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Heinz Utschig (re.) von den Bayerischen Staatsforsten erklärt den Teilnehmern die nachhaltige Bewirtschaftung des Ebersberger Forstes. 

Exkursion in den Ebersberger Forst

Ein Wald mit vielen Aufgaben

Er ist Trinkwasserspeicher, grüne Lunge, Heimat vieler Tier- und Pflanzenarten und das Symbol schlechthin für den Landkreis Ebersberg: der Ebersberger Forst. Was er darüber hinaus noch alles ist, erfuhren jetzt die Teilnehmer einer interessanten Waldwanderung.

Landkreis– Rund 45 Naturfreunde folgten der Einladung des Landesbund für Vogelschutz (LBV) zu einer interessanten Exkursion in eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete ganz Deutschlands. LBV-Kreisvorstand Richard Straub begrüßte Heinz Utschig von den Bayerischen Staatsforsten, Wasserburg, der für die nachhaltige und naturnahe Waldpflege in der Region München verantwortlich ist. Der Referent führte die Teilnehmer entlang des Lehrpfades rund um die Ausflugsgaststätte Sauschütt im Ebersberger Forst. Mit großem Fachwissen und erkennbarer Leidenschaft schilderte Utschig die vielfältigen Probleme eines reinen Fichtenwaldes, der im Zuge des Klimawandels nach und nach durch Saat und Pflanzung von Laubbäumen in einen naturnahen und stabilen Mischwald umgebaut werden soll.

Die Besonderheit des Forstes ist der eingezäunte Wildpark, damit genießt der Waldbesucher ein natürliches Erleben von Wild, insbesondere Rot- und Schwarzwild. Von rund 9000 Hektar Wald sind 7600 Hektar Staatswald, der Rest ist Privatbesitz.

Der Forst ist nicht nur Holzlieferant, sondern auch wertvoller Trinkwasserspeicher, wirksamer Luftfilter und allseits beliebte Erholungsstätte.

„Wir sind ständig am Drehen an verschiedenen Stellschrauben des Waldes“ so der Fachmann. Der große Bestand an Fichten soll nach und nach durch Buchen, Tannen, Eichen, Kiefern, Birken und Pappeln ersetzt werden. Das Ziel ist ein strukturreicher und artenreicher Mischwald. „Die Gefahr durch Sturm, Waldbrand, Schneebruch und Insekten ist in strukturiert aufgebauten Mischwäldern geringer“, so der Referent.

Eine vorbildliche Waldbewirtschaftung kann nur langfristig realisiert werden. Das angestrebte Ziel wird wohl erst in 60 bis 100 Jahren erreicht sein. Es kommt dabei nur modernste Forsttechnik zum Einsatz, die sich an ökologischen Erfordernissen ausrichtet.

In diesem Zusammenhang erklärte Utschig auch die sog. „Rückegassen“, die dem normalen Wanderer gar nicht auffallen, aber für den Einsatz von Maschinen unabdingbar sind. Wichtig ist eine natürliche Waldverjüngung, die bevorzugt aus natürlicher Ansamung erfolgt. Kahlschläge sollen nicht mehr durchgeführt werden, es werden nur noch Bäume, die eine bestimmte „Zielstärke“ erreicht haben, „geerntet“.

600 000 Kubikmeter Holz wird pro Jahr aus dem Forst entfernt, das entspricht ca. zehn LKW-Ladungen pro Tag. Ein Drittel der Ernte fällt dem Borkenkäfer oder Windwurf zum Opfer.

Jährlich werden in die Bewirtschaftung des Forstes rund sechs bis sieben Millionen Euro investiert, während rund acht bis neun Millionen Euro erwirtschaftet werden. Eigentümer des Ebersberger Forstes ist der Bayerische Staat und damit der Bürger. Für ihn war die Exkursion der Vogelschützer ein sehr lehrreicher Ausflug.

Von Otto Hartl

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