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Wärmt – aber können Heizpilze der Gastronomie über den Winter helfen? Die Branche ist skeptisch. 

Ende der Biergartensaison

Wirte zittern vor dem Winter: Der Pilz ist nicht die Lösung

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Der Draußen-Faktor entscheidet im Corona-Sommer 2020 bei Gaststätten über Wohl und Wehe. Doch die Biergartensaison geht zu Ende - und die Wirte bangen erneut um ihr Geschäft.

Landkreis – Essen gehen und dabei drinnen sitzen – das ist vielen Gästen wegen des Ansteckungsrisikos derzeit zu riskant. Gesegnet ist da, wer als Wirt einen schönen Biergarten aufbieten kann. Doch mit den länger werdenden Schatten und der zunehmend früher einsetzenden Dämmerung verdüstern sich auch die Aussichten für jene Gastwirte, die sich nach dem Lockdown dank des Sommergeschäfts im Freien berappeln konnten.

„Das wird eine kritische Zeit“

Wie in Unterelkofen bei Grafing. Die Brüder Matthias und Johannes Krickhahn können dort mit rund 100 Sitzplätzen in ihrem schattigen Wirtsgarten an der Schlossgaststätte aufwarten –für den Sommer ideal, für den Herbst weniger. „Bei uns wird es schneller kalt als anderswo“, sagt Wirt Johannes Krickhahn über die Lage in der Senke am Schloss. Trotzdem werde der Biergarten solange offen bleiben, wie es irgendwie geht. Denn drinnen kann die historische Wirtschaft wegen der Hygienebeschränkungen höchstens 25 Sitzplätze anbieten – vorausgesetzt jeder Tisch ist mit fünf Besuchern auch ausgelastet. „Das wird eine kritische Zeit“, sagt der Wirt. „Keine Ahnung, wie das im Winter werden soll.“

Verein: Heizpilze könnten tausende Wirte vor der Pleite retten

Einen Vorschlag macht der Verein zum Erhalt der Bayerischen Wirtshauskultur: Heizpilze könnten tausende Gastronomen vor der Pleite retten. Dank ihrer sollen es die Gäste länger draußen aushalten, statt drinnen Angst vor Ansteckung zu haben. Die gasbetriebenen Heizstrahler gelten allerdings als CO2-Schleudern und Klimasünder. In Nürnberg ist ihre Nutzung deshalb ganz verboten, in München eingeschränkt –falls sich die Städte nicht zu einer coronabedingten Ausnahme durchringen können.

Im Landkreis Ebersberg gibt es laut Franz Schwaiger, dem Kreisvorsitzenden des Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA, keine Kommune mit derartigen Vorschriften. Johannes Krickhahn von der Schlossgaststätte hilft das aber nicht. Er kann draußen nur einen überdachten Tisch anbieten; wenn es regnet, bringt auch das Einheizen nichts. „Und übers Wetter darfst du dich nicht aufregen“, sagt der Wirt.

Hygienebestimmungen: Viele Gäste schauen genau hin

Zufrieden mit dem Sommer ist Andreas Mederer, Chef des „Sol de Mexico“ in Markt Schwaben. Das mexikanische Restaurant durfte sich mit dem Biergarten in eine Seitengasse und, dank gegenseitiger Kulanz, auf die Terrasse eines benachbarten Unternehmens ausbreiten. Trotz der Abstandsregeln sagt Mederer deshalb: „Wir haben keinen großen Verlust.“ Drinnen versucht der Wirt, den Gästen ein sicheres Gefühl zu geben: Disziplin bei der Maskenpflicht und den Abstandsregeln, befüllte Desinfektionsmittelspender, desinfizierte Speisekarten. „Die Leute registrieren das sehr genau“, sagt der Wirt.

Heizpilze: Den meisten zu teuer

Zufrieden ist der Wirt auch trotz aller Widrigkeiten mit der staatlichen Unterstützung durch Mehrwertsteuersenkung und Soforthilfe. „Die haben das eigentlich ganz gut gemacht“, findet er. Solange es keinen zweiten Lockdown gebe, werde der Winter schon glimpflich über die Bühne gehen. „Ich bin Optimist“, sagt Mederer. Skeptisch steht er aber dem Nutzen von Heizpilzen gegenüber. „Das kann man testen“, sagt der Markt Schwabener Gastronom. „Ich glaube aber nicht, dass das gut funktioniert und so angenommen wird, dass es sich rentiert.“ Und der DEHOGA-Kreischef Schwaiger ergänzt: „Das Gas ist zu teuer, das rechnet sich nicht.“

Auch Timo Thimnioulas, der das griechische Restaurant im Gemeindehaus der Gemeinde Baiern in Berganger betreibt, sieht den Vorschlag der selbst ernannten Wirtshauskultur-Retter skeptisch. Sein Biergarten ist quasi gleichzeitig der Dorfanger – aber Heizpilze kann der Grieche dort auch keine aufstellen, sagt er. „Wir haben diese Möglichkeit nicht.“

Eine finanzielle Säule sind private Feiern: „Wir hoffen, dass das erlaubt bleibt.“

Stattdessen sperrt Thimnioulas am Ende der Biergartensaison ab 21. September erst mal drei Wochen für den Jahresurlaub zu. „Für den Winter müssen wir dann ganz neu kalkulieren“, sagt er. Wir – damit ist die große Familie des Wirts gemeint, die anpackt, damit die Personalkosten nicht aus dem Ruder laufen. Immerhin: Die Gaststätte im Gemeindehaus hat zwei Säle für Feiern mit bis zu 60 Personen. „Wir hoffen, dass das erlaubt bleibt“, sagt der Wirt.

Die Nebenkosten laufen weiter, und die Gäste werden weniger: Diese Perspektive lässt viele Wirte im Landkreis schon zittern, bevor die Kälte kommt. Auf das Personal kommen Kurzarbeit oder gar der Kündigung zu. Auch wenn kein zweiter Lockdown nötig werden sollte, bleibt immerhin noch die vage Hoffnung auf staatliche Unterstützung. „Das wäre sinnvoll“, sagt Johannes Krickhahn, der Wirt von Unterelkofen. „Sofern dann überhaupt noch Geld da ist.“

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