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Kriegswaffen in Grafing

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Privatbesitz verboten: das Maschinengewehr, mit dem die Bundeswehrsoldaten üben. Ein Grafinger hat sich nicht an das Kriegswaffenverbot gehalten.
Privatbesitz verboten: das Maschinengewehr, mit dem die Bundeswehrsoldaten üben. Ein Grafinger hat sich nicht an das Kriegswaffenverbot gehalten.

Grafing - Bei einem Grafinger wurden Maschinengewehrteile sichergestellt. Vorwurf: unerlaubter Besitz von Kriegswaffen. Mindeststrafe: ein Jahr. Der Grund der Hausdurchsuchung: ein Racheakt, so der Angeklagte.

Das Strafverfahren gegen den Grafinger Daniel Müssig (Name geändert) hörte sich teilweise wie eine Wehrkundetagung an. Von Munition, „die eine vernünftige panzerbrechende Wirkung“ habe, war vor dem Ebersberger Amtsgericht die Rede, von Sturmgewehren, und von Waffen, die zum Einsatz „gegen die Rotarmisten in Russland“ taugen. Vor allem ging es aber um Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Bei einer Haussuchung fanden sich zwei Maschinengewehrläufe, Maschinengewehrteile sowie pyrotechnische Gegenstände der Bundeswehr, die in den Händen von Privatpersonen nichts zu suchen haben, sondern ausschließlich militärischen Zwecken dienen - strafbar als unerlaubter Besitz von Kriegswaffen. Der ehemalige Bundeswehrausbilder leugnete den Besitz nicht - und bei einigen sichergestellten Teilen sah er seinen Verstoß ein. Bei anderen nicht: „Ich repariere auch Waffen. Und ich habe eine Vielzahl von Ersatzteilen.“ Er habe das Maschinengewehr MG3 nicht zusammengebaut, erklärte er, und solange es nicht zusammengebaut sei, dürfe er die Teile besitzen. Dieser Sicht widersprachen Amtsrichter Otto Kick und seine beiden Schöffen, nachdem sie die Ausführungen eines Experten des Landeskriminalamtes gehört hatten.

Müssig machte keinen Hehl aus seiner Waffenliebe, und es bestand zu keinem Zeitpunkt der Verdacht, dass er die Absicht hege, die verbotenen Gewehre einzusetzen. Zur Hausdurchsuchung ist es nur durch den Freund von Müssigs Tochter gekommen. Müssig soll dem Mann einen Revolver vor die Brust gehalten haben. Laut Anklage soll der Grafinger daraufhin gesagt haben: „Wenn du meiner Tochter was antust, weißt du was passiert.“ Der Angeklagte bestritt dies. „Ich habe nie gedroht“, sagte er. Müssig kann sich die Anschuldigungen nur als „Racheakt“ erklären. Vor Gericht wurde die angebliche Bedrohung nicht weiter erörtert. Der Besitz der Kriegswaffen jedoch schon.

Das Gericht verurteilte ihn schließlich zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung, Bewährungszeit drei Jahre. Zudem muss Müssig 1500 Euro an die „Brücke Ebersberg“ bezahlen.

Von Stefan Sessler

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