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Katharina Maier aus Poing hat einer 45 Jahre alten Frau aus Norwegen das Leben gerettet.

28-Jährige ging zur Knochenmarkspende

Blutkrebs: Poingerin rettete einer Frau das Leben

Poing - In der Deutschen Knochenmarkspenderdatei sind weltweit aktuell rund 5,5 Millionen Menschen registriert. Wie Katharina Maier aus Poing. Die 28-Jährige hat mit ihrer Knochenmarkspende einer Frau das Leben gerettet.

Als Katharina Maier den Brief öffnete, dachte sie sich zunächst nichts Besonderes. Absender: die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) in Tübingen. Vielleicht eine Info-Post, schließlich hatte sich die Poingerin zwei Jahre zuvor typisieren und in die Datei aufnehmen lassen. Als sie den Brief las, „bin ich nervös geworden“, erzählt die 28-jährige Studentin der Sozialarbeit heute.

Es war im Januar 2012, als sie erfuhr, dass ihre Gewebemerkmale übereinstimmen mit denen einer 45-jährigen Frau in Norwegen, die an Blutkrebs erkrankt ist. Ihre einzige Rettung: eine Stammzellenspende. Laut DKMS reicht die Wahrscheinlichkeit, dass die Gewebemerkmale zweier Menschen übereinstimmen, von 1 : 20 000 bis    1: zu mehreren Millionen. Nur ein so genannter „genetischer Zwilling“ kommt für eine Spende in Frage. Alle 16 Minuten erhält in Deutschland ein Mensch die Diagnose Leukämie (Blutkrebs), informiert die DKMS. Besonders betroffen: Kinder und Jugendliche – wie die zwölfjährige Rinah aus Kirchheim. Einem Teil der Patienten kann durch eine Chemo- und/oder Strahlentherapie geholfen werden, für viele aber ist die Übertragung von Stammzellen die einzige Hoffnung auf Leben.

Diese Hoffnung keimte wohl bei der 45-jährigen Norwegerin auf, als sie erfuhr, dass es in Deutschland einen genetischen Zwilling gebe. Obwohl der potentielle Spender bis zum Vorabend der Operation noch absagen kann, war für Katharina Maier klar, dass sie spenden werde. „Dafür habe ich mich ja auch typisieren lassen.“ Zwei Möglichkeiten der Spende gibt es: die länger dauernde, periphere Stammzell-Entnahme, die ähnlich einer Blutspende und ohne operativen Eingriff verläuft, oder die schnellere Knochenmark-Entnahme aus dem Beckenkamm.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1991 konnte die DKMS knapp 50 500 Stammzellen-Spenden für Patienten auf der ganzen Welt vermitteln. Jeder fünfte Patient findet aber keinen genetischen Zwilling, keinen Spender. „Es musste schnell gehen, weil die Frau in Norwegen schon sehr stark erkrankt war“, erzählt Katharina Maier. Nach mehreren Blutentnahmen und -tests stand fest, dass auch zum aktuellen Zeitpunkt eine hundertprozentige Übereinstimmung herrscht. „Das ist schon ein komisches Gefühl zu wissen, dass es jemanden gibt, der mir genetisch gesehen enger steht als meine Eltern und Geschwister“, sagt die Poingerin. Bereits im März 2012, zwei Monate nach dem ersten Brief, war OP-Termin in Nürnberg. Als seelische Begleiter und Unterstützer mit dabei: Der Freund der Studentin sowie ihre Eltern. Sämtliche Kosten hat die DKMS übernommen. „Die Tage vor der Operation habe ich in Hab-Acht-Stellung gelebt“, erzählt die 28-Jährige. Jetzt ja nicht verletzten, sich ja keine Erkältung einfangen. Schließlich war das Immunsystem der Norwegerin bereits so weit heruntergefahren, dass es die neuen Stammzellen aufnehmen kann. „Ich wusste: Wenn mir vor der Operation was passiert und die Knochenmark-Entnahme nicht stattfinden kann, dann stirbt diese Frau.“

Zwar weiß Katharina Maier bis heute aufgrund des Datenschutzes in Norwegen nicht, wer die Patientin ist, doch trotz der Anonymität spürte sie damals große Verantwortung. „Gut und wichtig ist, dass die DKMS jeden Spender von Anfang an bis zur OP und die Zeit danach intensiv betreut und begleitet.“ Nur über die DKMS weiß sie, dass der Körper der Norwegerin damals ihre Stammzellen angenommen hat und die Frau heute gesund ist. Unter Vollnarkose sei ihr etwa ein Liter Knochenmark entfernt worden, erzählt die 28-Jährige. Dieses wurde sofort per Kurier nach Norwegen gebracht. Nach der OP war Katharina Maier für eine Woche krankgeschrieben. Das war’s. Keine Schmerzen, keine Folgeschäden, wie manchmal befürchtet wird. „Als ich meinen Freundinnen davon erzählt habe, konnten sie es gar nicht glauben.“ Viele von ihnen sind mittlerweile auch in der DKMS registriert. Die Poingerin hat einige Unentschlossene dazu bewegen können, sich typisieren zu lassen. Denn: „Für einen gesunden Menschen ist eine Knochenmarkspende überhaupt nichts Schlimmes.“

Information

Typisierungsaktion: An diesem Sonntag, 26. Juli, findet von 10 bis 15 Uhr eine Typisierungsaktion für die zwölfjährige Rinah aus Aschheim statt. Die Schülerin ist an Blutkrebs erkrankt. Ort der Aktion: Feststadl Aschheim, Eichendorffstraße 10; Teilnehmen an der Aktion dürfen Personen zwischen 18 und 55 Jahren.

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Armin Rösl

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