Die einen schimpfen, die anderen loben

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Landkreis Ebersberg - Das Tier polarisiert: Die einen schimpfen über ihn, andere loben ihn: Aber richtig egal ist der Biber niemandem im Landkreis Ebersberg mehr.

Wann im 19. Jahrhundert das letzte der Exemplare von Meister Bockert bei uns im Kreis in die Falle ging, lässt sich nicht mehr genau sagen. In Bayern aber musste der letzte Biber im Jahr 1867 sein Leben lassen. Dann war 100 Jahre Ruhe. Die Art war gründlich ausgerottet worden, vor allem wegen des Fells.

Naturschützer bürgerten 1966 den „Dammbauer“ an der Donau wieder ein. Und siehe da: Die Umweltbedingungen hatten sich nicht so verändert, dass der Biber kein Auskommen mehr gefunden hätte. Die Tiere, die sich an Ebrach, Attel, Urtel oder Sempt bei uns aufhalten, sind samt und sonders Nachkommen der ausgesetzten und wiedereingebürgerten Biber. Inzwischen soll es in Bayern bereits 17 000 Exemplare geben.

„Im Landkreis Ebersberg haben wir ihn flächendeckend an nahezu allen Fließgewässern“, berichtet Johann Taschner von der Unteren Naturschutzbehörde. Richtet das Tier mit den scharfen Nagezähnen einen Schaden an, kommt der Biberberater, zum Beispiel Norbert Probul von der Kreisbehörde. „Die Schäden halten sich aber in Grenzen“, so Taschner, der von einem jährlichen Betrag von 500 Euro ausgeht.

Auch der Bauernverband, der in anderen Landkreisen schon Klage führt über die zahlreichen Schäden der Nagetiere, hält die Situation im Landkreis Ebersberg für „entspannt“. Obmann Franz Lenz sagt: „Bei mir ist noch nichts aufgeschlagen.“ Die Situation in den Landkreisen Freising und Erding sei schlimmer.

„Der Nachbar hat es auch mit Humor genommen“, sagt Manfred Deprée aus Glonn. Er wohnt etwa 40 Meter hinter dem Zusammenlauf von Glonn und Kupferbach und teilt sein „Revier“, nämlich seinen Garten, mit einem fleißigen Biber, der dem Nachbarn einen Kirschbaum umgesäbelt hat. „Mir hat er einen Birnbaum umgeworfen“, sagt Deprée. Das ist jetzt zwar kein Grund für Jubelschreie, „aber wir müssen uns halt besser schützen“. Die Obstbäume bekommen eine Hose aus Hasendraht. „Meine Frau möchte statt des Birnbaums jetzt einen Kirschbaum“; und so wird die Gelegenheit zum „Fruchtwechsel“ genutzt.

Nicht alle Menschen im Landkreis begegnen dem Biber so freundlich. Taschner berichtet davon, dass im Sommer im Brucker Moos zwei tote Biber gefunden wurden, die Rattengift gefressen hatten. „Das hat eine Untersuchung der Kadaver in Oberschleißheim einwandfrei ergeben“, räumt er jeden Zweifel aus. Denn Biber haben ein sehr striktes Revierverhalten, und bei diesen Revierkämpfen kann es auch Tote geben.

Eine weitaus größere Gefahr ist für die Biber im Landkreis Ebersberg der Straßenverkehr. „Auf Höhe Pausmühle etwa“ fordert Taschner die Autofahrer zu erhöhter Vorsicht auf, nachdem hier schon mehrere Exemplare unter die Räder gekommen waren. Auch im Norden des Landkreises werden Biber totgefahren - und auch am Ebersberger Auslauf des Klostersees auf Höhe der ehemaligen Tankstelle wurden schon Tiere getötet, als sie über die Straße wollten. Taschner berichtet, dass „bislang noch keine Tötungserlaubnis“ hätte erteilt werden müssen. Und auch in dem Fall der Glonner Obstbäume weiß sich Manfred Deprée selbst zu helfen. Er hat einen niedrigen Weidezaun gespannt, damit der Biber nicht mehr allzu leicht über das kleine Treppchen von der Glonn auf das Gartengrundstück gelangen kann, ohne eine Erfahrung mit elektrischem Strom zu machen. Mal schauen, ob das was bringt.

Michael Seeholzer

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