Es lässt sich aushalten für diese Haflinger auf einer Weide in Langwied bei Ebersberg. 60 Pferdepensionen gibt es im Landkreis.
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Es lässt sich aushalten für diese Haflinger auf einer Weide in Langwied bei Ebersberg. 60 Pferdepensionen gibt es im Landkreis.

Eine Region sattelt auf

Pferde-Landkreis Ebersberg: Hoch das Ross!

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Der Landkreis Ebersberg ist ein Pferdelandkreis – kaum ein Ort, in dem es keinen Reiterhof gibt. Vor allem Pferdepensionen boomen – und sind es nicht nur die reichen Städter, die aufs Pferd gekommen sind.

  • Im Landkreis Ebersberg gibt es 60 Pferdepensionsställe und noch einiges mehr rund ums Reiten.
  • Die Branche boomt, den Reiten ist Volkssport.
  • Der Schrankenscheiderhof zwischen Ebersberg und Steinhöring ist einer der Pioniere in der Offenstall-Haltung.

Landkreis – „Alles Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“, reimt der Volksmund, und glaubt man ihm, ist das Glück im Landkreis Ebersberg daheim. Denn Pferderücken gibt es hier genug. Wer mit offenen Augen über die Dörfer fährt, passiert gefühlt kaum einen Weiler, ohne dass es nicht von einer Koppel oder aus einem Stall wiehert oder Pferdehufe die angrenzenden Feldwege entlangklappern.

Das Ebersberger Land ist Pferdeland – dieser Eindruck täuscht nicht. Allein 60 Pferdepensionsställe zählt das Landratsamt im Landkreis, dazu ungezählte private Pferdehalter, die nur wenige eigene Pferde im Stall stehen haben. Die größten Pferdepensionen, Ställe, wo Pferdebesitzer ohne eigene Gebäude ihre Rösser gegen Entgelt unterbringen können, bringen 60 bis 80 Pferde unter.

Der Trend geht zum offenen Stall

An dieser Marke kratzt gerade so der Schrankenschneiderhof. Der Betrieb von Andrea und Toni Zeller liegt in den grünen Hügeln zwischen Ebersberg und Steinhöring. Vor genau 20 Jahren haben die Zellers von Milchviehhaltung auf Pferdehof umgesattelt. Das Paar steht auf dem ockerfarbenen, sandigen Paddock, einer Art Tummelplatz für die Pferde, wo die sich den ganzen Tag frei bewegen können. „Es war nicht geplant, dass das so groß wird“, sagt Andrea Zeller. Sie streichelt ihrem Islandpferd Rasmus über die Nüstern, das sich zutraulich an sie herangeschoben hat.

Von Beginn an sei der Betrieb als Offenstall konzipiert gewesen – die Pferde sind also nicht in Einzelboxen untergebracht wie Autos in der Garage, sondern dürfen sich auf dem Paddock Tag und Nacht frei bewegen. Unters Dach verkriechen sie sich eigentlich nur bei Schlechtwetter oder großer Hitze, sagt die Hofchefin. „Ein Pferd ist ein Bewegungstier“, ergänzt ihr Mann.

Die Fütterung steuert der Computer

Vor 20 Jahren waren die Zellers mit ihrem Konzept noch Exoten in der Gegend. „Heute boomt diese Haltungsform“, sagt Andrea Zeller. Neben ihr scharrt der braune Mischlingswallach Flynn sichtlich ungeduldig vor einer pferdehohen Pforte mit dem Huf. Computergesteuert schwingt die Tür auf, Flynn trottet hinein und an einen Futtertrog. Ein Sensor erkennt seinen Chip und die Anlage lässt eine festgelegte Menge Futter in den Trog rieseln. So bekommen die Pferde immer zu fressen, wenn sie Appetit haben, ohne zu dick zu werden. Das entspricht mehr ihrem Naturell als zwei, drei Fütterungen am Tag.

Trendsetter: Andrea und Toni Zeller – mit Islandpferd Rasmus – setzen seit 20 Jahren auf Offenstallhaltung.

Gleichzeitig mit dem Hof der Zellers ist die ganze Branche im Landkreis Ebersberg gewachsen. Für einen Pferde-Physiotherapeuten, eine Pferde-Heilpraktikerin oder einen Pferde-Orthopäden muss der Reiter die Region nicht mehr verlassen – die Infrastruktur ist da. „Es gibt heute mehr Berufe in der Branche, Leute, die sich spezialisieren“, sagt Andrea Zeller. Sogar einen Arbeitskreis der Pensionspferdehalter gibt es für den Raum München; im Winter kam er erstmals im Landkreis Ebersberg zusammen. Auch die Reiter seien mittlerweile anspruchsvoller, was Futter und Haltung angeht, beobachtet Toni Zeller – den wenigsten reiche ein Schuppen mit einer Wiese davor, wie er ab 150 Euro als Pensionsplatz zu haben sei.

Bis zu 900 Euro im Monat für den Platz in der Pferdepension

Bis zu 900 Euro monatlich koste ein Platz in einer Pferdepension in Vollausstattung: mit Reithallen, Führanlage, Laufband, Springplatz und allen möglichen sonstigen Schikanen. „In der oberen Preisklasse suchen die Leute den Luxus“, sagt Andrea Zeller und frotzelt: „Nicht immer unbedingt für die Pferde.“

Bei den Zellers auf dem Schrankenschneiderhof kostet der Stellplatz 340 Euro. „Wir sind nicht die billigsten“, bekennt die Landwirtin. Dennoch sei die Nachfrage groß – und die Zahl der von München aus anrollenden SUVs überschaubar. Die meisten Kunden kommen aus der Region. Andrea Zeller deutet auf einen hünenhaften Schimmel, der in Richtung Unterstand trottet. „Der gehört einer Friseurin“, sagt sie. Sprich: Es sind nicht nur die Reichen, die reiten.

Mit den Pferdepensionen ist es übrigens noch nicht getan. Das Landratsamt zählt im Pferde-Landkreis Ebersberg noch eine Reihe Turnierställe, vor allem rund um Vaterstetten. Dazu einen Ausbildungsstall, den Ingelsberger Voltigierverein, mehrere Westernställe, Islandpferdehöfe, ein Trabergestüt, einen Reit- und Fahrstall. Große Pferdezuchten gibt es dagegen im Landkreis nicht, aber einige, die sich auf Spezialrassen wie Apaloosa oder Araber spezialisiert haben – darunter übrigens auch der Schrankenschneiderhof mit seinen irischen Tinkern.

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