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Keine Scheu vor Explosionen (v.l.): Maja Freidhof , Luzia Czempik und Nadja Hinsberger.

Schüler experimentieren

Mit Pilzen erfolgreich

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Junge Forscherinnen des Gymnasiums Kirchseeon dürfen zum bayerischen Landesentscheid. Sie haben sich mit Pilzen und Koffein beschäftigt.

Von robert langer

Kirchseeon–– „Wir haben uns richtig gefreut.“ Die Begeisterung ist den drei Mädchen vom Gymnasium Kirchseeon anzusehen. Sie haben den ersten Platz beim Regionalwettbewerb „Schüler experimentieren“ München Süd auf dem Airbus-Gelände in Ottobrunn erreicht. Jetzt dürfen sei beim bayerischen Landesentscheid antreten. Beschäftigt haben sich die jungen Forscherinnen mit kleinsten Lebewesen, mit Wasserflöhen und Hefepilzen – und mit Koffein und Alkohol.

„Wir haben in der Zeitung gelesen, dass geringe Spuren von Koffein überall in der Umwelt zu finden sind“, erklärt Lucia Czempik. Das war der Auslöser. „Wir haben uns gefragt, welche Auswirkung das auf kleinere Lebewesen hat.“ Auf Wasserflöhe und Hefepilze eben. Maja Freidhof ergänzt: „Wir haben herausgefunden, dass Koffein eine aktivierende Wirkung hat.“ Dazu wurde beispielsweise zu den Pilzen Wasserstoffperoxid gegeben. Mit Koffein konnten sich die Pilze besser gegen das Zellgift wehren. Wenn die Dosierung des Koffeins jedoch zu hoch werde, lasse die positive Wirkung nach. „Es ist aber immer noch besser als gar nichts“, erklärt Nadja Hinsberger. Die Daten wurden übersichtlich auf Plakaten eingetragen und der Jury im Wettbewerb präsentiert.

Wie das Koffein in die Umwelt kommt, können die Mädchen auch erklären. Wenn ein Mensch Kaffee trinkt, baut der Körper nicht das gesamte Koffein ab. Der Wirkstoff gelangt ins Abwasser. In der Kläreanlage werde ein Teil herausgefiltert, aber eben nicht alles, berichten die jungen Forscherinnen. Das Koffein bleibt im Wasser, werde von Menschen und Tieren wieder aufgenommen, erzählt Hinsberger. Auf den Menschen hätte das wohl keine Auswirkungen, sagt Lucia Czempik. „Da ist die Menge viel zu gering“, meint Maja Freidhof. Aber ganz genau wisse man das nicht. „Wir haben natürlich keine Versuche mit Menschen gemacht“, sagt Czempik. „Und wir hätten auch keinen Vergleichsproben. Jeder Mensch trinkt schließlich Wasser“, ergänzt Hinsberger. Die Mädel haben auch die Wirkung geringster Konzentrationen von Alkohol auf die Hefezellen getestet, ebenfalls als Rückstand im Wasser angenommen, und festgestellt, dass es da eher eine hemmende Wirkung gibt, trotz der sehr hohen Verdünnung. Das heißt, Wasserstoffperoxid wurde dann langsamer abgebaut.

Die drei Mädchen, 13 und 14 Jahre alt, gehen in die achte Klasse am Gymnasium Kirchseeon. Im Wettbewerb sind sie schon Profis. „Wir sind jetzt das dritte Mal dabei, es macht richtig Spaß“, meint Freidhof. Einmal haben sie Honig auf Pollen untersucht, um herauszufinden, ob wirklich im Honig das drin ist, was auf dem Etikett draufsteht. „Damit hatten wir den zweiten Platz im Regionalwettbewerb erreicht“, freut sich Hinsberger noch heute über diesen Erfolg. Beim anderen Projekt haben die Drei zusammen untersucht, ob man Nutzpflanzen auch mit Salzwasser gießen kann. Schließlich gebe es viel mehr Salzwasser als Süßwasser auf der Erde. „Damit haben wir leider nichts gewonnen“, meint Freidhof.

Aber nun hat diese Arbeit noch eine zweite Chance. Die Mädchen reichen sie beim Bundes-Umweltwettbewerb ein.

Jetzt aber steht der Bayernentscheid des Schüler-Experimentieren-Wettbewerbs an. Dazu reisen die Mädchen Anfang Mai für zwei Tage mit Übernachtung nach Dingolfing. Dort im BMW-Werk werden sie sich mit den Besten aus den Freistaat messen. Vorher werden sei noch ihre Präsentation etwas verbessern, das umsetzen, was als Tipps beim Regionalwettbewerb von der Jury kam.

Begleitet werden die Mädchen nach Dingolfing von ihrer Lehrerin Katharina Unger. Am Gymnasium Kirchseeon gibt es mehrmals pro Woche einen eigenen Kurs, in dem alle sind, die sich an den Wettbewerben „Schüler experimentieren“ oder für die Älteren ab der 9. Klasse „Jugend forscht“ beteiligen. Bis zum Jahreswechsel hatte sich die Chemielehrerin Susanne Zollner um die Gruppe gekümmert. Sie hat die Schule inzwischen verlassen. An ihre Stelle ist Unger getreten. Sie lobt: „Die Mädel sind toll. Sie setzen viel Freizeit ein und sind alle engagiert.“ Und dabei sind die Forscherinnen auch noch sportlich und musikalisch unterwegs: Handball, Tennis, Schwimmen, Volleyball und Klavier.

Im Forscher-Kurs wird gemeinsam überlegt, welches Projekt wie angegangen wird. Und auch beim Experimentieren erhalten die Teilnehmer im Labor Unterstützung. „Wir laufen hier nicht einfach rum und schütten irgendetwas zusammen“, betont Czempik und lacht. In den Naturwissenschaften haben die Drei gute Noten und finden die Fächer toll. „Ich mag Chemie, weil es immer wieder unterschiedliche Ergebnisse gibt. Es kommt nicht immer das raus, was man erwartet hat“, meint sie und die anderen nicken. „Aber das, was wir für den Wettbewerb gemacht haben, ist eher Biologie als Chemie.“

Irgendetwas in diese Richtung zu studieren und später in diesem Bereich zu arbeiten, darüber haben die Drei noch nicht nachgedacht. Jetzt kommt erstmal der Wettbewerb. Aufgeregt sind sie schon. Im nächsten Jahr könnte das Trio bei Jugend forscht antreten. Dann gibt es nicht nur einen Landeswettbewerb als höchste Stufe wie jetzt beim „Schüler experimentieren“, sondern einen Bundesentscheid. Dort starten zu können, das wäre doch was. Erfolgreich sind sie aber schon jetzt.

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