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Das Kreisjugendamt Ebersberg bietet vielfältige Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen an, um Gewalt gegen Kinder erst gar nicht zustande kommen zu lassen.

Schatten der Familie

Wenn Eltern zuhauen...

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    Christoph Hollender
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Blaue Flecken bei Kindern müssen nicht vom Spielen kommen. Gewalt in Familien gibt es. Oft steckt menschliche Überforderung dahinter. Ein Blick in den Landkreis. 

Ebersberg/München – Es gibt Fälle, die Regina Brückner (54) trotz jahrzehnte langer Berufserfahrung nicht unberührt lassen. Dann bleibt sie auch abends zu Hause nachdenklich. Wenn sie mitbekommt, dass eine Mutter oder ein Vater dem eigenen Kind mitten ins Gesicht geschlagen hat. Die 54-Jährige leitet die Beratungsstelle für Eltern, Kinder, Jugendliche und Familien der Caritas in Ebersberg.

Die meisten Eltern wollen nicht gewalttätig werden, manchmal platze einfach der Kragen: Überforderung und Verzweiflung führten dazu, „dass einem Elternteil eben mal die Hand ausrutscht“, erklärt Brückner. „Gewalt in Familien gegen Kinder gibt es“, sagt sie. Auch im Landkreis Ebersberg. „Durch alle Gesellschaftsschichten.“

Doch nicht nur direkte körperliche Gewalt sei ein Thema im Beraterteam bestehend aus Psychologen und Sozialpädagogen der Caritas. Psychische Gewalt gegen Kinder könnten diese oft noch mehr belasten. Wenn ein Kind sehen muss, dass ein Elternteil den anderen schlägt, „kann das traumatische Folgen haben“, sagt Brückner. Rund fünfmal im Jahr würde das Team um Brückner mit Gewalt von Eltern gegen Kindern konfrontiert. Oft kämen Mütter hilfesuchend zu Brückner. „Wir sind in solchen Situation immer da und versuchen zu helfen oder zu vermitteln“, sagt Brückner.

Gewalt gegen Kinder gebe es in allen Gesellschaftsschichten, sagt Regina Brückner von der Caritas.

Wenn die blauen Flecken nicht vom Spielen kommen

Dass blaue Flecken eben nicht immer nur vom Spielen herrühren, komme vor, belegt eine Studie. Ärzte und Pädagogen sind dann alarmiert. Die Gemeinden Haar und Grasbrunn im Landkreis München wollen gegensteuern und überforderten Eltern frühzeitig helfen.

„Es ist gut, wenn jemand Tipps gibt bei Ängsten oder entlastet bei körperlicher Erschöpfung. Und vor allem, wenn Verwandte oder Freunde psychische Unterstützung geben, zum Beispiel in der Trotzphase eines Zweijährigen“, sagte Katharina Dworzak, Haars stellvertretende Bürgermeisterin, bei einer Veranstaltung zum Thema.

Die meisten Mütter und Väter meistern das Leben mit Kleinkindern. Aber eben nicht alle. Einige brauchen Hilfe, und zwar frühzeitig. Darum wollen Haar und Grasbrunn ein Netzwerk „Frühe Hilfen“ gründen und darin soziale Dienste, Pädagogen, Mediziner und Therapeuten zum Austausch und zur Kooperation zusammenbringen. Soziale Dienste und medizinische Anlaufstellen sollen sich vernetzen und Eltern frühe Hilfe anbieten – bevor das Jugendamt eingeschaltet werden muss.

„Inzwischen melden sich Gynäkologen, die sich Sorgen machen um Hochschwangere.“

In Unterschleißheim laufe dies seit einigen Jahren mit großem Erfolg, berichtet Yvonne Grießhammer von der Beratungsstelle „Guter Anfang im Kinderleben“ („AndErl“) des Landkreises München. Dort werde mit Oberschleißheim kooperiert. „Für Mediziner ist Netzwerkarbeit nicht alltäglich“, stellt Christoph Liel vom Deutschen Jugendinstitut fest. Dabei seien Ärzte wichtige Partner bei der Früherkennung von Problemen. Diese Erfahrung kann Grießhammer bestätigen. Anfangs habe „AndErl“ sich bemüht, Gynäkologen einzubinden. Vergeblich. „Wir sind am Desinteresse der Gynäkologen gescheitert.“ Nach neun Jahren „AndErl“ habe sich das aber geändert. „Inzwischen melden sich bei uns Gynäkologen, die sich Sorgen machen um Hochschwangere.“ Liel vom Deutschen Jugendinstitut stellte eine Studie vor, bei der 8065 Familien befragt wurden, die mit Null- bis Dreijährigen zur Vorsorgeuntersuchung kamen und im Wartezimmer des Kinderarztes einen zweiseitigen Fragebogen ausfüllten. Untersucht wurde, warum manche Familien gefährdeter sind als andere und wie Hilfeangebote angenommen werden. Das erschreckende Ergebnis: Fünf Prozent berichteten von familiärer Gewalt, dabei gibt es Kindeswohlgefährdung in allen Schichten.

Christian Salberg, Leiter des Kreisjugendamtes im Ebersberger Landratsamt, sagt: „Gewalt gegen Kinder ist keine Frage des Milieus.“ Das Thema sei auch im Landkreis präsent. Im Januar wurde für erfahrene Fachkräfte, Kinderärzte und pädagogischen Mitarbeiter des Jugendamtes ein Vortrag mit Elisabeth Mützel (Leiterin der Kinderschutzambulanz am Institut für Rechtsmedizin der Ludwigs-Maximilian-Universität München) organisiert, der das Thema Missbrauch und Misshandlung von Kindern zum Inhalt hatte. Salberg sagt: Ziel sei es, Fachkräfte für alle Anzeichen von Misshandlung oder Missbrauch von Kindern zu sensibilisieren und über die erforderlichen Verfahrensschritte zu informieren.

Die Dunkelziffer...

Das Kreisjugendamt Ebersberg bietet vielfältige Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen an, um Gewalt gegen Kinder erst gar nicht zustande kommen zu lassen. Überlasteten Familien können Familienhebammen oder den sozialpädagogische Dienst in Anspruch nehmen. Es gibt Beratungs- und Anlaufstellen an Schulen und Erziehungsberatungsstellen wie die der Caritas und dem Team um Regina Brückner.

Die 54-Jährige kennt die Lage im Landkreis. Gewalt gegen Kinder in Familien sei zwar in den letzten Jahren nicht „frappierend mehr geworden“, sagt sie. Aber die Dunkelziffer sei niemandem bekannt. Das sei auch bei häuslicher Gewalt der Fall, wenn zum Beispiel der Mann die Frau schlägt. Oft werde das nie bekannt, weil sich die Frau schämt oder vom Partner bedroht werde. Es sei ein Schatten in der Gesellschaft. 

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