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Irmgard Eham (VdK) warnt: Die Altersarmut steigt. 

Altersarmut

„Es hat etwas mit Würde zu tun“

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Viele Senioren wollen nicht zeigen, dass es ihnen schlecht geht. Sie sammeln zur Not Essen aus Mülleimern. Oder sie verzichten auf eine neue Brille, um dafür ihre eigene Beerdigung bezahlen zu können.

Diese Fälle gibt es. Irmgard Eham berichtet darüber. Sie ist seit 2002 Geschäftsführerin des Sozialverbandes VdK im Landkreis und warnt vor der Zukunft.

-Frau Eham, wir leben in einem reichen Land, trotzdem steigt die Armut gerade auch bei Älteren an. Ist das nicht paradox?

Ja, das ist es. Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer. Auch im reichen Landkreis Ebersberg ist das so. Es gibt Senioren, die sich keine neue Brille leisten können.

-Wie kann es dazu kommen?

Bei einem konkreten Fall, ist es so, dass eine ältere Frau wenig Rente bekommt. Sie lebt alleine und ist nicht verheiratet. Grundsicherung will sie nicht beantragen, weil sie ein wenig Geld gespart hat. Das würde dann angerechnet werden. Die Krux dabei ist, dass die Frau das Geld weiter sparen will, um ihre eigene Beerdigung zu bezahlen, um keine Schulden zu hinterlassen. So tickt die Generation.

-Und in solchen Fällen helfen Sie dann?

Wir sind auf die Frau aufmerksam geworden und haben einen Teil für eine neue Brille bezahlt. Orts- und Kreisverbände von uns können darüber abstimmen und schnell Geld zur Verfügung stellen. Meistens handelt es sich um kleine Beträge. Einen Teil musste die Frau selber bezahlen.

Lesen Sie auch unseren großen Bericht: Ab wann beginnt Armut?

-Hat das einen besonderen Grund?

Es hat etwas mit Würde zu tun, die wir den Menschen damit lassen wollen. Sie können sagen, ich habe einen Teil selber bezahlt.

-Das ist gerade für ältere Menschen sehr wichtig.

Genau. Es sind Menschen, die in der Nachkriegszeit aufgewachsen sind, alles aufgebaut haben. Sie mussten zusammenhalten und einen Teil zur Gesellschaft beitragen. Diese Menschen wollen heute zum Beispiel auch keine Schulden machen. Lieber verzichten sie auf Dinge. Das kann soweit gehen, dass sie sich nachts Essen aus Mülleimern holen. Die anderen Bürger bekommen von solchen Schicksalen oft nichts mit.

-Was, falls doch?

Dann wäre man oft in unserer Gesellschaft unten durch. Da ist es egal, was man früher einmal beruflich gemacht hat. Als Mensch wird dann keiner mehr gesehen, wenn er arm ist.

-Wie könnte das anders werden?

Wenn die Menschen mehr Anteil nehmen würden. Das fängt bei kleinen Dingen an: Beim Grüßen oder beim Helfen, wenn jemand eine schwere Einkaufstasche tragen muss. Sicherlich wären eine bessere Sozialpolitik, eine fairere Verteilung von Geld und höhere Renten der wohl wichtigste Schritt. Aber die Zukunft schaut nicht gut aus, die Renten bleiben gering.

-Wieso?

Altersarmut ist ein Zukunftsthema, sie wird noch wesentlich größer werden – auch bei uns im Landkreis.

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