wirtschaftlichkeit.

Hintergrund: Einige charakteristische Häuser in der Koloniestraße sind ein Zeugnis des Wohnbaus im frühen 20. Jahrhundert. Die Gebäude wurden in den Jahren 1905 und 1906 für Beschäftigte der Eisenbahn beziehungsweise des Bahnschwellenwerks errichtet, auf vergleichsweise großen Grundstücken. Die Gärten sollten der Eigenversorgung der Bewohner dienen. Die Wohnungen sollten auch ein Gegenentwurf zu den beengten städtischen Mietskaserne sein. Mit den ländlich-traditionellen Formen, der Verwendung einheimischer Materialien und den handwerklich gestalteten Details sollten die Häuser Geborgenheit vermitteln, hieß es. Im Jahr 2013 wurden die Gebäude nach einiger Vorlaufzeit unter Denkmalschutz gestellt. In welcher Form, das ist jetzt durchaus strittig.

Ursprünglich war die Bahn Eigentümerin der Immobilien. Bei der Privatisierung gingen die Häuser an einen großen Investor, der sie wieder verkaufte. 2015 schließlich erwarb Susanna Roghani aus München vier der Häuser. Sie will auf dem Grundstücken Koloniestraße 8 und 10 die Gebäude abreißen und dort ein Doppelhaus beziehungsweise einen Dreispänner errichten, erklärte sie gegenüber der EZ.Das passe auch zur Bebauung in der Umgebung. „Es geht mir nicht darum, möglichst viel Geld rauszuholen, sondern darum, etwas Sinnvolles zu machen.“ Mit dem Ergebnis der Verhandlung ist Roghani nicht zufrieden. Sie kritisiert, dass das Landesamt für Denkmalschutz nicht hinzugezogen worden war. Die Eigentümerin stellt in Frage, ob die beiden Gebäude überhaupt noch als Denkmal zu werten seien. Unter anderem geht es darum, dass die umgebenden früheren Gärten inzwischen mit Wohnhäusern bebaut sind. Auch wenn das Verfahren zu ihrem Abriss-Antrag erneut aufgenommen wird, denkt die Eigentümerin über eine neue Klage nach. Richterin Cornelia Dürig-Friedl betonte beim Ortstermin: „Denkmalschutz ist in Bayern eine heilige Kuh.“ Sie bemängelte jedoch, dass in der Abwägung der Ablehnung eines Abrisses nicht alle Faktoren berücksichtigt wurden. „Irgendetwas ist schief gelaufen.“ Die Fachbehörde müsse das abklären. „Heute kommen wir nicht weiter.“

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