Eine Karte mit den beiden Planungsabschnitten für den Brenner-Nordzulauf im Landkreis Ebersberg. Eingezeichnet ist die bestehende Trasse, die ausgebaut wird.
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Wird ausgebaut: Die bestehende Trasse durch den Landkreis Ebersberg genügt den Ansprüchen für den Brenner-Nordzulauf nicht. Zwei Planungsabschnitte des Großprojektes betreffen den Landkreis.

Sorge um die S-Bahn - und eine ganz neue Trasse

Brenner-Nordzulauf: So betrifft der Ausbau für die Mega-Zugtrasse den Landkreis Ebersberg

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Für den Ausbau des Nordzulaufs zum Brennerbasistunnel steigt die Bahn in die Bürgerbeteiligung ein. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass in den beiden Planungsabschnitten im Landkreis Ebersberg viel passieren muss.

Landkreis – Einmal quer durch den Kontinent, von Skandinavien bis zum Mittelmeer, entsteht eine Zugtrasse, die Europa näher zusammenbringen soll. Die Neubaustrecken sind laut dem Verkehrsministerium auf eine Mindestgeschwindigkeit von 200 km/h für Passagierzüge ausgelegt. Und bis zu 740 Meter lange Güterzüge sollen den Druck von überlasteten Straßen wie der Inntalautobahn nehmen. Ein spektakulärer Baustein dieses „Scan-Med-Korridors“ ist der Brenner-Basistunnel mit seinen acht Meter durchmessenden Tunnelröhren, der 2028 in Betrieb gehen soll. Und der Brenner wiederum braucht einen Zulauf von Norden her, von dem zwei Planungsabschnitte durch den Landkreis Ebersberg verlaufen.

Brenner-Nordzulauf Deutsche Bahn startet Dialogforen im Landkreis Ebersberg

Es rollt also einiges zu auf die Region. Was die Bürger umtreibt, vor deren Haustür diese transeuropäische Pulsader geplant ist, kristallisiert sich zusehends heraus. Die Deutsche Bahn hat Dialogforen gestartet, deren erste Protokolle nun vorliegen und die die Wünsche und Sorgen der Anlieger wiedergeben.

Brenner-Nordzulauf im Landkreis Ebersberg: Zwischen Trudering und Grafing sollen die bestehenden Gleise reichen

Zwischen Trudering und Grafing-Bahnhof will die Bahn, so auch die Aufgabenstellung vom Bund, mit den bestehenden Gleisen auskommen. Der Plan: Den Abstand zwischen den bestehenden Signalblöcken auf rund einen Kilometer verkürzen – so passen mehr Züge gleichzeitig auf den Streckenabschnitt.

Zwischen Grafing und Großkarolinenfeld verlangt das Projekt Brenner-Nordzulauf zwei neue Gleise

Von Grafing aus südwärts bis Großkarolinenfeld wird dagegen ein Neubau fällig: Zwei Gleise, die abseits der Personenbahnhöfe den überregionalen Passagier- und den Güterverkehr durchschleusen sollen. Letzterer werde laut Bahn etwa 80 Prozent des Zugaufkommens ausmachen. „Möglichst trassennah“ soll die Neubaustrecke Richtung Süden entstehen, sagt Franz Lindemair, der Bahnsprecher für die Großprojekte in Süddeutschland. Ausschließen könne er aber nicht, dass Planungshindernisse einen Schlenker weg von den bestehenden Gleisen und damit eine Neutrassierung durch bisher unverbautes Terrain bedingen.

Tempo 230 und bis zu 740 Meter lange Güterzüge

Beobachter gehen davon aus, dass es dazu ohnehin kommen wird: Für die 230 km/h Maximalgeschwindigkeit, die der Bundesverkehrswegeplan vorsieht, sei die existierende Strecke zu kurvig. Und für die maximale Steigung von 12,5 Promille (1,25 Prozent), Pflicht für Neubauten im Scan-Med-Korridor, zu hügelig.

Ende Juli fand zu jedem der beiden Planungsabschnitte ein erstes, nichtöffentliches Dialogforum zum Brenner-Nordzulauf im Landkreis Ebersberg statt, zu dem die Bahn Protokolle veröffentlicht hat – anonymisiert und in indirekter Rede. Die Teilnehmer sind Bürgermeister, einzelne engagierte Gemeindebürger, Vertreter von Interessengemeinschaften wie Pro Bahn, Bund Naturschutz oder Handelskammer.

Brenner-Nordzulauf: Anwohner im Kreis Ebersberg sorgen sich um den Lärmschutz und die S-Bahn

Zwischen Trudering und Grafing sind die beiden meistgenannten Sorgen laut Protokoll der Lärmschutz – und dass die durchrauschenden Züge mangels Kapazität auch auf die S-Bahn-Trasse ausweichen müssen. Ausweichend verhält sich derzeit die Bahn – der Konzern verweist darauf, dass das Verfahren ganz am Anfang stehe und man die entsprechenden Untersuchungen zu Lärmschutzbedarf und Trassenkapazität abwarte.

Für ausreichenden Lärmschutz wollen die Strecken-Anlieger im Landkreis Ebersberg kämpfen.

Bis tatsächlich gebaut wird, könnten ohnehin noch Jahrzehnte vergehen. 2028, gleichzeitig mit dem Brennerbasistunnel, soll laut Bahn immerhin das „European Train Control System“, kurz ETCS, auf der Zulaufstrecke in Betrieb gehen. Dieses europaweit standardisierte Zugbeeinflussungssystem soll einen engeren Zugtakt auf der Trasse ermöglichen.

Brenner-Nordzulauf: Im Jahr 2050 bis zu 558 Züge täglich zwischen Rosenheim und Kufstein

Auf Dauer reicht das aber wohl nicht: Eine Studie des Gutachterbüros „Trimode“ im Auftrag des Berliner Bundesverkehrsministeriums von 2018 geht für das Jahr 2050 von 258 bis 352 Zügen pro Tag zwischen Rosenheim und Kufstein aus – sogar von bis zu 558 Zügen, falls die vermehrte Güter-Verlagerung von der Straße auf die Schiene Erfolg hat. Der ETCS-Ausbau bringe auf dem Abschnitt eine Kapazität von 320 Zügen pro Tag. „Hieraus ergibt sich ein weiterer Ausbaubedarf bereits vor dem Jahr 2050“, heißt es in der Studie. Und der größte Teil dieses Verkehrs dürfte dann auch durch den Landkreis Ebersberg fließen.

Das kann dauern: Der Bundestag muss die Pläne der Deutschen Bahn für die Brenner-Strecke genehmigen

Vielleicht liegen ja dann zwischen Großkarolinenfeld und Grafing schon neue Gleise. 2022 soll aus den im Jahr zuvor erarbeiteten Trassenvarianten ausgewählt werden. Irgendwann nach 2023 muss auch noch der Bundestag die Pläne genehmigen. Die Dialogforen sollen nun einen Kriterienkatalog für die Trassenvarianten erarbeiten.

„Das ist schon ganz in Ordnung abgelaufen“

Florian Solfrank vom Grafinger „Arbeitskreis Bahnlärm“ über das Dialogforum mit der Deutschen Bahn.

Mit am Tisch des Dialogforums sitzt Florian Solfrank, Bautechniker und Sprecher vom Grafinger Arbeitskreis Bahnlärm“. „Das ist schon ganz in Ordnung abgelaufen“, berichtet er aus der ersten Diskussionsrunde. Viel zu sagen hat das Dialogforum aber seiner Einschätzung nach nicht. „Das Punktesystem macht die Bahn“, sagt Solfrank. Der Konzern wiederum sei an die Vorstellungen des Bundesverkehrsministeriums gebunden. „Die Rahmenbedingungen vom BMVI sind nicht diskutabel“, sagt Solfrank – heißt: Auch die Bahn könne nicht einfach planen, wie sie will.

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