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„Wir wollen den Wiflingern nichts Böses“: Isabella Speckmaier und Raffael Scherer freuen sich auf das Theaterprojekt „Wilfing“.

Krimistück soll wieder Leben in den Nachbarort bringen

Wifling – doch nicht so tot

Markt Schwaben/Wifling – „Hier ist es noch töter als auf dem Zentralfriedhof von Chicago“ – so unterhalten sich Jugendliche über Orte, an denen sprichwörtlich der Hund begraben ist.

Aus Markt Schwabener Sicht hat dieser US-Gottesacker ein lokales Pendant. Um etwa zu beschreiben, wo absolut nichts los ist, muss bei jungen Leuten aus Markt Schwaben immer mal wieder der Wörther Ortsteil Wifling herhalten.

Früher, sagt Raffael Scherer, sei da ja noch eine Gaststätte gewesen und eine Brauerei, jetzt nur noch eine Bahnlinie, eine Autowerkstatt und ein Metzger. Das ist natürlich arg übertrieben, aber eben Jugend-Denke.

Dabei hat der 24-Jährige eigentlich eine besondere Beziehung zu Wifling. Als Kind war er oft am dortigen Weiher. Sein Onkel Hans Scherer ist dort seit langer Zeit bei der Wasserwacht aktiv.

„Alle sagen immer, in Wifling passiert nichts“, erzählt der junge Poinger. Inzwischen hat er einen Bachelor-Abschluss als Filmregisseur und nennt sich freischaffender Filmemacher und Drehbuchautor.

Um also etwas mehr Leben nach Wifling zu bringen, lag es nahe, dort was Besonderes passieren zu lassen. Für den Drehbuchexperten hieß das, Städter und Landmenschen so richtig zusammenkrachen zu lassen.

Zum Beispiel in der Lebensgeschichte des jungen Gerhard, der in Wifling aufwächst und in der Stadt sein berufliches Glück als Kunststudent sucht. Doch dann stirbt der Vater. Gerhard erbt das Wirtshaus und möchte daraus ein Atelier machen. Im Dorf aber hat man andere Pläne. Der Metzger wünscht sich weiter eine Gaststätte, um seine Waren verkaufen zu können. Die Bürgermeisterin träumt von einem Gymnasium. Die Polizistin verdächtigt den Studenten, seinen Vater ermordet zu haben. Und einen zweiten Toten gibt es auch noch. Also endlich mal was los in Wifling, möchte man meinen.

„Wir haben natürlich darauf geachtet, dass keine Parallelen zu lebenden, realen Personen entstehen“, sagt Scherer. Der Rathausboss ist daher ganz bewusst eine Frau. Lediglich beim Metzger könne man eine gewisse Nähe unterstellen, räumt Scherer ein. Um dem vorzubeugen, hatte der Theaterverein Markt Schwaben den real existierenden Metzger aus Wifling, Phillipp Gantner, kurzerhand zu den Proben eingeladen. So konnte der sich ein Bild davon machen, dass Scherers schwarze Komödie eine letztlich humorvolle Aufarbeitung eines ganz ungewöhnlichen Kriminalfalls sein wird.

„Wir wollen den Wiflingern nichts Böses“, versichert Scherer – im Gegenteil. Am Ende soll jedenfalls die Botschaft herauskommen, dass es sich auf dem Land auch ganz gut leben lässt und dass die Menschen dort wissen, was sie tun.

Damit auch möglichst viele Wiflinger live mitbekommen, was man sich im nahen Markt Schwaben so alles über ihren Ort ausgedacht hat, wurde diesmal intensiv auch im Landkreis Erding plakatiert. Eine der Aufgaben, die Isabella Speckmaier erledigte. Die 26-jährige Forstinningerin ist zugleich Regieassistentin. Und auch sie ist Theaterwissenschaftlerin mit Bachelor-Abschluss.

Was übrigens mit Blick auf den Theaterverein Markt Schwaben schon fast keine Besonderheit mehr ist. Neben Speckmaier und Scherer gibt es mit Daniel Adolf einen weiteren jungen Mann aus dem Dunstkreis des Vereins, der sein Hobby, die Schauspielerei, zum Beruf gemacht hat oder machen will. Der Poinger ist zurzeit Student an der Schauspielschule Berlin. Und Co-Autor Matt Neugebauer hat ebenfalls eine Schauspielausbildung, arbeitet aber gegenwärtig als pädagogische Kraft in einem Hort.

„Wifling“ ist Scherers zweites Theaterwerk. Mit „Diesel, 1,50 Mark“ hatte er im vergangenen Jahr als Autor Premiere. „Das war aber noch mehr Klamauk als jetzt“, sagt er selber.

Übrigens: Der junge Poinger ist sich sicher, nach den vier Aufführungen in diesen Tagen guten Gewissens immer wieder nach Wifling zurückkehren zu können. Der nächste Termin steht schon fest. Es ist seit Jahrzehnten Tradition in seiner Familie, dass man am 2. Weihnachtstag, wenn auch nur für Sekunden, in Badebekleidung in den Weiher springt. So langweilig kann Wifling also doch nicht sein.

Tickets und Termine:

Vier Aufführungen stehen in der Theaterhalle im Burgerfeld Markt Schwaben an. Premiere ist am Freitag, 26. Oktober. Gespielt wird zudem, am 27. Oktober sowie am 2. und 3. November, jeweils ab 20 Uhr. Die Tickets kosten 11 Euro. Es gibt sie im Vorverkauf noch am heutigen Mittwoch von 16 bis 18 Uhr im Büro am Schlossplatz in Markt Schwaben, unter Tel. (0 81 21) 22 4 22 oder online auf www.theater-marktschwaben.de.

Jörg Domke

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