Verhüllt: Mit einem weißen Tuch abgedeckt wurde das Schild der Hans-Sponholz-Straße in Kirchseeon im Oktober 2013. Die Weiße Rose erinnert an eine Münchner Widerstandsgruppe um die Geschwister Scholl. Foto: sro

30 Kirchseeoner bekommen neue Adresse

Kirchseeon - Wie die Hans-Sponholz-Straße künftig heißen wird, steht noch nicht fest. Jedenfalls hat der Kirchseeoner Marktgemeinderat die Straßenwidmung in nichtöffentlicher Sitzung rückgängig gemacht, wegen Sponholz‘ Nazi-Schriften.

Einerseits ist es maßgeblich dem 1982 verstorbenen Journalisten und Naturschützer Sponholz zu verdanken, dass im Ebersberger Forst in den 1960er Jahren kein Kernforschungszentrum entstand. Deshalb wurde Sponholz auch als „Retter des Ebersberger Forstes“ bezeichnet. Er erhielt 1973 den Bayerischen Naturschutzpreis und 1980 das Bundesverdienstkreuz. Andererseits war im zurückliegenden Sommer bekannt geworden, dass Sponholz, der die Schutzgemeinschaft Ebersberger Forst gründete, in den 1930er und 40er Jahren zahlreiche Schriften verfasst hat, in denen der SA-Obersturmbannführer die Nazi-Ideologie vertrat.

Mitte Oktober vergangenen Jahres hatten die Kirchseeoner Räte entschieden, bei der Frage der Straßenbenennung nichts zu überstürzen und sich an Ebersberg zu orientieren, wo man das gleiche Problem hatte. Dort entzog der Stadtrat Mitte November die posthume Ehrung, weswegen man seitdem in Kirchseeon auf einen entsprechenden Beschluss wartete. Zumal Bürgermeister Udo Ockel (CSU) damals angekündigt hatte, die Diskussion in öffentlicher Sitzung führen zu wollen. Dass daraus nichts wurde, gestand der Rathauschef indirekt am Montagabend ein. Zu regelmäßigen Bekanntgaben im Ratsgremium gehören nämlich auch dessen nichtöffentlich gefasste Beschlüsse, worunter in der jüngsten Sitzung eben die beabsichtigte Namensänderung zu finden war.

Klar ist: Der Gemeinderat hatte vor zwei Wochen hinter verschlossenen Türen abgestimmt.

Ebersberg habe ebenfalls über die strittige Straßenwidmung in nichtöffentlicher Sitzung entschieden, rechtfertigte Ockel das Vorgehen und nannte zwei Gründe: Erstens sei Sponholz „nicht die einzige Person gewesen, über die da zu reden war“. Dazu wollte Ockel aber keine weiteren Angaben machen. Zweitens sei es auch darum gegangen, zum Schutz der betroffenen Familie „nicht etwas sagen zu müssen, was jemandem weh tun könnte“. Denn schließlich habe es gegolten, „Dinge zu würdigen, die damals gewesen sind und aus heutiger Sicht eben anders ausschauen“. Jedenfalls, so Ockel weiter, sei mit dieser Schutzfunktion „eindeutig ein Grund für die nichtöffentliche Behandlung gegeben“ gewesen.

Inzwischen wurden laut Ockel die gut 30 Bewohner der Häuser des Straßenstücks zwischen der Parkstraße und dem Kohlbrennerweg am Kirchseeoner Waldrand unterrichtet, dass sie eine neue Adresse bekommen werden. Welche ist noch unklar, doch habe man „noch einige Namen ehemaliger Bürgermeister im Portfolio“, sagte Ockel.

Dass genau ein solcher im zurückliegenden August für Wirbel gesorgt hat, ist noch in Erinnerung, als die Straße im neuen Eglhartinger Wohngebiet an der Bucher Straße dem früheren Bürgermeister Fritz Arnold (SPD) gewidmet worden war - trotz eines braunen Flecks in seiner Vita. Der Vorwurf laute damals, dass der 1966 zum Bürgermeister gewählte Arnold während der Zeit des Dritten Reiches „ein Aktivist“ gewesen sei. Nachforschungen im Bayerischen Staatsarchiv hatten aber laut Ockel ergeben, „dass seitens der Gemeindeverwaltung es absolut keinen Anlass gibt, an der bestehenden Beschlusslage etwas zu ändern.“ Denn nach dem Zweiten Weltkrieg sei „die Person Fritz Arnold absolut rehabilitiert worden“.

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