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Wohin mit den Menschen? Schon jetzt wird vor allem im Landkreisnorden (hier Poing) kräftig gebaut.

Bevölkerungsentwicklung

Landkreis Ebersberg wächst bayernweit am stärksten

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Landkreis - Neue Zahlen des Statistischen Landesamts prognostizieren 17,5 Prozent mehr Menschen bis zum Jahr 2034: Dann werden 158.000 Menschen zwischen Baiern und Markt Schwaben wohnen. Der enorme Siedlungsdruck bereitet Landrat Niedergesäß Kopfzerbrechen.

„Das ist keine Spitzenposition, die man sich wünscht.“ Ausnahmsweise ist Landrat Robert Niedergesäß (CSU) nicht zufrieden, dass der Landkreis in einer Rangliste ganz oben steht. Nach der neuesten Prognose des Bayerischen Statistischen Landesamts bis zum Jahr 2034 wird im Landkreis Ebersberg nämlich in den kommenden 20 Jahren der größte Bevölkerungszuwachs von allen bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten zu verzeichnen sein. 17,5 Prozent mehr Menschen werden im Jahr 2034 hier leben, in ganz Bayern werden es fünf Prozent mehr sein. Das bedeutet, dass im Landkreis Ebersberg dann über 158 000 Menschen wohnen sollen. Bisher hatte die Spitzenposition bei den Wachstumsraten der Landkreis München inne.

Dieser Siedlungsdruck hat Folgen. Die bereits hier lebenden Menschen wollten oft keinen weiteren Zuzug. Schon jetzt ist Wohnraum knapp. Knappes Bauland treibt die Preise nach oben. Was nutze es da, wenn jemand hier Arbeit habe, „aber sich das Wohnen nicht mehr leisten kann“, fragt Niedergesäß. Deshalb hat der Landrat jetzt „heilige Kühe“ in Frage gestellt, unter anderem die Ausgleichsflächenregelung. Damit fing er sich prompt heftigen Widerspruch bei den Grünen und den Naturschützern ein.

Gesetzlich festgelegt ist, dass Eingriffe in die Natur, beispielsweise durch neue Baugebiete, an anderer Stelle ausgeglichen werden müssen. Das kann teuer werden. Früher habe man in Vaterstetten beispielsweise für derartige Flächen fünf Euro pro Quadratmeter zahlen müssen. Jetzt könnten es 30 Euro pro Quadratmeter sein. „Man muss diese Fläche auch erst mal bekommen“, so Niedergesäß. Man muss nicht in der Gemeinde ausgleichen, in der gebaut wird. Die Gemeinden im Süden des Landkreis wollten aber nicht das „Ausgleichsflächenkonto“ für den restlichen Landkreis werden, gibt Niedergesäß zu bedenken. Zudem gebe es Konkurrenz um die Flächen mit der Landwirtschaft. Ausgleichsflächen beispielsweise noch weiter entfernt in Ober- oder Unterfranken nachzuweisen sei „momentan nicht möglich“, so der Landrat. Das mache aus seiner Sicht auch keinen Sinn.

Einen radikalen Schnitt will Niedergesäß aber offenbar nicht. Die Abschaffung der Ausgleichsflächenregelung „ist keine Lösung“, betonte er am Dienstag gegenüber der Ebersberger Zeitung. „Ich suche keine neue Front mit den Naturschützern.“ Doch den Konflikt hat er jetzt dennoch. Unter anderem hat der Landesbund für Vogelschutz (LBV) „mit Entsetzen“ reagiert. Die Organisation beklagt den hohen Flächenverbrauch auch bei uns. Im vergangenen Jahr seien es im Landkreis über 42 Hektar gewesen, vor allem bedingt durch die Gewerbegebiete Parsdorf und Poing. Dies entspricht 57 Fußballfeldern.

„Wir sind der Meinung, dass derartige flächenfressende Monster zukünftig weder nötig sind noch möglich sein sollten.“ Feldbrüter wie der Kiebitz und das Rebhuhn seinen im Landkreis schon so gut wie ausgestorben. „Der LBV befindet sich hier auch in Übereinstimmung mit vielen Landwirten, denen der Flächenfraß in unserem Landkreis ebenfalls zu weit geht“, heißt es in einer Presseerklärung. Der Verband kritisiert zudem: Die „naturfeindliche Haltung unseres Landrats“ habe sich in den vergangenen Jahren „zunehmend weiter radikalisiert“, wie das aktuelle Beispiel zeige.

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