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Große Ziele: Kristina Berger hat dieses Jahr die World Games im Visier.

Shooting-Star aus Zufall

Ebersbergerin ist erfolgreich im Bogensport

Ebersberg - Sie ist eine imposante Erscheinung. Sie sticht heraus. Denn Kristina Berger aus Ebersberg ist groß. 1,90 Meter, um genau zu sein. In der Bogensportszene ist sie zu einer festen Größe gereift. Und das innerhalb von nur drei Jahren.

Kristina Berger, 24 Jahre jung, ist das, was man einen Shooting-Star nennt. In Australien bekam sie 2009 ihren ersten Bogen geschenkt, seitdem ist sie ihm verfallen. 2011 schoss sie Weltrekord (353 Ringe), 2012 durfte sie erstmals international ran. Ihre Bilanz seitdem: Deutsche Meisterin, Studenten-Weltmeisterin, Doppel-Europameisterin, Nummer drei der Weltrangliste. Und das soll erst der Anfang gewesen sein.

Die Gene sind nicht alleine an ihrer (sportlichen) Größe schuld. Ihrem Bruder eiferte sie früh als Pistolenschützin nach. Erfolgreich. Vier deutsche Meistertitel im Einzel und mit der Mannschaft (2002 bis 2004) zeugen davon.

Berger absolvierte eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin. Nicht gerade ihr Lieblingsberuf, aber eine Laufbahn als Polizistin war ihr verwehrt geblieben. „Ich bin zweimal durch die Sport-Aufnahmeprüfung gefallen“, erinnert sie sich. Ein Aufenthalt in Down Under stellte die Weichen. Gepackt vom Jagdfieber („dort ganz normal“), ging sie mit Großkaliberwaffen auf die Pirsch. „Irgendwann hat mir dann jemand einen uralten Compound-Bogen in die Hand gedrückt“, so Berger. Mit dem schoss sie – vielfach belächelt – in Deutschland ihre ersten Turniere. Mit der Heiterkeit der Konkurrenz war es schnell vorbei. Eineinhalb Jahre später war Berger Weltrekordlerin.

Seitdem tritt die Traunsteinerin für die BSG Ebersberg an, auch international. Was sonst nur über fleißiges Punkten bei Ranglistenturnier möglich ist, schaffte Kristina Berger via Ausnahmeregelung: die Teilnahme am Weltcup in Antalya. Rund zwei Jahre, nachdem sie ihren ersten Pfeil abgeschossen hatte, mischte sie die etablierte Konkurrenz auf. Einzig die Nummer eins der Weltrangliste, Albina Loginowa (Russland), war als Gegnerin zu stark. Auch weil Berger die Nerven im Finale einen Streich spielten und sie einen Schuss „total versemmelte“.

Die Aufregung vor den großen Namen des Bogensports hat sich seitdem gelegt. Aus dem Nobody ist in wenigen Monaten eine viel beachtete Größe des Bogensports geworden. Vergangene Woche durfte sich die 24-Jährige sogar ins Goldene Buch der Stadt Ebersberg eintragen. Eine Ehrung, die sie wie andere Auszeichnungen nur eher widerwillig entgegen nimmt. „Dabei fühle selbst ich mich immer sehr, sehr klein.“ Außerdem sei sie schüchtern. Was bei der Formulierung ihrer Ziele für 2013 nicht wirklich zum Tragen kommt. „Ich will mich verbessern, stabiler werden.“ Platz eins bei den Compoundfrauen in Angriff zu nehmen, sei zwar nicht vorrangig, „aber ich hätte nichts dagegen“.

Während im Sommer jede freie Minute zum Training genutzt wird und bis zu 200 Pfeile den Weg ins Gold finden, fährt Berger im Winter auf Sparflamme. Allerdings eher unfreiwillig. Auch wenn sie ihrem Sport in der Halle nicht viel abgewinnen kann, sie findet einfach keine Möglichkeit, dort regelmäßig trainieren zu können. „Bei Sporthallen anfragen? Das kann man knicken.“ Dennoch sieht sie die Chance für ihr Vorhaben positiv: „Ich will nicht als Quereinsteigerin dastehen, die schnell hochgekommen ist und dann ebenso schnell wieder in der Versenkung verschwindet.“

Ein Spitzenplatz bei den diesjährigen World Games schwebt ihr vor. Olympia kommt für sie nicht in Frage – Compound-Bogen ist nicht olympisch. Deshalb zu den Recurve-Schützen zu wechseln und mit dem Kampf um Medaillen auch die Aussicht auf finanzielle Einnahmen zu erhöhen, zieht Berger nicht in Betracht. „Ich bleibe bei dem, was mir Spaß macht.“

Von Wolfgang Herfort

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