Einblicke in den Innenraum gewährt der offene Türspalt der Luxustoilette. foto: s: rossmann

Kirchseeoner Luxus-Klo schluckt 120000 Euro Steuergeld

Kirchseeon - Mehr als 120 000 Euro, so viel wie eine kleine Eigentumswohnung, kostete die Gemeinde Kirchseeon seit 1999 der Betrieb der Toilette am Bahnhof. Derzeit ist das Hightech-Häusl geschlossen.

Wer am Kirchseeoner Bahnhof von einem menschlichen Bedürfnis geplagt wird, der hat Pech. An der einen Spalt geöffneten automatischen Schiebetüre der öffentlichen Toilette hängt ein Schild: Geschlossen. 1999 hatte die Bahn im Zuge der Bahnhofsumgestaltung den futuristischen Rundbau aufgestellt, mit Luxusausstattung und automatischer Desinfektion nach jeder Nutzung. Für die Betriebs- und Wartungskosten musste seitdem die Gemeinde aufkommen. Und diese Kosten für Reinigung und Instandhaltung beliefen sich auf rund 1000 Euro pro Monat. Der teure Wartungsvertrag war auf einen speziellen Anbieter zugeschnitten. „So war ein Ausweichen auf einen anderen Anbieter nicht möglich“, erklärte Bürgermeister Udo Ockel auf Anfrage der Ebersberger Zeitung. Die Einnahmen waren gering. 100 Besucher gab es durchschnittlich pro Monat. 50 Cent kostet eine „Sitzung“. Macht 50 Euro im Monat. Nur ein kleines Häufchen angesichts der hohen Fixkosten.

Als der Wartungsvertrag auslief, versuchte die Gemeinde eine andere Regelung auszuhandeln. „Auf unser jüngstes Schreiben haben wir von der Bahn bis jetzt jedoch keine Antwort erhalten“, so Stephan Neu von der Gemeindeverwaltung.

Die EZ fragte bei der Bahn nach. Antwort eines Sprechers: Grundlage der Finanzierung der Anlage durch die DB Station&Service AG sei eben gewesen, dass die Gemeinde diese WC-Anlage auf eigene Kosten anhand eines Wartungsvertrages betreibe. Wenn dieser Vertrag nicht weitergeführt werde, sei dies eine Entscheidung der Gemeinde. Und: „Das Vorhalten von öffentlichen Toilettenanlagen ist grundsätzlich nicht die Aufgabe der DB Station&Service AG und damit der Deutschen Bahn, sondern die der Städte und Gemeinden.“

Bürgermeister Ockel merkt dazu kritisch an: Die Bahn sehe keine Verpflichtung für die rund 4000 täglichen Kunden am Kirchseeoner Bahnhof eine Toilette vorzuhalten. „Nur der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass in Eglharting jeden Werktag noch einmal rund 2400 Fahrgäste gezählt werden.“ Die Verwaltung verfolge aber Ideen für eine neue Toilette weiter. „Ich gehe davon aus, dass wir mittelfristig wieder eine öffentliche Toilette anbieten werden. Ob die aber zwingend am Bahnhof stehen muss, lasse ich einmal offen“, so Ockel.

Von Robert Langer

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