Das Ebersberger Amtsgericht
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Zu einer Bewährungsstrafe wurde der 51-jährige Familienvater vor dem Ebersberger Amtsgericht verurteilt.

51-jähriger Angestellter einer namhafen Firma ist im Darknet unterwegs

Familienvater hortet Kinderpornos: Bewährungsstrafe

  • Robert Langer
    vonRobert Langer
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Ein 51-jähriger Familienvater aus dem westlichen Landkreis musste sich vor dem Amtsgericht wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften verantworten. Er wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Ebersberg – „Es tut mir leid“, sagte der Angeklagte vor dem Ebersberger Amtsgericht. „Es war ein großer Fehler. Ich stehe dafür gerade.“ Unter anderem wegen des Besitzes „kinderpornografischer Schriften“ verurteilte ihn Richter Markus Nikol zu einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Zudem muss er insgesamt 12 000 Euro Geldbuße an den Kinderschutzbund und den Verein Brücke zahlen. Der Betrag liegt höher als zuvor von der Staatsanwältin gefordert.

Über 1000 Dateien mit Bildern und Videos

Es geht um über 1000 Dateien mit Bildern und Videos auf der Festplatte eines Computers, die bei einer Durchsuchung Ende 2019 gefunden worden waren. Hinweise waren beim Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen im Zuge von Recherchen aufgetaucht. Dabei stießen die Ermittler über die IP-Adresse und den Internet-Provider auch auf den 51-jährigen Angeklagten aus dem westlichen Landkreis Ebersberg, verheiratet, Vater von drei Kindern, Mitarbeiter in einem großen Unternehmen. Der geständige Mann war im Darknet, einem weitgehend anonymen Teil des Internets unterwegs. Es gibt offenbar auch Hinweise, dass der 51-Jährige bereits 2012 dort aktiv war. „Es ist da wohl schon lange unterwegs“, so Richter Nikol.

Umfangreiche Recherchen im Darknet

Um das zu bewerkstelligen, müsse man umfangreiche Recherchen anstellen, erklärte ein Kriminalbeamter als Zeuge im Prozess. Ein zufälliges Ansurfen könne ausgeschlossen werden. Der Kriminalbeamte erklärte auch, der Angeklagte sei kooperativ gewesen und habe Passwörter herausgegeben. Das Verhalten des Beschuldigten bezeichnete der Beamte als „bemerkenswert“. Er habe bei der Polizei angerufen und gefragt, was er nun machen könne. Der 51-Jährige hat sich offenbar sehr schnell für eine Therapie entschieden und diese auch begonnen.

Er habe im Darknet konkret nach Gleichgesinnten gesucht, stellte die Staatsanwältin fest. „Das war keine bloße Neugierde oder zufällig.“ Hinter jedem dieser Kinderbilder stecke ein Missbrauch. Es gehe um eine Vielzahl schlimmer Bilder. Zugute hielt die Staatsanwältin dem Angeklagten, dass er kooperativ gewesen und nicht vorbestraft sei. Sie forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monate auf Bewährung sowie eine Geldauflage von 9000 Euro.

Verteidigerin: Er steht zu seinen Taten, er schämt sich

Der Angeklagte hatte sich zu zuvor gegenüber dem Gericht zu seiner persönlichen Vita geäußert. Ansonsten sprach seine Verteidigerin für ihn. „Er möchte reinen Tisch machen“, sagte sie. Dass er aufgeflogen sei, sei eine „kalte Dusche“ für ihn gewesen. Er sei über sich selbst entsetzt. Seine Taten seien ein schlimmes Fehlverhalten gewesen. „Es steht zu seine Taten. Er schämt sich sehr.“ Ihr Mandant habe auch mit seiner Ehefrau darüber gesprochen. Seine Frau sei ein Teil der Therapie, so die Anwältin. 50 Behandlungsstunden hat er bereits hinter sich.

Dass er die Therapie begonnen habe, sei ein Schritt in die richtige Richtung, so Richter Nicol. „Wer so etwas tut, ist krank und wer krank ist, braucht eine Therapie.“ Eine der Bewährungsauflagen ist, dass der 51-Jährige dem Gericht darüber regelmäßig berichtete. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Für den Angeklagten sprach unter anderem eine günstige Sozialprognose.

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