1. Startseite
  2. Lokales
  3. Ebersberg

„Geöffneter Lockdown“: Bayerische Wirte wieder im Corona-Strudel - Reservierungen brechen weg

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Raffael Scherer

Kommentare

Unsicher: Viele Reservierungen fallen momentan Stornierungen zum Opfer.
Unsicher: Viele Reservierungen fallen momentan Stornierungen zum Opfer. © Marcus Brandt/picture alliance/dpa

Für die Gastronomen im Landkreis Ebersberg ist die Weihnachtsfeier-Saison ein wichtiges Geschäft. Die sprunghaft gestiegenen Corona-Zahlen sind da ein Schlag ins Kontor.

Landkreis – Vor zwei Wochen sah der Wirt Maximilian Mack dem Winter noch optimistisch entgegen: „Aber seit die 2G-Regel eingetreten ist, bleiben mir von den Weihnachtsfeiern gefühlt von 25 nur noch drei“, sagt der Inhaber des Gasthofs Purfinger Haberer (Gemeinde Vaterstetten). Erneut würden die meisten Betriebe Feierlichkeiten ausfallen lassen und lieber ab dem Frühjahr nachholen: Sommerfest statt Weihnachtsfeier.

Corona in Bayern: Gastronomie brechen Reservierungen weg - Kosten laufen weiter

„Sämtliche Feiern werden storniert“, klagt auch Elisabeth Kerschbaumer vom Hotel Gasthof Huber in Oberndorf bei Ebersberg. Egal ob Geburtstage, Versammlungen, Hochzeiten oder Weihnachtsfeiern – überall Absagen. „Ich sehe das momentan als geöffneten Lockdown: Die Kosten laufen weiter, die Einnahmen fehlen uns“, sagt sie.

Corona in Ebersberg: Gastwirt fürchtet Umsatzeinbußen von 50 Prozent

Das bestätigt auch Franz Schwaiger, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes im Landkreis (Dehoga) und Betreiber des gleichnamigen Hotel-Gasthofs in Glonn: Er befürchtet im Dezember etwa 50 Prozent weniger Umsatz als vor der Pandemie – nur dank fehlender Weihnachtsfeiern. „Das größte Problem ist die Angst der Leute“, sagt er. Die Firmen würden sich zu sehr vor Infektionen fürchten.

So war es auch bei René Tiefnig und seiner Oldies Bar in Poing: „Die Poinger Löwen haben ihre Feier abgesagt aus Sorge wegen der Inzidenzen. Jetzt Party zu machen, würde einfach ein zu schlechtes Bild abgeben“, so der Poinger. Alle anderen Feiern stünden bei ihm ebenso auf der Kippe.

„Sind nicht die Inzidenztreiber“: Gastronomen sehen Gefahr für Ansteckungen im Privaten

Dabei lauere die Corona-Infektionsgefahr dank eingehaltener Hygienemaßnahmen nicht in den Gaststätten, sondern im Privaten, darüber sind sich die Gastronomen einig: „Dadurch, dass wir eingeschränkt werden, gehen viele lieber zum Feiern in den privaten Bereich, wo nichts kontrolliert wird“, so Kerschbaumer. „Wir als Gastronomen sind nicht die Inzidenztreiber“, pflichtet ihr Mack bei.

Gerade die Sperrstunde ab 22 Uhr sei dabei zum Eindämmen des Infektionsgeschehens eher ungeeignet: „Wenn ein Fußballspiel um 21 Uhr beginnt, müssten zur zweiten Halbzeit alle heimgehen und da weiterschauen“, sagt Schwaiger. „Die fahren dann heim und trinken da noch zwei drei Halbe und dann kommt noch ein Spezl dazu“, befürchtet auch Mack. Und daheim denke keiner an Hygienemaßnahmen.

„Es ist eine Katastrophe“, beschreibt Kerschbaumer die derzeitigen politischen Maßnahmen. Während die kleineren Gaststätten penibel auf alles achten müssten, seien gleichzeitig 25 000 Zuschauer im Fußballstadion in Ordnung, kritisiert sie. „Da geht mir die Hutschnur über“, so die Geschäftsführerin. „Wir sind im Endeffekt ein Kontrollorgan vom Staat“, fasst auch Schwaiger die Einlasskontrollen in der Gastronomie zusammen.

Corona-Lage in Bayern: Gastronomen mit Kritik an Politik - „Eine Katastrophe“

Dazu kommen noch die ständig wechselnden Maßnahmen: „Ich schreibe in unser Reservierungsbuch nur noch mit Bleistift“, so Mack. Denn innerhalb eines Tages würden bei dem Purfinger ständig Reservierungen getätigt und storniert. „So einen Wechsel hatten wir noch nie“, sagt er.

Spürbar ist auch die Angst vor der kompletten Schließung: So hat Tiefnig in Poing bereits wieder einen Glühweinstand für das To-Go-Geschäft aufgebaut, samt Christbaumverkauf. Ebenso hätten Vereine dem Gasthof Purfinger Haberer wieder ihre Unterstützung zugesichert, sollte Mack wieder auf das Liefergeschäft umsteigen müssen.

Corona in Bayern: Betriebe bangen um ihre Angestellten

Obendrauf bangen die Betriebe um ihre Angestellten: „Von Juli bis September habe ich händeringend Mitarbeiter gesucht“, erinnert sich Schwaiger. Im Oktober war er endlich wieder voll besetzt: „Und jetzt müssen wir die Leute leider wieder ausstellen“, klagt der Glonner. „Das ist der größte Witz an der Sache.“ Mack versucht, seinen Mitarbeitern durchgehend das volle Gehalt zu bezahlen und hofft dabei auf die Einnahmen 2022. „Aber Kopf hoch, was anderes bleibt uns eh nicht übrig.“

Noch mehr Nachrichten aus der Region Ebersberg lesen Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Ebersberg-Newsletter.

Auch interessant

Kommentare