Das Berufsförderungswerk in Kirchseeon – so gut sichtbar wie seit Jahrzehnten nicht. Zahlreiche Bäume sind hier gefällt worden.
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Das Berufsförderungswerk in Kirchseeon – so gut sichtbar wie seit Jahrzehnten nicht. Zahlreiche Bäume sind hier gefällt worden.

Berufsförderungswerk macht Teil seines Geländes „baumfrei“

Tabula rasa zum Jahreswechsel: Kirchseeon entsetzt über Fällungen

  • Michael Acker
    vonMichael Acker
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Das Berufsförderungswerk in Kirchseeon hat einen Teil seines Geländes „baumfrei“ gemacht. Bürgermeister Jan Paeplow (CSU) ist stocksauer. Er kündigt Konsequenzen an.

Kirchseeon – Jan Paeplow (CSU) ist angesäuert ins neue Jahr gestartet. Was den Kirchseeoner Bürgermeister erzürnt, ist das Berufsförderungswerk in seiner Marktgemeinde, das kurz vor Jahreswechsel die Kettensägen anschmeißen und zahlreiche Bäume auf seinem Gelände fällen ließ. Das ist ein „unschöner Weg“, sagt Paeplow, der angibt, dass das Rathaus über die Aktion nicht informiert worden sie und nun vor vollendeten Tatsachen stehe. Er spricht von „Tabula rasa zum Jahreswechsel“.

Bund Naturschutz übte massive Kritik

Das Berufsförderungswerk (BFW), das seit 46 Jahren Menschen mit Behinderungen durch Umschulungen einen Schritt zurück ins Berufsleben ermöglicht, will in den nächsten sieben Jahren ein neues Gebäude auf einer Parkanlage, einem ehemaligen Minigolfplatz, errichten. Ein Gebäudeteil soll abgerissen werden. Der Bund Naturschutz (BN) hatte im Herbst massive Kritik an dem Bauvorhaben geübt, weil er um den wertvollen Baumbestand fürchtete. Dieser ist nun dahin – zumindest zum Teil.

Gemeinde könnte Veränderungssperre erlassen

Bürgermeister Paeplow wollte seinen Gemeinderat am Montagabend informieren. Dann werde über das weitere Vorgehen beraten. In jedem Fall solle man so nicht miteinander umgehen. Diskutiert werden wird laut Paeplow über eine Veränderungssperre für das Grundstück und darüber, ob der Gemeinderat einen Bebauungsplan für das Gebiet aufstelle soll. Mit einem einfachen Bauantrag des BFW werde es jedenfalls nicht mehr getan sein. „Der Prozess wird ein anderer sein als bisher“, droht der Rathauschef, der in Erinnerung ruft, dass der Gemeinderat der Bauvoranfrage des Berufsförderungswerks grundsätzlich positiv gegenüber stand.

Günther Renaltner, Chef des BFW, sagt, sein Haus habe das Rathaus sehr wohl über die Baumfällaktion informiert. Man habe daraufhin keine Reaktion erhalten, was man auf die „ruhige Zeit“ zwischen den Jahren zurückführte. Man habe die Planung des Bauprojekts angepasst, „um wieder Ruhe in die öffentliche Diskussion einziehen zu lassen“. Dadurch könnten über 80 Bäume, die eigentlich zur Fällung vorgesehen waren, erhalten bleiben. Zudem solle weniger Fläche versiegelt werden, weil man auf 58 neue Stellplätze verzichte. Wie viele Bäume aktuell gefällt wurden? Darauf wusste BFW-Chef Renaltner keine Antwort. Die Zahl habe er nicht parat, das ehemalige Minigolfgelände sei „baumfrei gemacht“ worden.

Mitarbeit: Raffael Scherer

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