Kommunen sprechen von einem „schlechten Witz“

Lärmschutz im Landkreis Ebersberg droht Verspätung

Was haben die Gemeinden Vaterstetten, Zorneding, Kirchseeon, Aßling und Grafing gemeinsam? Sie alle halten die bisherigen Lärmschutzbemühungen der DB Netze AG bzw. deren Angebot auf verbessernde Maßnahmen für absolut unzureichend – manche sogar für einen schlechten Witz.

Landkreis – Die Enttäuschung über die Stellungnahmen der Bahn zum künftigen Lärmschutz an der Zulaufstrecke zum Brennerbasis-Tunnel, zieht sich damit quer durch den Landkreis Ebersberg.

Die Stadt Grafing hat derzeit die aktuellste Information der DB Netze erhalten. Sie stammt vom Donnerstag vergangener Woche. Vorab wird den Stadträten darin eine „Beruhigungspille“ verabreicht. „Die DB Netz AG ist sich den Befürchtungen, prognostizierter Verkehrszuwachs führe zu einer deutlichen Lärmmehrbelastung, sehr bewusst“, heißt es eingangs eines Schreibens an Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne). Aber: „Auf ihre Forderung, Lärmschutzmaßnahmen gemäß heutiger Neubaustandards zu errichten, kann sich die DB Netz AG nicht positionieren“, wird unter Hinweis auf das Bundesimmissionsschutzgesetz mitgeteilt. Im Hintergrund steht dabei die Frage der Kostenverteilung und ob es Förderungen vom Bund dafür gibt. Ein Neubaustandard würde aber den größten Schutz der Bevölkerung bedeuten.

„Wir brauchen Unterstützung im Bundestag, ohne die geht es nicht“, sagt Obermayr. Der Frauenneuhartinger Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz (CSU) hat sich bereits festgelegt. Er erhob öffentlich die Forderung nach der Errichtung von Lärmschutzmaßnahmen gemäß heutiger Neubaustandards auf der Bestandsstrecke. Danach sieht es bei Betrachtung der derzeitigen Faktenlage aber nicht gerade aus. Alternativ wird von der Bahn auf „innovative farbige Schienenstegdämpfer“ verwiesen, die in allen Ortslagen zwischen München und Kiefersfelden eingebaut werden sollen.

Grünes Licht gibt es in Grafing jedoch auch für andere Dinge: Geplant ist eine „Schallschutzwand mit drei Metern Höhe und 400 Metern Länge im Bereich etwa 60 Meter nordwestlich vom Lehelweg 1 und St. Martins-Weg 8 westlich der Bahnstrecke“ sowie „eine Schallschutzwand mit zwei Metern Höhe und 260 Metern Länge im Bereich etwa 20 Meter nordwestlich vom Elkofener Weg 4 und Elkofener Weg 20 östlich der Bahnstrecke.“

Was den weiteren Einbau von Schienenstegdämpfern auf einer Länge von 2,7 Kilometern betrifft, müssen sich die Vaterstettener und Zornedinger weiter gedulden, weil dort für das 4. Quartal 2019 eine „Oberbaumaßnahme“ geplant ist. Die neuen Dämpfer werden erst im Zuge dieses Eingriffs eingebaut, weil sie sonst für den Umbau gleich wieder rausgerissen werden müssten.

Vorsorglich weist die DB Netze AG darauf hin, dass für die Lärmschutzwände erst Baurecht geschaffen werden müsse – und das kann dauern. Selbst nach erfolgter Genehmigung und bei einem frühesten Baubeginn im Jahr 2021 würden sich die Baumaßnahmen „über mehrere Jahre verteilen“ – auch wegen der dafür notwendigen Sperrpausen. Der Brennerbasis-Tunnel ist laut Plan im Dezember 2025 fertig. Ob der Lärmschutz für die Bürger bis dahin auch fertig ist, ist deshalb fraglich.

Rubriklistenbild: © dpa / Oliver Berg

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