Frank Pollok erzählt mit seinen Bildern Geschichten, die sich der Betrachter selbst zusammenreimen darf. Foto: sro

Knaller aus der Bilderflut

Ebersberg - Wahnsinn. Diese Bilder knallen richtig rein. Wer in den zweiten Stock des altehrwürdigen Ebersberger Rathauses kommt, glaubt im ersten Moment seinen Augen nicht zu trauen.

Bilder in riesigen Formaten sind hier seit einigen Tagen aufgehängt, mit total skurrilen Motiven. Richtige Kracher. Ein riesiges Pferd, zusammengebrochen auf der Seite liegend, daneben Wasserträger. Eine schreiende Frau. Gerippe. Ein monumentaler Bundesadler mit blutroten Schwingen. Neben ihm salutieren Soldaten. Ein schwarzer Mann und ein kleines Kind. Mickey Mouse, oder besser ein Fragment davon, mit zangenartigen Pfoten...

Rätselhaft sind die Bilder von Frank Pollok, scheinbar wirr, manchmal schwierig, immer aber stark in der Wirkung, eine Mischung aus Popart und Surrealismus. „Ich möchte den Menschen einen Spiegel vorhalten“, erklärt der Künstler, der seit drei Jahren in Ebersberg lebt. „Aber ohne erhobenen Zeigenfinger“. Pollok nutzt die allgegenwärtige Bilderflut, mit der uns die Medien überschwemmen. Greift sich einzelne Motive heraus, um daraus dann etwas ganz Eigenes zu machen. Ältere Werke leben von Streifenstrukturen, in jüngeren, fast monochromen arbeitet Pollok mit Bleistift und der grauen Suppe, die entsteht, wenn Pinsel ausgewaschen werden.

„Mir ist klar, dass die Bilder abschreckend wirken könnten“, sagt der studierte Bühnenbildner und Maler. „Aber ich bin durchaus ein positiv denkender Mensch.“ Einer mit Humor sogar. Eines der Bilder zeigt Jean Luc Godard beim „Casting“. Der Regisseur thront auf seinem Sessel, während vor ihm der total fertige Schauspieler als über den Boden kriechendes Skelett dargestellt ist. So kann sich der Betrachter zu jedem Bild von Frank Pollok eine schöne oder eine schaurige Geschichte ausdenken.

Ausstellungseröffnung ist am Donnerstag, 24. November, um 18.30 Uhr. in der Rathausgalerie. Dabei wird Werner Hubert aus seinen Erinnerungen lesen.

Von Sabine Heine

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