Vogelschützer fordern „Flugsicherung“

Landkreis Ebersberg - Für die einen ist es ein Sieg, für die anderen der Untergang der Windenergie in Bayern. Und für manche ist es beides.

Es geht um die jüngste Entscheidung des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes. Höchstrichterlich wurde dort festgestellt, dass die 10H-Abstandsregel verfassungsgemäß ist.

Das heißt konkret: Ein Windrad muss üblicherweise einen Abstand zur nächsten Wohnbebauung einhalten, der zehnmal seiner Höhe entspricht. Die Konzentrationsflächenplanung des Landkreises Ebersberg, bei der sozusagen mögliche Standorte für Großwindanlagen „bevorratet“ werden sollten, ist dadurch nicht einfacher geworden. Ganz für die Tonne ist sie auch nach diesem Urteil nicht, denn der Freistaat hat solchen Projekten ein Hintertürchen aufgelassen. Wenn es einer Kommune gelingen sollte, alle Anlieger für ein solches Vorhaben zu gewinnen, darf gebaut werden. „Der Ball liegt damit wieder bei den Kommunen“, sagt der Energieberater des Landkreises Ebersberg, Hans Gröbmayr.

Unter denjenigen, die die Entscheidung des Verfassungsgerichtes kritisieren, ist auch der Landesbund für Vogelschutz, was insofern verwundert, weil er bei dem einzigen derzeit anstehenden Windradvorhaben in Hamberg in der Gemeinde Bruck zu den erbitterten Gegnern gehört, die die Initiatoren der Osterkling GmbH vor das Verwaltungsgericht gezogen haben. Ihr Motiv: Der Betrieb eines Windrades an dieser Stelle stellt ein tödliches Risiko für die geschützten Vogelarten Milan und Baumfalke dar.

In einer Presseerklärung bedauert der Landesbund jetzt aber die richterliche Entscheidung: „Wir hätten uns ein Festhalten an der bereits erfolgten und allseits abgestimmten Regionalplanung zu Windkraftgebieten gewünscht“, sagt LBV-Artenschutzreferent Andreas von Lindeiner. Er befürchtet jetzt, dass die „10H-Regel den Druck auf geschlossene Waldgebiete und gegebenenfalls Schutzgebiete erhöht“. Lindeiner hat damit für den Landkreis Ebersberg nur bedingt recht. Denn tatsächlich bemüht sich hier der Projektant Green City Energy, im Ebersberger Forst einen Windpark zu errichten. Das scheiterte bisher aber am Veto der Flugsicherung, die in der Anlage eine Gefahr für den Flugverkehr des Münchner Flughafens zu erkennen glaubt. Gröbmayr ist aus diesem Grund für den Standort im Forst „nicht optimistisch“. Er sagt: „Das ist wirklich eine schwierige Situation.“ Das endgültige Aus für die Konzentrationsflächenplanung, die bereits Steuergeld gekostet hat, sieht Gröbmayr aber noch nicht gekommen. „Wenn die Kommunen „Flagge zeigen würden“ und die dadurch entstehenden Konflikte aushalten würden, könne eine Lösung für einen Standort im Landkreis nach wie vor gefunden werden, so der Energieberater. Eines steht für ihn fest: „Wir brauchen eine Handvoll Windräder im Landkreis Ebersberg für die Energiewende.“

Der Standort im Ebersberger Forst ist aber nicht nur der Flugsicherung ein Dorn im Auge. Denn der Landesbund für Vogelschutz fordert ebenfalls eine Art „Flugsicherung“ ein. Von Lindeiner: „Da die Natur dynamisch ist, sind reine Waldarten wie der Schwarzstorch oder der Wespenbussard, die mitten im Wald brüten, oder auch waldbewohnende Fledermausarten immer schwer zu erfassen.“ Gleichzeitig bedauert der Landesbund für Vogelschutz aber: „Aufgrund der massiv zurückgegangenen Anzahl genehmigter Windkraftanlagen seit Inkrafttreten der Abstandsregelung befürchten die Naturschützer des LBV nun ein Ende des Ausbaus der energieeffizientesten regenerativen Energieform in Bayern.“

Von Michael Seeholzer

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