Gutmütig und äußerst produktiv: Mit dem Tod des Zuchtbullen „Waldbrand“ ist eine regelrechte Fleckvieh-Ära zu Ende gegangen.

Eine Fleckvieh-Ära endet

Kult-Bulle ist tot: „Waldbrand“ hat 150.000 Töchter

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Muskulös, stattlich, männlich und ein braver Kerl: „Waldbrand“. Der Superbulle der Bayern-Genetik GmbH in Grub (Kreis Ebersberg) galt bei Züchtern und Landwirten als Legende. Kurz vor seinem elften Geburtstag ist er gestorben. Der erfolgreiche Bayer hinterlässt rund 150.000 Töchter und 63 Söhne.

Grub - Bei seinem letzten offiziellen Auftritt im Herbst 2016 sah „Waldbrand“ zum ersten Mal drei seiner Töchter. Erkannt hat er sie zwar nicht, wer die jeweilige Mutter ist, weiß er auch nicht. Dennoch war es ein besonderer Moment, erinnert sich Thomas Grupp (58): „Es kommt ganz selten vor, dass ein Zuchtbulle mit seinen Nachfahren zusammengebracht wird.“ Weil die Samen in Portionen weltweit verkauft werden. Beim Zentralen Landwirtschaftsfest im Rahmen des Münchner Oktoberfestes hatte die Bayern-Genetik GmbH einmal mehr ihren Vorzeigebullen präsentiert. „Waldbrand“ war das Rampenlicht gewöhnt, im Laufe seines Lebens wurde er oft Züchtern und Landwirten aus dem In- und Ausland vorgestellt.

Aus und vorbei: „Mit dem Tod von Waldbrand geht eine Fleckvieh-Ära zu Ende. Eine Legende ist abgetreten“, sagt Grupp, Geschäftsführer der Bayern-Genetik GmbH (ehemals Besamungsstation) in Grub, über den Tod des Superbullen, der jetzt, kurz vor dem elften Geburtstag, gestorben ist. Geboren und aufgezogen wurde er von Georg Schöndorfer in Piding (Kreis Berchtesgadener Land).

Thomas Grupp

In seiner leistungsstärksten Zeit, im Alter zwischen sechs und acht Jahren, schaffte „Waldbrand“ 500 Portionen Samen pro Sprung, berichtet Grupp. Zwei Mal die Woche. Macht 1000 Portionen zum Stückpreis von 15 Euro (inklusive Mehrwertsteuer). „Seine Nachkommen stehen weltweit in der Rein- und Kreuzungszucht und bescheren ihren Besitzern nicht nur eine gute Milchleistung und hohe Wirtschaftlichkeit, sondern bestechen durch Schönheit, Gesundheit und hohe Fitness-Werte“, heißt es in der Pressemitteilung, die die Bayern-Genetik unter der Betreffzeile „Nachruf Waldbrand“ per E-Mail verschickt hat. Weiter: „Waldbrand hat die Fleckvieh-Population nachhaltig geprägt.“ Aber hallo! Geschäftsführer Grupp schätzt, dass es weltweit etwa 150 000 Töchter des Zuchtbullen gibt. Außerdem nachgewiesene 63 Söhne. Die wiederum selbst im Einsatz sind und Nachfahren produzieren.

Absolute Zucht-Topspitze aber war ihr Vater. Warum, erklärt Thomas Grupp mit dem „bayerischem Fleckmatismus“. Der Bulle habe nicht nur ausgezeichnete Werte gehabt, sondern auch ein exzellentes Verhalten. „Den hätte auch ein Kind führen können.“ Trotz seiner gut 1300 Kilogramm. Sein bayerisch-gemütliches Wesen habe er weitergegeben: „Die Kühe erfreuen den Bauern, weil sie nicht nur gut sind, sondern auch schön. Und brav beim Melken, sie schlagen und drangsalieren nicht.“ Gestorben ist „Waldbrand“ altersbedingt, zuletzt litt er an Arthrose. „Wird ein Zuchtbulle 15 Jahre, dann ist das schon ein biblisches Alter“, betont Grupp.

Der Kult-Bulle genoss seinen Lebensabend in Grub, wo 100 Zuchtbullen stationiert sind. Grill-Steaks werden aus „Waldbrand“ nicht gemacht. „Er wird der Wissenschaft zur Verfügung gestellt“, sagt der Geschäftsführer von Bayern-Genetik, der quasi Adoptivvater von allen Zuchtbullen ist.

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