1. Startseite
  2. Lokales
  3. Ebersberg

Kriegsspiele auf Staatsgrund

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Jede Menge Munition liegt auf dem Gelände.

Poing - Auf hochamtlichem Gebiet haben Unbekannte Kriegsspiele veranstaltet. Auf einer Fläche bei Grub, das der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) gehört, wird mit Softair-Waffen geballert - die Teilnehmer verstecken sich in staatlichen Versuchsfeldern.

Das haben die Kinder im Wald und auf der Wiese nicht erwartet: Überall liegen gelbe und weiße Plastikkugeln mit herum: im Wald, auf der Wiese, sogar der Boden des Jäger-Hochstandes ist übersät mit den Kügelchen. Helmut Hintereder, Leiter der Polizeiinspektion Poing, will sich nicht hundertprozentig festlegen, aber es handelt sich wohl um Softair-Munition, vermutet er. Die hohe Zahl der Kugeln lässt darauf schließen, dass hier entweder einmalig ein großer „Kampf“ stattgefunden hat, oder dass sich hier, im Gruber Hölzl zwischen Parsdorf und Grub, zwischen A 94 und S-Bahnlinie, öfters Personen zum Kriegsspiel treffen.

Die Kinder waren eigentlich gekommen, um hier im Wald und auf der Lichtung eine Woche lang im „Dschungelcamp“ die Natur zu erkunden. So lautete der Titel der Ferienbetreuung, die der Verein Kinderland Poing angeboten hat.

Der Start war alles andere als schön. Als die Kinder mit ihren drei Betreuerinnen frühmorgens zur Lichtung kamen, entdeckten sie, dass das sechs mal sechs Meter große Zelt, das die Organisatoren am Vorabend aufgebaut hatten, weg ist. Gestohlen. Dann bemerkten sie die vielen gelben und weißen Kügelchen. „Wir haben die erstmal gesammelt und aufgeräumt“, erzählt Betreuerin Miriam Pech. Nachdem sie eine 0,5-Liter-Flasche gefüllt hatten, hatten die Mädchen und Buben im Grundschulalter genug. Hätten sie sich ausschließlich mit dem Aufräumen beschäftigt, wären vermutlich die kompletten Sommerferien draufgegangen.

Herbert Matzner, der Vorsitzende des Kinderlandes Poing, arbeitet bei der staatlichen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), der das Gelände gehört. Auf der Lichtung befinden sich mehrere kleine Versuchsfelder für den Pflanzenanbau, vor einigen Jahren hat die LfL hier in der Nähe Genmais angebaut.

Die LfL hatte dem Verein erlaubt, auf der Lichtung für eine Woche das „Dschungelcamp“ für Ferienkinder einzurichten. Als die auf dem von außen nicht einsehbarem Areal eintrafen, stellten sie fest, dass hier schon andere einmal „Camp“ gespielt haben. Im Wald ist aus Ästen und Zweigen ein Unterschlupf aufgebaut, neben der Softair-Munition liegen leere Getränkeflaschen und -dosen verstreut herum.

Die schönsten Baby-Fotos aus dem Landkreis Ebersberg

foto

Die Pressestelle der LfL in Freising weiß nichts von illegalen Kriegsspielen auf ihrem Grundstück. Die Polizei hat in den vergangenen Tagen mehrmals das Areal kontrolliert, aber bislang niemanden angetroffen, wie Helmut Hintereder berichtet.

Rein rechtlich ist das Tragen und die Benutzung von Softair-Waffen und das Verschießen der entsprechenden Munition in der Öffentlichkeit nicht erlaubt. Es handelt sich um so genannte „Anscheinwaffen“, Nachbildungen echter Schusswaffen. Wer von Softair-Kugeln getroffen wird, kann oberflächige Verletzungen erleiden.

Mit Waffen oder Kriegsspielchen hatten die Ferienkinder natürlich nichts am Hut. Sie bastelten teilweise aus Naturmaterial „Regenmacher“ und Trommeln. Und Düsenjets aus Papier.

Von Armin Rösl

Auch interessant

Kommentare