Kirchseeoner Umfahrung: Der Notnagel liegt im Süden

Kirchseeon - Die Kirchseeoner Umfahrung würde aus heutiger Sicht eine Südumfahrung. Das hat das Rosenheimer Straßenbauamt am Montagabend bei einer Sondersitzung des Gemeinderats durchblicken lassen.

„Wir müssen also eher in Richtung Süden denken“, brachte es CSU-Gemeinderat Peter Kohl in der rund zweistündigen Präsentation und nachfolgenden Diskussion im vollbesetzten Sitzungssaal auf den Punkt. Und Amtsleiter Claus-Peter Olk bestätigte: „Sie haben uns so verstanden, wie wir es wollten.“

Vorausgegangen war eine rund einstündige Präsentation der vom Straßenbauamt in seiner Machbarkeitsstudie untersuchten Umgehungstrassen. Vier Varianten lagen auf dem Tisch: Ein Tunnel unter der heutigen B 304, eine Nordumfahrung durch den Ebersberger Forst und zwei Südumgehungen, die sich nur in ihrem östlichen Teil durch Tunnelstücke unter dem Taubenberg und der Wasserburger Straße beziehungsweise unter dem Marktplatz unterscheiden.

Für die sogenannte Forstumfahrung, der mit 151 Millionen Euro teuersten Lösung, kam schnell das Aus. „Das größte Problem sehen wir beim Naturschutzrecht“, sagte Bernhard Bauer von der Rosenheimer Behörde. Der Forst sei nicht nur Bannwald, sondern auch als Landschaftsschutzgebiet. Es sei „sehr zweifelhaft, ob dort auf einer Länge von 4,33 Kilometer eine neue Hauptverkehrsstraße gebaut werden kann“. Hinzu komme, dass der südliche Forstrand als FFH-Gebiet unter europäischem Schutz stehe. Dort dürfe nur eingegriffen werden, wenn es keine zumutbaren Alternativen gibt. Die lägen im Kirchseeoner Fall aber vor. Auch der von den Grünen favorisierte Tunnel hat nach den Äußerungen der beamteten Straßenplanern wenig Chancen: Immerhin noch 104,54 Millionen Euro teuer, sei er zwar technisch ohne weiteres machbar, habe auch die größte Entlastung vom Durchgangsverkehr, jedoch beim örtlichen Ziel- und Quellverkehr kaum Wirkung. Knackpunkt aber scheint aber die notwendige Verkehrsführung beim westlichen Tunnelportal zu sein, die Bauer „wegen der notwendigen innenliegenden Verflechtung für sehr gefährlich“ hält. So etwas gebe es bislang nur oberirdisch, werde aber wegen der sich aus der Ungewohnheit für den Autofahrer ergebenen Unfallhäufigkeit andernorts bereits wieder zurückgebaut.

Blieben nur die beiden Südtrassen. 96,26 beziehungsweise 135,7 Millionen Euro teuer sind sie, hätten aber eben „in Bezug auf Landschaftsschutzgebiete und FFH-Gebiete kein Konfliktpotential. Die Variante mit dem Tunnel unter der Wasserburger Straße nannten die Behördenvertreter nicht nur die kostengünstigste, sondern auch die verträglichere Option. Sie bietet laut Thomas Kroll (SPD) auch den Charme, dass auf dem Gelände des früheren Bahnschwellenwerks ein innerörtlicher Anschluss situiert werden könnte.

Von Eberhard Rienth

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