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Freuen sich über die neuen Räume (v.l.): Maria Reutemann, Wolfgang Rieger, Helga König und Frank Bernhardt, alles ehrenamtliche Helfer im Schlaraffenland Kirchseeon.

Soziale  Einrichtung unter neuem Dach

Kirchseeoner Schlaraffenland ist umgezogen

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Weil das bisherige Domizil des Schlaraffenlandes Kirchseeon abgerissen wird, um Platz für das Haus für Kinder zu machen, ist die soziale Einrichtung umgezogen. Dazu wurde ein Betriebsgebäude gegenüber der Gaststätte Brückenwirt umgebaut.

Kirchseeon – „Das ist viel mehr Platz als vorher“, freut sich Frank Bernhardt, Ansprechpartner für das „Schlaraffenland“, die Kirchseeoner „Tafel“. Die Organisation unter dem Dach der örtlichen Nachbarschaftshilfe, die kostenlos Lebensmittel an Bedürftige ausgibt, ist jetzt in der Wasserburger Str. 16, an der Bahnbrücke nach Moosach zu finden.

Heuer feiert die Einrichtung ihr 15-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür. Seit Mai 2002 nehmen ehrenamtliche Helfer Lebensmittelspenden von örtlichen Supermärkten, Bäckereien, Metzgereien und anderen Fachgeschäften an und verteilen sie an Menschen, denen es nicht so gut geht, einmal in der Woche, jeden Dienstag, von 9 bis 11 Uhr. Rund 120 regelmäßige „Kunden“ hat die Organisation derzeit, wie Helga König berichtet. Darunter seien einige Familien mit Kindern und Alleinerziehende. Auch eine Reihe von psychisch Kranken seien regelmäßige Besucher der Einrichtung, „viele junge Leute, das ist erschreckend“, so König. Die Zahl der Kunden steige. „2007 waren es nur 30.“ Zwischenzeitlich, als zusätzlich zu anderen Unterkünften die Turnhalle des Gymnasiums mit Flüchtlingen belegt war, kamen auch viele Asylbewerber. Inzwischen ist die Halle geräumt. Jetzt sind nur noch ein paar Flüchtlinge Kunden. Zum Team gehören etwa ein Dutzend Helfer. Drei von ihnen kümmern sich regelmäßig um die Ausgabe, andere putzen Gemüse oder transportieren Waren.

Wer kostenlos Lebensmittel erhalten will, braucht einen „Berechtigungsschein“, der unter anderem im Rathaus Kirchseeon nach bestimmten Regeln ausgestellt wird. „Wir sind da aber in der Praxis nicht so streng“, so Bernhardt. „Wenn die Gemeinde anruft und mitteilte, dass jemand dringend Hilfe braucht, dann geht das auch mal so. Ausnahmen sind möglich. Wir sind flexibel.“

Seit 2007 war das „Schlaraffenland“ in der Münchner Straße 30 untergebracht. Das dortige Gebäude wird jedoch jetzt abgerissen, muss dem Neubau des Kinderhauses weichen. Als Alternative bot sich ein Standort gegenüber das Gaststätte Brückenwirt an. Dort war auch schon der Kirchseeoner Maibaum zwischengelagert. Das Gebäude im Eigentum der Gemeinde stand längere Zeit leer. Das Haus wurde mit besonderem Blick auf den Brandschutz umgebaut. Unter anderem wurden zusätzliche Wände eingezogen und eine Heizung installiert. „Vorher hatte es im Januar nur ein Grad in den Räumen, das ging natürlich nicht“, erzählt Bernhardt. Der Innenausbau wurde durch viele Helfer des „Schlaraffenlandes“ bewerkstelligt. Beim Umzug halfen Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofs tatkräftig mit. „Ohne deren Unterstützung wäre das nicht so zügig vorangegangen.“ Jetzt gehen die Kunden zunächst von der Eingangstüre in einen Aufenthaltsraum. Der sei auch so etwas wie ein „soziales Zentrum“, erklärt Bernhardt. Hier könnten die Leute zusammen kommen, Kaffee trinken, sich unterhalten, Probleme besprechen. In den weiteren Räumen folgen dann mehrere Ausgabenstationen für unterschiedliche Lebensmittel, beispielsweise für Milchprodukte oder für Obst und Gemüse.

Zur Aufbewahrung stehen im „Schlaraffenland“ einige große Kühlschränke mit Gefrierfach. Dazu kommt noch ein größerer Lagerraum, in dem vor allem länger haltbare Lebensmittel in den Regalen stehen, Ravioli in Dosen, Ketchup, Reis oder Speiseöl. Einmal pro Jahr organisiert das „Schlaraffenland“ eine größere Sammelaktion für derartige Spenden in den Supermärkten.

Als letzte Station vor dem Ausgang gibt es noch Ständer mit gebrauchter Kleidung, an der sich die Bedürftigen ebenfalls kostenlos bedienen können. Dann führt eine Tür wieder hinaus auf die Wasserburger Straße. Wer will, kann natürlich ein Stück weiter vorne wieder über den Eingang zum Aufenthaltsraum gehen und sich dort mit Anderen unterhalten. Denn das Kirchseeoner „Schlaraffenland“ ist eben auch ein Treffpunkt.

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