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Eingehüllt in Schwarz-Rot-Gold: Die Kirche St. Coloman in Osterseeon/Kirchseeon.

Zwei Tage vor dem Halbfinale gegen Frankreich

In Kirchseeon steht Deutschlands EM-Kirche

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Kirchseeon - Wenn das kein gutes Omen für das EM-Halfinalspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Frankreich ist! In Kirchseeon steht Deutschlands EM-Kirche - eingehüllt in ein schwarz-rot-goldenes Tuch. Der Hintergrund hat mit Fußball allerdings gar nicht so viel zu tun.

Da ist der Wurm drin – aber ganz massiv. Das Kirchlein in St. Coloman in Osterseeon braucht den Segen der Chemie. „Es sind alle Hölzer von Holzwurm betroffen“, berichtet ein Trupp aus vier Mann vor Ort. Seit Montag werden Gegenmaßnahmen ergriffen. Das Zauberwort heißt Sulfuryldifluorid.

Derzeit erstrahlt das kleine Kirchlein in der Gemeinde Kirchseeon in den Deutschlandfarben. Die Planen, die den Sakralbau umhüllen, sind in schwar-rot-(gold)gelb gehalten. „Das hat unser Chef ausgesucht“, sagen die Arbeiter und lassen dabei offen, ob die Firma Binker Materialschutz aus Lauf an der Pegnitz zu den glühenden Fans der deutschen Mannschaft bei der aktuellen Fußball-Europameisterschaft zählt. Heiß werden soll es jedenfalls den Holzwürmern, die sich an den Holzteilen im Inneren des Kirchleins gütlich tun.

Die Bekämpfung funktioniert so: Bis Dienstagabend wurden die Vorbereitungen getroffen. Das Gotteshaus wird mit einer luftdichten Hülle aus verschiedenfarbigen Planen verpackt. Die sind etwa 1,50 Meter breit. „Die Farben dienen uns zur Orientierung bei der Abmessung“, erläutern die Arbeiter. Sicherheit ist dabei oberstes Gebot. „Das geht streng nach den gesetzlichen Vorgaben“, bestätigt der Sachverständige der Firma Binker, Georg Fröba.

Wenn die Begasung startet, ist das Gelände mit einem stabilen Bauzaun abgesperrt. Außen am Zaun hängt ein Schild „mit einem Totenkopf drauf“, warnen die Arbeiter. Betreten des Geländes ist verboten, am Zaun hängt auch eine Telefonnummer, unter der man Kontakt mit den Fachleuten aufnehmen kann für den Fall, dass eingegriffen werden muss. Die Pfarrei hat sich bewusst für die Begasung entschieden, „weil die rückstandsfrei ist“, sagt Georg Riedl von der Kirchenverwaltung. Die ganze Maßnahme koste etwa 15 000 Euro.

Fröba weiß, dass der Holzwurm sein Schadwerk oft Jahrzehnte lang unentdeckt entfalten kann etwa dergestalt, dass plötzlich ein Stuhl unter einem zusammenbricht, weil seine Beine nur noch aus einer dünnen Hülle bestehen. Im Inneren finde sich dann außer Holzmehl nichts mehr. „Wenn nur Figuren betroffen sind, kann man die in eine Plane packen und begasen“, so Fröba. Im Falle des Kirchleins in St. Coloman war der Befall allerdings so massiv, dass nur mehr ein Generalangriff auf den Käfer mit dem lateinischen Namen „Anobium punktatum“ hilft. Zu Deutsch heißt das Schadinsekt „Gemeiner Nagekäfer“.

Diesem Holzbohrer wird die Arbeit manchmal leicht gemacht. „Viele Heiligenfiguren sind Halbfiguren“, weiß Fröba. Das heißt, sie haben eine Schokoladenseite, das ist die, die den Kirchenbesuchern zugewandt ist. Hinten rum schaut’s manchmal dagegen recht profan aus. Die Statuen Heiligen haben keine schützende Farbe auf der Rückseite. Dort kann der Nagekäfer sein Werk beginnen und dabei auch von einem Heiligen zum anderen fliegen. Das Mittel Sulfuryldifluorid wird verwendet, weil es gut wirkt und im Gegensatz zu seinen Vorgängermitteln keinen schädlichen Einfluss hat auf das Ozonloch.

Bis zum Freitag sollen die Gemeinen Nagekäfer so viel davon abbekommen, dass sie das Zeitliche segnen. Die Statik der Kirche ist nicht betroffen. Wenn die Begasungsmaßnahme abgeschlossen ist, wird das Gebäude belüftet und die Planen werden wieder abgetragen, die derzeit bis zur 18 Meter hohen Kirchturmspitze reichen. „Anschließend machen wir Messungen“, berichtet der Bautrupp, der es bei seiner Arbeit nicht leicht hat. Zur Kirche führt nur ein einziger schmaler Zugang, durch den gerade ein Lastwagen passt, auf dem eine schwenkbare Hydraulikarbeitsbühne die Männer in luftige Höhen hievt.

Wenn die Messungen ergeben, dass für die Besucher keinerlei Gefahr mehr besteht, kann der Betrieb wieder aufgenommen werden. „Wohl am Freitagabend“, so der Begasungstrupp.

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