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„Dröge Referate reichen uns nicht“: Gymnasium Kirchseeon kooperiert mit Energieagentur

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Von: Andrea Kästle

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Austausch mit den Partnern aus Italien, Schweden und Österreich zur Vorbereitung des Projekts.
Austausch mit den Partnern aus Italien, Schweden und Österreich zur Vorbereitung des Projekts. © Andrea Kästle

Die Energieagentur Ebersberg-München kümmert sich normalerweise um den Klimaschutz vor der Haustür. Nun aber hat Angelika Bachmann, zuständig für Klimabildung, eine „Klimabox“ nach Rom geschickt.

Landkreis – Die Energieagentur Ebersberg-München kümmert sich normalerweise um den Klimaschutz vor der Haustür und berät Privathaushalte, Unternehmen und Kommunen beim Energiesparen. Und sie gibt Schülern Nachhilfe in Sachen Umweltkunde. Nun aber hat Angelika Bachmann, bei der Einrichtung zuständig für Klimabildung, ein Paket nach Rom geschickt. Inhalt: Eine „Klimabox“ zum Einsatz in Schulen und Kindergärten.

Der Energieagentur mit Sitz in Ebersberg ist etwas Besonderes gelungen: Sie hat zusammen mit Partner-Einrichtungen in Italien, Schweden und Österreich einen Förderantrag genehmigt bekommen, für ein Erasmus-Klimabildungs-Programm an Schulen. Knapp 60 000 Euro pro beteiligtem Land wurden bewilligt, Laufzeit: drei Jahre. Seither ist Angelika Bachmann regelmäßig mit den Kolleginnen und Kollegen im Austausch – ein erstes analoges Treffen fand heuer im Mai am Starnberger See statt.

Klimaschutz in der Schule: Abhängig vom Engagement der Lehrer

„Ich habe mich schon immer darüber geärgert, dass Klima-Unterricht in Deutschland nicht im Lehrplan vorkommt“, sagt Bachmann. Klimaschutz an Schulen finde mal in Erdkunde statt, mal in Chemie, mal in Bio – und sei immer abhängig vom Engagement der Lehrer. Die „Klimaabenteuer“, an denen sie für das Erasmus-Projekt mit den Partner-Organisationen arbeitet, werden nun in einer Pilotphase an zwei Pilotschulen, eine in Rom und die andere das Gymnasium Kirchseeon, im Fach Englisch drangenommen – weil das gesamte Material auf Englisch sein wird. In diesen Wochen geht es los. Zwei von fünf Modulen, die die sogenannten „clim@ventures“ bilden sollen, sind fertig – und waren in der Box für Rom.

Angelika Bachmann mit einer „Klimabox“.
Angelika Bachmann mit einer „Klimabox“. © Andrea Kästle

Klimabox: Energieagentur verkauft sie an Schulen und Kindergärten

Angelika Bachmann strahlt, wenn sie davon erzählt. Klimaschutz war schon immer eins ihrer großen Themen, auch als sie noch Leiterin der Emile-Montessorischule in Neubiberg war. Zusammen mit einer Kollegin hat sie die insgesamt acht Klimaboxen entwickelt. Die Energieagentur verkauft sie an Schulen und Kindergärten. Darunter ist etwa eine „Fair-Fashion“-Kiste, die den Wahnsinn Mode sichtbar macht. Das Schöne am Erasmus-Projekt sei nun eben, dass zusätzlich die Schüler ermuntert werden, rauszugehen und Klima-Abenteuer zu erleben. Sie sollen die Umgebung nach grünen Vorzeigeprojekten scannen und diese in Podcasts, Zeitungsartikeln und Videos beschreiben. „Storytelling“ ist ein wichtiger Bestandteil des Erasmus-Konzepts. Den Part wird im Projekt „Italia Che Cambia“ übernehmen, ein Zusammenschluss engagierter italienischer Journalisten. Bachmann sagt: „Das, was wir planen, ist ein ganz anderes Lernen als das übliche Pauken aus Büchern. Dröge Referate reichen uns nicht.“

Mit dabei sind: die schwedische Initiative „Changemaker“ und der österreichische Verein „Forum Via“, der in Zusammenhang mit dem Klimawandel auf neue Lernformen setzt und mit dessen Vorsitzender Valentina Aversano-Dearborn Angelika Bachmann den Förderantrag geschrieben hat. Über 100 Seiten umfasste am Ende das eingereichte Papier, dessen Einhaltung auch kontrolliert wird. „Wir müssen uns natürlich streng an das halten, was wir angegeben haben.“

Versuche für die Mittelstufe: CO2-Verbrauch bei Lebensmittelproduktion

Die noch fehlenden drei Lernmodule wird „Forum Via“ entwickeln. Die zwei Module in der Box, die die Energieagentur beigesteuert hat, sind im Wesentlichen ausgearbeitete Versuche für die Mittelstufe. Sie drehen sich unter anderem um den CO2-Verbrauch bei der Produktion von Lebensmitteln und um die Energieeffizienz von Leuchtmitteln.

Am Ende der Projektlaufzeit können die Bildungstools, die ständig verbessert werden, theoretisch in der ganzen Welt im Unterricht verwendet werden.

Clim@ventures: Schon diesen Herbst

Die ersten Clim@ventures sollen die Oberstufen-Schüler im Gymnasium Kirchseeon, einer der zwei Pilotschulen, schon diesen Herbst erleben. Unter anderem ist geplant, Unternehmen aus den Landkreisen Ebersberg und München vorzustellen, die bis 2030 klimaneutral arbeiten wollen. Angelika Bachmann hält zudem am Dienstag, 18. Oktober, einen Vortrag für die Volkshochschule Grafing: Sie berichtet von ihrer Radtour von Kroatien nach Glonn, bei der sie heuer ebenfalls „mit der grünen Brille unterwegs war“. 19 bis 20.30 Uhr, Griesstraße 27.

Weitere Infos: energieagentur-ebe-m.de

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