Kirchseeoner verprügelt: Es ging um 12 000 Euro 

Wegen räuberischer Erpressung, erpresserischen Menschenhandels und Körperverletzung müssen zwei Münchner vor das Landgericht. Sie haben einen Kirchseeoner verprügeln und bedrohen lassen.

Ebersberg – Ungeduldig wartet Staatsanwalt Florian Schweyer auf die Polizeibeamten, die er angefordert hat. Für Schweyer ist der Fall klar, um den es am Mittwoch vor dem Ebersberger Amtsgericht geht. Der Verdacht gegen einen 61-jährigen Ungarn und einen 53-jährigen Deutschen wiegt schwer: erpresserischer Menschenhandel und räuberische Erpressung.

Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren 

Bei einer Verurteilung sind fünf Jahre Freiheitsstrafe ohne Bewährung das Mindestmaß. Das fällt nicht mehr in das Aufgabenfeld eines Amtsgerichts. Daher beantragt der Staatsanwalt, den Fall an das Landgericht München zu verweisen und die beiden Angeklagten festzunehmen.

Richter Markus Nikol zeigt sich von der Schuld der Münchner Angeklagten überzeugt, obwohl die Hauptzeugen – der Geschädigte selbst und seine Lebensgefährtin – bei der Verhandlung fehlen. Widersprüchliche Aufenthaltsangaben machten beide für das Gericht unauffindbar, die Strafverteidiger kritisieren das scharf.

Ein Schläger drohte damit, die Freundin zur Prostitution zu zwingen 

Im Prozess wird der Fall über Zeugenaussagen bei der Polizei und Schilderungen eines ermittelnden Beamten rekonstruiert. Um Schulden einzutreiben, haben die beiden angeklagten Handwerker den Geschädigten, einen 49-jährigen Ungarn, und seine Lebensgefährtin im Juli 2014 vor deren damaliger Wohnung in Kirchseeon aufgesucht. Ein bis heute unbekannter dritter Mann sei dazugekommen und habe auf „Fingerzeig“ des 53-Jährigen den 49-jährigen Kirchseeoner mit der Faust so heftig ins Gesicht geschlagen, dass dieser bewusstlos zusammen gefallen sei. Dann habe der „Schläger“, wie der ermittelnde Beamte sagt, den Kopf des Opfers zweimal auf den Boden geknallt, was das Gericht als „lebensgefährlich“ einstuft. Im Anschluss sei der Mann in die Wohnung getragen worden. Dort habe der 53-jährige Beschuldigte das wieder ansprechbare Opfer aufgefordert, einen Schuldschein über 12 000 Euro und einen Blankokaufvertrag für seinen Pkw zu unterzeichnen. Der unbekannte Dritte habe dem Opfer gedroht, das Haus anzuzünden, seine Freundin zu entführen und sie Prostitution zu zwingen.

Ein blutverschmierter Schuldschein

Einen blutverschmierten Schuldschein brachte das Opfer nach der Tat zur Polizei. Einen zweiten Schuldschein, den das Opfer unterschrieben haben soll, konnte die Polizei in den Wohnungen der Angeklagten nicht finden. Diese wurden im Gerichtssaal verhaftet, weil sie die Straftaten „willentlich in Kauf nahmen“, so das Gericht. Jetzt entscheidet das Landgericht.

Christoph Hollender

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