Wildschweine im Ebersberger Forst. Sie haben mit dem Klimawandel kein Problem, ganz im Gegenteil. Foto: Stefan Rossmann

Klimawandel: Das sind die Gewinner

Landkreis - Die wärmere Witterung schafft nicht nur Verlierer: Im Landkreis Ebersberg profitieren zum Beispiel Wels und Wildschwein.

Der Klimawandel ist schlimm. Und er ist fast nicht aufzuhalten, höchstens zu bremsen. Trotz aller Anstrengungen. Es gibt aber Arten, die sich über die neuen Lebensbedingungen sogar freuen. Sie sind im Landkreis Ebersberg die Klimagewinner. Wir machten uns auf die Suche und landeten bei Wels und Wildschwein - aber auch bei Zecke und Borkenkäfer.

In der aktuellen Stunde der Wintervögel, einer Zählinitiative des Landesbund für Vogelschutz, stand heuer der Erlenzeisig im Ranking mit ganz oben. Er wurde von den Teilnehmern der Aktion in fast jedem zweiten Garten gesichtet und trat in einer Anzahl von 1571 Exemplaren auf. Für Rainer Förderreuther, den stellvertretenden Vorsitzenden des Landesbunds für Vogelschutz im Landkreis Ebersberg, gehört der Erlenzeisig eindeutig zu den Klimagewinnern. „Er hat vom trockenen Sommer profitiert und jetzt profitiert er vom milden Winter“, schildert Förderreuther die Situation.

Der Vogelschützer hat bei sich zuhause zwei große Silberweiden im Garten stehen. „Da halten sich momentan bis zu 300 Vögel auf“. An den zwei Futtersäulen beobachtet Förderreuther derzeit vor allem die Erlenzeisige, die sonst eher in südlicheren Gefilden zuhause sind. Andere Vögel hätten an den Futterhäuschen „fast keinen Platz mehr“, berichtet Förderreuther von einer Art tierischen „Völkerwanderung“.

Rudolf Göllert, Vorsitzender des Kreisfischereivereins Ebersberg, hat beobachtet, dass sich der Wels oder Waller, wie er auf bairisch heißt, in den Gewässern im Landkreis Ebersberg immer wohler fühlt. Dadurch, dass das Wasser zum Beispiel im Steinsee immer länger warm bleibe, könnten die Fische länger fressen und seien in sehr guter Kondition. Das macht sich ab und zu bemerkbar. Zum Beispiel dann, wenn ein solcher Rekordwaller einem Fischer an die Angel geht, wie der, den Joseph Noder vom Kreisfischereiverein aus dem Steinsee gezogen hat - 1,78 Meter lang und 64 Pfund schwer.

Ebenfalls zu den direkten Klimagewinnern gehört der Mais. Er soll „mit dem Kopf im Feuer und mit den Wurzeln im Wasser stehen“, lautet eine alte Bauernregel. Diese Bedingungen werden durch Starkregen und anschließenden Sonnenschein erreicht. Wetterbedingungen, wie es sie vergangenen Sommer gab.

„Indirekt profitieren davon die Wildschweine“, berichtet Göllert, der auch Jäger ist. Auch den Säuen schmeckt der Mais, und in den riesigen Feldern finden sie und ihr Nachwuchs hervorragende Deckung.

Forscher sprechen im Zusammenhang mit früheren Warmzeiten von einem „Klimaoptimum“. Es gab mehr Ernten und mehr Nahrung in unserer Heimat. Die großen Waldbestände entstanden in dieser Zeit. „Vorher war die ganze Münchner Schotterebene kahl“, schildert Michael Kammermeier, der Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung. Zuerst kamen Pionierarten wie Hasel und Pappel, dann bildeten sich Dauerwälder „überwiegend Buchen“. Und wer heute im Ebersberger Forst spazieren geht, sieht diese Baumart immer öfter.

Die Buche ist ein Klimagewinner - auch wenn der Mensch dabei nachhilft. Denn die Fichte bekommt bei Trockenheit zunehmend Stress mit dem Borkenkäfer, ebenfalls Klimagewinner. Und auch die Zecke liebt es eher warm. Erste Bisse werden aktuell schon im Januar registriert - früher fast undenkbar. Auch Josef Rüegg, der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes, rechnet damit, dass Wärme liebende Pflanzen- und und Tierarten zu den Gewinnern zählen werden.

Die Tier- und Pflanzenwelt hat offensichtlich ihre eigenen Strategien, mit den veränderten Umweltbedingungen umzugehen. Aber wie werden die Menschen damit zurechtkommen? Der Umweltausschuss des Kreistags widmet sich am Montag, 1. Februar, von 17 bis 19.45 Uhr dieser Frage. Im Hermann-Beham-Saal werden Experten vom Karlsruhe Institute of Technology, von der Münchner Rück Stiftung und des Verbands Region Stuttgart referieren zur Klimaveränderung im Landkreis und ihren monetären Folgen. „Interessierte sind herzlich eingeladen“, sagt Landkreis-Klimaschutzmanager Hans Gröbmayr.

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