Die Hirnschale des Heiligen Sebastian. Foto: sro

Kommando zurück: Hirnschale wird doch nicht angefräst

Ebersberg/Haisterkirch - Die Hirnschale des Sebastian ist den Ebersbergern heilig. Seit bekannt wurde, dass von der Reliquie ein Stück abgefräst werden soll für eine schwäbische Gemeinde, schlagen die Wellen hoch. Jetzt gibt das Erzbistum Entwarnung.

In einer silbernen Büste ruht in der Ebersberger Stadtpfarrkirche eine kostbare Reliquie: die Hirnschale des Heiligen Sebastian, die seit dem Jahr 931 in Ebersberg gehütet wird. Seit einer Woche aber ist es vorbei mit der himmlischen Ruhe. Die Nachricht, dass ein Chirurg am 15. Januar in einer feierlichen Zeremonie mit einer Fräse ein kleines Stück des Schädelfragments abtrennen werde, damit dieses Stückchen als Reliquie der schwäbischen Pfarrgemeinde Haisterkirch im Bistum Rottenbuch-Stuttgart geschenkt wird, löste einen heftigen Wirbel in Ebersberg aus.

Doch nun heißt es „Kommando zurück“: Das Schädelfragment bleibt komplett, die Haisterkircher bekommen stattdessen eine Berührungsreliquie. Laut Bernhard Kellner, Pressesprecher des Erzbistums München und Freising, wird am kommenden Freitag, 4. Dezember, der Diözesanarchivar und Diakon Peter Pfister die Berührungsreliquie erstellen. „Er bringt ein Stück Seidenstoff mit der Hirnschale in Verbindung. Der Stoff wird dann gefasst und bestickt und am 15. Januar in einer würdigen Andacht versiegelt und übergeben“, erläuterte Kellner. Doch warum diese Kehrtwende?

Die Mitglieder der Ebersberger Sebastians-Bruderschaft waren empört, als sie von den Plänen zur Reliquienentnahme hörten. Kreisheimatpfleger Markus Krammer sprach gar von einem brachialen Akt. Symbolisch käme dies „fast einem zweiten Martyrium des Heiligen Sebastian gleich“. Ihn schüttelte allein der Gedanke, dass die Reliquie mit einer Knochenfräse bearbeitet werden soll.

Doch die Aufregung in Ebersberg sei nicht der Grund für die Änderung der Pläne, versichert Kellner. Das Reliquiar (das Aufbewahrungsgefäß), das der frühere Pfarrer von Haisterkirch, Theo Tallerfuß, gekauft hatte, ist nach Ansicht von Offizial Wolf „nicht angemessen“. Der Widerstand in Ebersberg habe keine Rolle gespielt: „Das schreckt uns nicht“, betonte Kellner. Es habe nie ein Ausverkauf der Reliquie gedroht. Warnungen in diese Richtung seien vollkommen überzogen. Es sei lediglich darum gegangen, den Gläubigen in Haisterkirch zu helfen, die jedes Jahr am 20. Januar eine große Sebastianswallfahrt feiern - und denen ihre Reliquie gestohlen worden war.

In Bad Waldsee, wo der zuständige Pfarrer für Haisterkirch lebt, hatte man keine Ahnung von dem Wirbel. Pfarrer Richard Schitterer ist erst seit Mai für Haisterkirch zuständig. Die Reliquie sollte das Abschiedsgeschenk des früheren Pfarrers an seine Gemeinde sein. Der Ruhestandsgeistliche hatte auch das Reliquiar, eine einfache Monstranz, besorgt.

Noch weiß der kranke Ruhestandsgeistliche nichts von der neuen Entwicklung, Pfarrer Schitterer muss es ihm erst behutsam verkünden. Die Pfarrgemeinde selber ist in dieser Frage gespalten. „Eine leichte Mehrheit im Pfarrgemeinderat ist der Meinung, dass wir nicht unbedingt eine Reliquie brauchen“, sagt Pfarrer Schitterer vorsichtig. „Wir wollen da keinen Glaubenskrieg.“ Und das Fest am 20. Januar werde so oder so groß gefeiert. Nun muss er herausfinden, ob denn sein Vorgänger auch mit einer Berührungsreliquie zufrieden ist.

Mehr als zufrieden ist indes Kreisheimatpfleger Krammer: „Das ist eine positive Entscheidung, die von mir voll und ganz unterstützt wird.“ Er komme viel herum und gerade in der bäuerlichen Bevölkerung sei man über den Plan entrüstet gewesen.

Der Ebersberger Pfarrer und Dekan Josef Riedl zeigte sich gestern auf Nachfrage ein wenig erleichtert: „Der Grund der momentanen Aufregung ist weg.“ Und das kurz vor Beginn der Adventszeit. Allerdings: Von der Sache her hält er die Aufregung weiterhin für unangebracht. „Wenn es wirklich zur Entnahme gekommen wäre, hätten wir in Ebersberg auch weitgehend einen Konsens dafür erreicht“, ist der Pfarrer überzeugt. Die Heiligen seien die Schätze der ganzen Kirche.

Claudia Möllers

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